Prostitution

Pariser Spezialeinheit schließt Skandal-Swingerclub

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Céline Lauer

Foto: dpa / dpa/DPA

Der algerische Fußballer Mabrouk soll im "Les Chandelles" mit Prostituierten Geld verdient haben. Die Pariser Spezialeinheit gegen Zuhälterei schloss den Swingerclub.

Eine Metalltür mit goldenen Cupidopfeilen weist den Weg in die Welt der erotischen Eskapaden. Ansonsten aber ist die Fassade des Hauses Nummer 1 in der Rue Thérèse, einer schmalen Pariser Gasse ganz in der Nähe des Palais Royal, eher unauffällig – was gerade die prominenteren Gäste aus Sport, Politik und Unterhaltung sehr zu schätzen wissen dürften.

Denn hinter der gutbürgerlichen Kulisse im 1er Arrondissement befindet sich "Les Chandelles", ein Etablissement, das auf seiner Website mit "intimen Dinners im romantischen Rahmen" für Verliebte bis hin zur "spielerischen Reise ins Herzen der Wollust und der sinnlichen Freuden" wirbt – Geschäftsgrundlage ist die Liebe in allen Variationen.

Offenbar auch die käufliche Liebe, weshalb den Betreibern jetzt Ärger ins Haus steht. Denn der algerische Fußballspieler Alim Ben Mabrouk soll dort mit Prostituierten sein Geld verdient haben. Die Pariser Spezialeinheit gegen Zuhälterei hat den Edel-Swingerclub deshalb zu Wochenbeginn für mindestens einen Monat geschlossen.

Die Geschäftsführung, so berichten französische Medien, sei bereits Anfang des Monats verhört worden.

Gegen Mabrouk, Ex-Spieler von Olympique Lyon, wird schon seit Dezember wegen Zuhälterei ermittelt; er war nach Informationen des "Nouvel Observateur" zusammen mit zwei weiteren Personen im September unter gerichtliche Aufsicht gestellt geworden.

Es ist nicht das erste Mal, dass "Les Chandelles" im Zusammenhang mit dem Rotlichtmilieu Schlagzeilen macht: Der Club war auch der Auslöser für den Skandal um Bayern-Spieler Franck Ribéry, der in dem exklusiven Szene-Treff ebenfalls Prostituierte getroffen haben soll.

Mit Prostituierten getroffen und sie zur Arbeit angehalten

Die Vorfälle zeigen erstaunliche Parallelen: Beide Male waren es Fußballspieler, die sich in halbseidenen Clubs mit Damen aus dem horizontalen Gewerbe vergnügten. Allerdings sind die Vorwürfe, die gegen die Männer erhoben wurden, unterschiedlicher Natur. Mabrouk, so heißt es, soll sich nicht nur mit den Prostituierten getroffen, sondern sie auch regelmäßig dazu angehalten haben, dort ihrer Arbeit nachzugehen.

Alleinstehende Kunden hatten so eine weibliche Begleitung und damit die Möglichkeit, überhaupt Zutritt in den Swinger-Club zu erhalten und sich an den tauschfreudigen Spielchen anderer Paare zu beteiligen. Das haben offenbar auch schon einige Angestellte bestätigt:

Laut "Le Figaro" sagten die Beschäftigten aus, dass sie die Geschäftsführung von diesen Praktiken in Kenntnis gesetzt hätten – was diese bislang bei den Polizeiverhören stets verneint hatte. Besitzerin und Betreiberin der "Chandelles" ist Valérie Hervo, eine 44-jährige Dame und feste Größe im Pariser Nachtleben.

Öffentlich äußert sie sich nicht zu den Ermittlungen: "Ich habe Ihnen nichts zu sagen, außer, dass mein Etablissement mit dieser Geschichte nichts zu tun hat", lautete bislang ihre einzige Stellungnahme gegenüber französischen Journalisten.

Die Affäre um Mabrouk erinnert an den Skandal seines Kickerkollegen Ribéry, der 2009 die Dienste der in Algerien geborenen Escort-Girls Zahia in Anspruch genommen hatte – die damals allerdings noch minderjährig war. Die 17-Jährige sagte damals aus, weder der Bayern-Spieler noch sein ebenfalls beteiligter Nationalelf-Kollege Karim Benzema hätten ihr wahres Alter gekannt.

Die Staatsanwaltschaft glaubte Ribéry und stellte das Verfahren gegen den verheirateten Vater dreier Kinder im November vergangenen Jahres ein, nachdem bereits zahlreiche Details bekannt geworden waren – etwa, dass der Mittelfeldspieler die Prostituierte zu seinem 26. Geburtstag sogar nach Deutschland hatte einfliegen lassen.

Kennengelernt allerdings hatten sie sich im "Café Zaman" – ein weiterer Pariser Nachtclub, der für seine freizügige Abendgestaltung bekannt ist. Die drei Betreiber wurden damals verhaftet und das "Zaman" geschlossen.

Ex-Callgirl startet Karriere in der Modebranche

Wann oder ob "Les Chandelles" wieder öffnet, ist vorerst noch unklar. Madame Valérie hat sich immerhin auf ihrer Internetseite geäußert: Dort bedankt sich die Besitzerin für die zahlreichen aufmunternden Nachrichten, die sie erhalten habe.

"Ich erwarte euch heute Abend und an allen anderen Abenden von ganzem Herzen... lasst uns mit allen Ausschweifungen feiern". Das klingt nun so gar nicht nach einer endgültigen Schließung, sondern eher nach dem Versuch, die Kundschaft um Geduld zu bitten. Denn die Ermittlungen um den Swingerclub werden voraussichtlich noch eine ganze Weile andauern.

Wie passend erscheint da die Nachricht, die ausgerechnet dieser Tage ebenfalls aus der französischen Hauptstadt kommt: Dort hat nämlich die inzwischen 19-jährige Zahia eine Karriere in der Modebranche gestartet. Für die erste Präsentation ihrer Dessous-Kollektion genoss sie die volle Unterstützung von Karl Lagerfeld.

Der Modezar von Chanel fotografierte ihre Modelle und rühmte in einem Zeitungsinterview die "sehr französische Tradition der Galanterie", die ihre Kollektion verkörpere. "Nichts an ihr ist vulgär", verteidigte er das Ex-Callgirl von Franck Ribéry.

Von der schlüpfrigen Gespielin zur Schlüpfer-Designerin – das dürfte in Paris derzeit wohl die beste Pointe sein.

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