Havarie vor Giglio

Drei Deutsche unter Opfern der "Costa Concordia"

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Foto: REUTERS

Unter den Todesopfern des havarierten Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" sind bis Mittwoch drei Deutsche identifziert worden. Der Krisenstab hält es für unwahrscheinlich, noch Überlebende in dem Wrack zu finden. Unterdessen werden Sammelklagen gegen die Reederei vorbereitet.

Unter den Todesopfern des havarierten Kreuzfahrtschiffes „Costa Condordia“ sind bis Mittwoch drei Deutsche identifiziert worden. Weitere neun Staatsangehörige würden noch vermisst, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Mittwochabend in Berlin. Einer der drei Toten war bereits von den italienischen Behörden identifiziert worden.

Hoffnung, noch Überlebende im Wrack des Schiffes zu finden, gibt es kaum mehr. Dafür müsse ein Wunder geschehen, sagte der Leiter des Krisenstabs, Franco Gabrielli, am Mittwoch. Dennoch würden die Rettungsarbeiten so lange fortgeführt, bis jeder zugängliche Bereich kontrolliert worden sei.

Verrottende Abfälle gefährden Raucher

Nach einer kurzen wetterbedingten Unterbrechung in der Nacht hatten die Rettungskräfte am Mittwoch im Wrack vor der italienischen Küste die Suche nach Vermissten wieder aufgenommen. Dabei setzten sie erneut Sprengungen ein, um den Tauchern den Zugang ins Innere zu erleichtern. Auch die Vorbereitungen zum Abpumpen des Treibstoffs aus dem havarierten Schiff wurden fortgesetzt.

Verrottende organische und sonstige Abfälle an Bord des 290 Meter langen Schiffes stellen eine Gesundheitsgefährdung für die Taucher dar, sagte der Krisenstabsleiter. Mögliche Infektionen seien ein Problem, „das noch gelöst werden muss“. Dagegen habe ein Plan für den späteren Abtransport des Schiffsriesen derzeit „keine Priorität“. Erst müsse die Suche abgeschlossen und das Öl an Bord abgepumpt sein.

Reederei weist Schuld an Manöver von sich

An Bord des Kreuzfahrtschiffes waren etwa 4.200 Menschen. Bislang ist der Tod von 16 Menschen bei dem Unglück bestätigt. 17 Personen gelten offiziell als vermisst. Zuletzt wurde am 15. Januar ein Mensch lebend von der „Costa Concordia“ geborgen. Das Schiff war am 13. Januar vor der Insel Giglio auf Grund gelaufen und gekentert.

Derweil hat die Reederei des Kreuzfahrtschiffes die Schuld für die Havarie von sich gewiesen. Kapitän Francesco Schettino habe nicht die Erlaubnis gehabt, die Route der „Costa Concordia“ zu ändern, zudem sei er mit 16 Knoten viel zu schnell unterwegs gewesen, sagte Generaldirektor Pier Luigi Foschi. Der Kapitän hatte die Reederei für das Unglück mitverantwortlich gemacht.

Sammelklagen werden vorbereitet

In Florida wird eine Sammelklage gegen den US-Mutteronzern der Reederei Costa Crociere vorbereitet. Dabei geht es in Einzelfällen um Entschädigungsummen von mehr als einer Million Euro. Auch die italienische Spitzenanwältin Giulia Bongiorno kündigte eine Sammelklage gegen Costa Crociere an.

Bei einer Anhörung im italienischen Senat verlas Costa-Chef Pier Luigi Foschi eine Erklärung, in der er detailliert die Telefonkontakte Schettinos zur Krisenabteilung der Reederei in der Unglücksnacht aufzählte. Schettino habe zunächst nicht den Eindruck erweckt, dass die Lage so schlimm sei, sagte Foschi. Er warf dem Kapitän deshalb vor, die Reederei über das Ausmaß der Katastrophe getäuscht zu haben. Foschi räumte allerdings ein, dass die Reederei die Kapitäne zuweilen ermuntere, nah an der Küste vorbeizufahren. Im Fall der „Costa Concordia“ sei das Manöver aber nicht „authorisiert“ gewesen.

Schettino steht weiter unter Hausarrest, während die Polizei gegen ihn wegen Totschlags ermittelt. Sein Anwalt stellte am Mittwoch vor Gericht einen Antrag auf die Aufhebung des Hausarrests. Es bestehe weder Flucht noch Wiederholungsgefahr, sagte er.

( dpa/dapd/afp/bee )

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