Schiffsunglück

"Costa"-Schwesterschiff lief schon 2005 auf Grund

Bereits vor sieben Jahren wurde eine Havarie von der Reederei "Costa Cruises" vertuscht. Im Fall "Costa Concordia" wurden jetzt zwei tote deutsche Passagiere identifiziert..

Foto: AFP

Bei der Suche nach der Unglücksursache für die Havarie der "Costa Concordia" wächst der Druck auf den Kreuzfahrtanbieter Costa Crociere. Während italienische Staatsanwälte noch am Mittwoch die Rolle der Reederei genauer untersuchen wollten, wurde in Florida bereits eine Sammelklage gegen den US-Mutterkonzern von Costa Crociere vorbereitet.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes sind mittlerweile insgesamt zwei deutsche Todesopfer identifiziert. Die Zahl der vermissten Deutschen liege nun bei zehn, sagte eine AA-Sprecherin am Mittwoch in Berlin. Zur genauen Herkunft der Opfer machte sie keine Angaben. Unter den beiden Toten sei auch das bereits von den italienischen Behörden gemeldete deutsche Opfer.

Bei Sorrento lief die "Costa Fortuna" 2005 auf Grund

Zudem wurde bekannt, dass bereits im Jahr 2005 ein Schwesterschiff der "Costa Concordia" bei Sorrento (Italien) auf Grund lief, weil sie sie der Küste zu nahe gekommen war.

Wie die britische Tageszeitung "Independent" am Mittwoch berichtete, habe es sich dabei um die "Costa Fortuna" gehandelt, die am 24. April 2005 auf dem Weg von Savona nach Palermo auf Grund gelaufen sei. Die Zeitung zitiert als Quelle den Fotografen Roberto Cappello: "Wir waren nah, sehr nah an der Küste - etwa 200 Meter - als wir auf Grund liefen. Es gab einen lauten Knall", sagte Cappello demnach.

Geschirr fiel von den Tischen und der Rumpf wurde aufgerissen

Das Schiff habe geschwankt, Teller seien von den Tischen gerutscht und die Passagiere in Angst geraten, erinnert sich Cappello, der als offizieller Bordfotograf auf dem Schiff arbeitete.

Nach dem Vorfall sei er in den Rumpf des Schiffes gegangen, und habe einen Riss in der Außenwand entdeckte, der "eine Armlänge tief und Dutzende Meter lang" gewesen sei.

Auch eine der Schrauben des Schiffes sei beschädigt gewesen. Capello habe seine Beobachtungen dokumentiert, beim Verlassen des Schiffes hätte er jedoch alles Bildmaterial abgeben müssen.

Offiziell sei damals die Version verbreitet worden, das Schiff sei mit einem Wal zusammengestoßen, sagt der Fotograf.

Dieser Vorfall stützt Behauptungen des Kapitäns der Costa Concordia, Francesco Schettino, dass Schiffe der Reederei "Costa Cruises" auch in der Vergangenheit schon aus Werbezwecken in gefährlicher Nähe zum Ufer navigiert hätten – "bei Sorrento, Capri und überall", wie Kapitän Schettino vor dem Untersuchungsrichter Valeria Montesarchio ausgesagt hatte.

Die Reederei streitet jede Mitschuld ab

"Costa Cruises" hatte dagegen darauf bestanden, niemals die Schiffsführungen zu ufernahen Manövern zu Reklamezwecken ermutigt zu haben.

Rettungskräfte auf dem gekenterten Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" haben unterdessen die Hoffnung, weitere Überlebende zu finden, aufgegeben. "Jemanden lebend zu finden, wäre ein Wunder", sagte der Leiter des Krisenstabes, Franco Gabrielli, am Mittwoch auf der Insel Giglio.

Telefonate des Kapitäns wurden abgehört

Der schwer beschuldigte und unter Hausarrest stehende Kapitän des Unglücksschiffes "Costa Concordia", Francesco Schettino, hatte zuvor für neue Schlagzeilen gesorgt. Abgehörte Telefonate des 52-Jährigen nach der Havarie am 13. Januar mit Freunden scheinen Schettino zu belasten und seinen Aussagen im Verhör zu widersprechen.