Havarie vor Giglio

Costa Concordia - Toter Deutscher identifiziert

Nach dem Kreuzfahrt-Unglück in Italien ist ein erstes deutsches Opfer identifiziert worden. Seit der Havarie der Costa Concordia wurden zwölf Leichen geborgen.

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Die Bergungsmannschaften haben ihre Suche nach Vermissten auf der „Costa Concordia" wieder aufgenommen. Wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete, stiegen Spezialkräfte nach einigen Stunden Pause am Sonntagvormittag erneut in das Wrack des Kreuzfahrtschiffes vor der Insel Giglio.

Aus Sicherheitsgründen beschränkte sich die Suche aber zunächst auf die Teile des Schiffes, die aus dem Wasser ragen. Die Taucher müssten der „Concordia" weiter fern bleiben. In der Nacht waren die Arbeiten gestoppt worden, weil sich das auf Grund gelaufene Schiff leicht bewegt hatte.

Der Polizei zufolge ist ein deutsches Opfer identifiziert worden. Von acht bisher identifizierten Leichen stamme eine aus Deutschland, sagte ein Carabinieri-Hauptmann bei einer Pressekonferenz auf der Insel Giglio. Zwölf Leichen wurden seither geborgen. Von den acht mittlerweile Identifizierten seien sieben Männer und eine Frau. Vier Tote stammten aus Frankreich und je ein Opfer komme aus Deutschland, Italien, Spanien und Ungarn.

Das Auswärtige Amt in Berlin konnte den Bericht zunächst nicht bestätigen. Es lägen „keine belastbaren Informationen über deutsche Staatsangehörige unter den aufgefundenen Toten vor“, sagte eine Sprecherin. Offiziell würden weiterhin noch zwölf Deutsche nach dem Unglück vom Freitag vergangener Woche vermisst.

Insgesamt werden noch mehr als 20 Menschen vermisst. Die Vermissten sind nach Ansicht von Gabrielli „wahrscheinlich“ noch an Bord. Daher werde die Suche fortgesetzt.

Schettino beschuldigt Reederei

Gezielte Sprengungen sollten den Tauchern neue Zugänge zu dem Deck schaffen. Mindestens zwei Explosionen waren am Samstag im Hafen von Giglio zu hören, an dessen Küste das gekenterte, 290 Meter lange Schiff seit mehr als einer Woche auf felsigem Grund liegt. Die Frauenleiche wurde nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa gegen 13.30 Uhr entdeckt und an Land gebracht.

Zugleich rückt die drohende Umweltkatastrophe in den Fokus der Entscheidungen. Bis Sonntagabend soll nach Darstellung Gabriellis entschieden werden, wie die mehr als zwei Millionen Liter Treibstoff - vor allem Schweröl – abgepumpt werden können. Bis dahin dürfe die niederländische Spezialfirma Smit mit diesen Arbeiten nicht beginnen, sagte Gabrielli. Er wolle „den größtmöglichen Einsatz“ bringen, um den Inselbewohnern eine Umwelt-Tragödie zu ersparen.

Der Kapitän des gekenterten Kreuzfahrtschiffes machte die Reederei Costa Crociere für sein riskantes Manöver vor der Insel Giglio verantwortlich. Laut Tageszeitung „La Repubblica“ vom Sonntag hat Francesco Schettino bei einer Anhörung vor Gericht diese Woche erzählt, die sogenannte Verbeugung vor Giglio vom 13. Januar „wurde noch vor dem Start in Civitavecchia von Costa geplant und verlangt“. Mit Routen, die nahe an der Küste entlang führen, „machen wir Werbung für uns“, zitierte der „Corriere della Sera“ den unter Hausarrest stehenden Kapitän der „Costa Concordia“.

Manöver dieser Art habe es bereits „vor Capri, Sorrento, auf der ganzen Welt“ gegeben, habe Schettino vor der Untersuchungsrichterin am vergangenen Dienstag weiter gesagt. Im Anschluss an seine Aussage war er aus der Haft in den Hausarrest entlassen worden.

Dagegen will die Staatsanwaltschaft Grosseto Rekurs einlegen und hofft auf die Daten und aufgezeichnete Gespräche der in den vergangenen Tagen gefundenen Blackbox in dem vor Giglio leckgeschlagenen Schiff. Diese Hoffnung zerstreute Schettino schon in seiner Aussage vor Gericht. „Wir hatten an Bord ein Problem, seit 15 Tagen war das Backup der Sprachaufzeichnung kaputt. Wir haben einen Techniker gebeten, das Problem zu beheben, aber das ist nicht passiert.“

Zugleich rechtfertigte der Kapitän, den Notruf an die Küstenwache mehr als eine Stunde verzögert zu haben: „Aber wir mussten auf Nummer sicher gehen, denn ich wollte weder Passagieren ins Meer schicken noch Panik verbreiten, und es hätte unnötig Tote gegeben.“ Er habe unmittelbar nach der Kollision mit einem Felsen beim Kreuzfahrt-Unternehmen angerufen und sowohl ein Schlepperboot als auch Hubschrauber zur Rettung gefordert.

Aufzeichnung von der Brücke des Schiffs

Aufschluss über das Verhalten des Kapitäns zum Unglückszeitpunkt könnte eine Festplatte geben, die die Taucher aus dem Wrack bargen. Auf dem Datenträger sind womöglich Aufzeichnungen von Überwachungskameras auf der Brücke des Schiffes gespeichert. Die Staatsanwaltschaft erhofft sich demnach von dem Material Aufschluss darüber, was Kapitän Francesco Schettino zum Zeitpunkt der Havarie tat.

Schettino wird vorgeworfen, zu nah an die westitalienische Insel Giglio herangefahren zu sein und dadurch das Unglück vor gut einer Woche provoziert zu haben. Zudem könnte er auf der Brücke von einer Frau abgelenkt worden sein.

Dies weisen jedoch sowohl die 25-Jährige aus Moldau als auch Schettino zurück. Dem Kapitän wird zudem zur Last gelegt, die Menschen an Bord im Stich gelassen zu haben und zu früh von Bord gegangen zu sein.