Kälte-Tote in Osteuropa

Thermometer sinkt in Deutschland auf Minus 20 Grad

Schnee auf Mallorca, in Tschechien brechen durch den Frost Bahnschienen. Hoch "Cooper" friert Europa sibirisch ein. In Brandenburg erfror eine 55-Jährige.

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Mit eisiger Luft aus Sibirien kühlt Hoch "Cooper" Deutschland auf Gefrierschrank-Niveau herunter .

Eine 55-Jährige erfror im Landkreis Oberhavel in Brandenburg. Ein Jagdpächter fand die Frau am Sonntag auf einem Feldweg zwischen Velten und Leegebruch in leblosem Zustand, wie die Polizei am Montag berichtete. Der Notarzt konnte nur noch den Tod der Frau feststellen. Nach ersten Erkenntnissen war sie in der Nacht zuvor zu Fuß auf dem Feldweg aus Velten in Richtung Leegebruch unterwegs.

Sie kam offensichtlich vom Weg ab und fiel in einen Wassergraben. Aus diesem konnte sie sich retten und etwa 150 Meter weiter kriechen, wo sie vermutlich erfror. Hinweise auf eine mögliche Straftat gibt es nicht. Die Kriminalpolizei leitete ein Verfahren ein, um die Todesursache und die näheren Umstände zu prüfen.

Die Kälte kriecht von Ost nach West über Europa

Die eisigen Temperaturen sorgten am Montag in Polen für den bisher kältesten Tag des Winters. Am Wochenende erfroren mindestens zehn Menschen. Allein in der Nacht zu Montag kamen bei eisigen Minusgraden fünf Menschen ums Leben, teilte eine Sprecherin des Innenministeriums am Montag mit.

Im Dorf Stuposiany, gelegen im südostpolnischen Bieszczady-Gebirge, betrug die Temperatur am Morgen minus 27 Grad. In mehreren Städten des Landes waren angesichts der angekündigten Kältewelle bereits am Wochenende zusätzliche Übernachtungsplätze für Obdachlose eingerichtet worden.

Kälteopfer im Baltikum, Schnee auf Mallorca

Bulgarien hat angesichts der Kälte fast im ganzen Land die zweithöchste Warnstufe orange ausgerufen. Am kältesten war es mit 24 Grad unter null in der Stadt Tschirpan, berichtete das Staatsradio am Montag. Für die mittelbulgarische Stadt sei dies ein neuer Kälterekord – der alte bestand seit 1933. Straßen und Bürgersteige wurden vielerorts zu Rutschbahnen. Dutzende Menschen mussten mit Bein- oder Armbrüchen zum Arzt.

In Lettland starben drei Menschen an Erfrierungen, berichteten lokale Medien am Montag. In Litauen erfror ein weiteres Kälteopfer. Nach Angaben der meteorologischen Institute sind in Estland, Lettland und Litauen Anfang Februar stellenweise Tiefstwerte unter minus 30 Grad in der Nacht möglich.

Ausläufer der Kältewelle haben auch auf Spanien übergriffen. Auf der Ferieninsel Mallorca schneite es im Bergland der Sierra de Tramuntana zum ersten Mal in diesem Jahr. Auf dem Festland herrschte in weiten Teilen Nord- und Mittelspaniens Nachtfrost.

In Tschechien brechen Eisenbahnschienen

Eisiger Frost hat auch Tschechien fest im Griff: Die tiefste Temperatur wurde am Montagmorgen mit minus 20,9 Grad in der Gemeinde Svetla Hora im Altvatergebirge gemessen. Bis Ende der Woche könnte das Quecksilber nach Angaben der Meteorologen an einzelnen Orten sogar auf bis zu minus 35 Grad sinken.

Auf zwei Eisenbahnstrecken im Osten des Landes brachen des starken Frosts halber die Schienen. Dort mussten Passagiere auf Busse umsteigen. Im Norden Tschechiens starb ein Autofahrer, als sein Fahrzeug auf glatter Straße auf die Gegenfahrbahn geriet und mit einem Linienbus zusammenstieß.

Gefährlich ist die Frostwelle für die etwa 3000 Obdachlosen in der tschechischen Hauptstadt. Neun Wohnungslose starben nach Angaben des Rettungsdienstes in diesem Winter bereits auf Prags Straßen. Hilfsorganisationen warnen seit Jahren vor einem Mangel an festen Notunterkünften.

Vom Plan, provisorisch eine aufblasbare Halle zu installieren, hatte die Stadt aus Sicherheitsgründen und aus Rücksicht auf Anwohner wieder Abstand genommen.

Drei Tote bei Schneesturm in Serbien

Starke Schneefälle und eisige Temperaturen kosteten in Serbien drei Menschen das Leben. Die Behörden erklärten am Montag, in der Mitte des Landes sei eine Frau sei in einem Schneesturm erfroren, ein älterer Mann sei tot im Schnee vor seinem Haus gefunden worden. Der 81-Jähriger starb in seinem Haus in derselben Region. Weiter südlich wurde nach zwei Männern gesucht, die beide über 70 Jahre alt waren.

Die Behörden haben ältere Menschen aufgefordert, angesichts von Temperaturen von minus 20 Grad in einigen Landesteilen ihre Häuser nicht zu verlassen. Der Schneefall führte außerdem zu Verkehrsproblemen und Stromausfällen. Starker Wind behinderte die Räumarbeiten.

Vier Menschen in Rumänien erfroren

Bei Temperaturen von minus 25 Grad erforen in Rumänien 4 Menschen, teilte das Gesundheitsministerium in Bukarest am Montag mit. Vereinzelt blieben am Montag Schulen auf dem Land geschlossen – die Heizungen kamen nicht gegen den Frost an.

In der ostrumänischen Industriestadt Galati mit etwa 300.000 Einwohnern hatte die Hälfte der Bevölkerung am Montagmorgen kein Trinkwasser, weil Pumpstationen eingefroren waren. Für die nächsten 3 Tage wurden Tiefsttemperaturen von minus 27 Grad erwartet.

Italiens Nordwesten unter dicker Schneedecke – Schulen zu

Nach starken Schneefällen liegt der Nordwesten Italiens unter einer dicken weißen Decke. Weil auch in der piemontesischen Metropole Turin knapp 20 Zentimeter Schnee gefallen sind und Gefahr durch Eisglätte drohte, blieben die Turiner Schulen am Montag geschlossen, wie Medien berichteten.

Kinder bauten stattdessen auf den Plätzen der Stadt Schneemänner. Zeitweise ohne Strom waren am Wochenende etwa 9000 Menschen vor allem in Alessandria und Asti. Hunderte Techniker waren im Einsatz, um die Schäden – vor allem Leitungsbrüche durch das Gewicht des Schnees – zu beheben. Die Meteorologen erwarteten, dass sich die Wetterfront im Laufe des Tages nach Süden verlagert und dann von Dienstag an sibirische Kälte folgt.

Boddengewässer an der deutschen Ostseeküste gefroren

Nach knapp einer Woche Dauerfrost gefrieren die ersten Boddengewässer an der deutschen Ostseeküste. Mit Behinderungen für die Schifffahrt sei jedoch frühestens in zwei Wochen zu rechnen, sagte am Montag Jürgen Holfort vom Eisdienst des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Rostock.

Mit bis zu sieben Zentimetern ist die Eisdicke in der kaum befahrenen Dänischen Wiek bei Greifswald am stärksten. Kompaktes Eis gibt es auch südlich von Darß-Zingst sowie im Greifswalder Bodden. Auch in der Lübecker Bucht und im Fahrwasser nach Schleswig hat sich Eis gebildet.

Ein Zufrieren der Alster in Hamburg ist noch nicht in Sicht. "Es ist zu früh, auch nur daran zu denken", sagte ein Sprecher der Umweltbehörde.

Wegen Kälte schulfrei in Sibirien und Gas-Rekordverbrauch

Wegen Superkälte bis zu minus 45 Grad haben Schüler in Sibirien am Montag schulfrei bekommen. Der Gasverbrauch im größten Land der Erde erreichte Rekordwerte, wie die Agentur Interfax nach Angaben von Energieunternehmen berichtete.

Am kältesten bewohnten Punkt der Erde im russischen Ort Oimjakon waren die Menschen noch ganz gelassen, wie Verwaltungschef Wassili Mestnikow sagte. In der Nacht habe das Thermometer minus 54 Grad angezeigt. Die Bewohner der fernöstlichen russischen Teilrepublik Jakutien seien an solche Temperaturen gewohnt.

Tagsüber bewegten sich die Werte zwischen minus 30 und minus 45 Grad in Jakutien, hieß es. Auf der Straße liefen die Jakuten mit dicken Pelzen, und dreifach verglaste Fenster sollten die Wärme besser in den Wohnungen halten, sagte Mestnikow nach Angaben der Agentur Itar-Tass.

Wo es zu kalt war, sei der Unterricht wie oft im Winter ausgefallen. Demnach erreichten die Temperaturen dort aber noch keine Rekordwerte. Es wurde noch größere Kälte erwartet.

Wegen des Frosts seit einigen Tagen sei der Gasverbrauch erstmals überhaupt auf zwei Milliarden Kubikmeter pro Tag gestiegen, meldete die Agentur Interfax nach Angaben von Energieunternehmen. Das sei so viel wie der Jahresverbrauch etwa von EU-Mitglied Bulgarien. Um den Bedarf zu decken, würden vor allem auch die Gasspeicher angezapft.

18 Tote in der Ukraine, Hunderte Erfrierungen

In der Ukraine erfroren bei Temperaturen von bis zu -32 Grad Celsius 18 Menschen. Das berichtete die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass am Montag. 473 Personen mussten zudem zwischen Freitag und Sonntag wegen Erfrierungen in Krankenhäusern behandelt werden.

Die Regierung rief die Bevölkerung auf, die Häuser nur zu verlassen, wenn dies unbedingt erforderlich sei. In den kommenden Tagen sollen die Temperaturen allerdings auf Werte von -15 bis -23 Grad Celsius ansteigen.

In der zweiten Wochenhälfte überall in Deutschland kälter

Am Montagmorgen herrschten im Osten Deutschlands stellenweise bereits zweistellige Minusgrade. Um 8 Uhr registrierte der Deutsche Wetterdienst in Görlitz 10,4 Grad unter null, in Cottbus waren es minus 9,9 Grad. Auch im übrigen Land herrschte Frost – die beiden einzigen Stationen ohne Minuszeichen waren Karlsruhe (plus 0,2 Grad) und Mannheim (0,6 Grad).

Hoch Cooper sorgt in Deutschland vor allem östlich des Harz und in der Oberpfalz für klirrende Temperaturen. So sank das Thermometer dort am Montagmorgen auf minus 13 Grad Celsius, wie der Meteorologe Thomas Schumann vom Deutschen Wetterdienst sagte.

In der zweiten Wochenhälfte werde es überall in Deutschland noch kälter, kündigte Schumann an. Von der Ostseeküste über die Mittelgebirge bis nach Bayern lägen die Temperaturen dann deutlich unter minus zehn Grad. Am kältesten werde es mit bis zu minus 20 Grad im Nordosten Thüringens und in Bayern.