Betrugsversuch

"Costa"-Vermisste bereits seit drei Jahren tot

Ungarische Behörden haben einen Betrugsversuch um eine angebliche Vermisste auf der "Costa Concordia" aufgedeckt. Die Angehörigen hofften wohl auf Schadenersatz.

Eine Vermisstenmeldung aus Ungarn hat sich als falsch erwiesen.

Eine Familie hatte sich an die italienischen Behörden gewandt, weil eine Frau aus der Familie angeblich unangemeldet auf dem Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" mitgereist war und sich nach dem Unfall nicht mehr gemeldet habe.

Wie das Außenministerium in Budapest jedoch mitteilte, habe die Familie „die Daten einer vor drei Jahren gestorbenen Person missbraucht“. Offenbar wollten die Verwandten später Schadenersatzzahlungen kassieren.

Zuvor hatte es Meldungen zu blinden Passagieren an Bord gegeben, die als Gäste der Crew nicht auf den Passagierlisten verzeichnet gewesen seien.

Suche nach Vermissten fortgesetzt

Am Dienstag begannen die Vorbereitungen für das Abpumpen von rund 2300 Tonnen Schweröl aus dem Kreuzfahrtschiff. Taucher der Bergungsfirma Smit inspizierten am Dienstag den Rumpf des gekenterten Schiffes, um zu sehen, in welchem Zustand dieser ist. Die Einsatzleitung hatte Smit am Montag Grünes Licht gegeben. Wenn keine Komplikationen auftreten, sollen die 17 Tanks des Ozeanriesen in knapp 30 Tagen geleert sein.

Auch die Suche nach Vermissten wurde fortgesetzt. Marine-Taucher gingen daran, sich auf der Höhe des dritten Decks am Heck der „Costa Concordia“ den Weg in das Schiffsinnere frei zu sprengen, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete.

Für den Abend wurden stärkerer Nordwind und bewegte See in der Region vor der toskanischen Küste vorhergesagt. Unklar war, ob das die Arbeiten an dem Schiff bedrohen könnte. Am Montag hatte ein Verantwortlicher des Zivilschutzes aber betont, Wellen von einer Höhe bis eineinhalb Meter würden den Einsatz nicht beeinträchtigen. Das Schiff drohe neuesten Messungen zufolge nicht weiter zu sinken.

Seit der Havarie vor elf Tagen wurden 15 Tote geborgen, etwa 20 Menschen werden noch vermisst. Unter den Opfern ist nach Angaben der italienischen Carabinieri auch ein Mann aus Deutschland – laut Auswärtigem Amt gelten aber weiterhin zwölf Deutsche als verschollen.

Der Generalstaatsanwalt der Toskana, Beniamino Deidda, rückte derweil die zuständige Reederei Costa Crociere ins Zentrum kritischer Fragen. „Der Arbeitgeber ist verantwortlich, man muss also den Blick auf die vom Reeder getroffenen Entscheidungen richten“, sagte Deidda, wie italienische Medien am Dienstag berichteten.

Deidda bezog sich damit auch auf die Tatsache, dass die Reederei den beschuldigten und unter Hausarrest stehenden Francesco Schettino zum Kapitän gemacht hatte. In Sachen Sicherheit und Organisation habe es „Probleme und unglaubliche Leichtfertigkeit gegeben“, hielt Deidda fest.

Costa-Manager Roberto Ferrarini soll am Abend des Unglücks und der erst spät angeordneten Evakuierung des Schiffes mindestens dreimal mit Schettino telefoniert haben.