Schettinos Frau

"Hetzjagd, man sucht einen Sündenbock, ein Monster"

Die Ehefrau von "Concordia"-Kapitän Schettino hat sich bislang im Hintergrund gehalten. Jetzt beschwert sich Fabiola Russo öffentlich über die Suche nach einem Schuldigen.

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Angesichts der schweren Vorwürfe gegen den Kapitän der havarierten „Costa Concordia“ hat dessen Frau eine „Hetzjagd“ gegen ihren Mann beklagt. „Ich kann mich an keine Luftfahrt- oder Schiffskatastrophe erinnern, bei der der Verantwortliche mit solch einer Wucht angegriffen worden wäre“, sagte Fabiola Russo dem französischen Magazin „Paris Match“. „Das ist eine Hetzjagd.“ Sie fügte hinzu: „Man sucht einen Schuldigen, einen Sündenbock, ein Monster.“

Kapitän Francesco Schettino wird vorgeworfen, das Schiff zu nah an der italienischen Insel Giglio vorbei manövriert zu haben. Dadurch war der Luxusliner auf Felsen aufgelaufen und gekentert.

Nach dem Unglück soll er zudem die Passagiere und die Besatzung an Bord im Stich gelassen haben. Bisher liegt die Zahl der Toten bei 16, nach Angaben des italienischen Zivilschutzes werden noch 16 Menschen vermisst, darunter mehrere Deutsche.

Die Ermittler nehmen einem Bericht zufolge zunehmend die Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere ins Visier. „Der Arbeitgeber ist der Verantwortliche“, zitierte die Zeitung „Corriere della Sera“ Chefermittler Beniamino Deidda. „Wir müssen uns ansehen, welche Entscheidungen von den Verantwortlichen getroffen wurden“, sagte Deidda demnach.

Deidda bezog sich damit auch auf die Tatsache, dass die Reederei den beschuldigten Schettino zum Kapitän gemacht hatte. In Sachen Sicherheit und Organisation habe es „Probleme und unglaubliche Leichtfertigkeit gegeben“, hielt Deidda fest. Costa-Manager Roberto Ferrarini soll am Abend des Unglücks und der erst spät angeordneten Evakuierung des Schiffes mindestens dreimal mit Schettino telefoniert haben.

Die Reederei aus Genua wehrte sich am Dienstag gegen „ehrenrührige“ Behauptungen an ihre Adresse, die nicht fundiert seien. Costa Crociere betonte auch, nach der Havarie aus Trauer und Respekt vor den Opfern alle geplanten Werbemaßnahmen verschoben zu haben. Das Unternehmen habe den Passagieren an Bord des Unglücksschiffes auch keinerlei Preisnachlass für künftige Kreuzfahrten angeboten.