Havariertes Kreuzfahrtschiff

Frauenleiche aus der Costa Concordia geborgen

Es besteht kaum noch Hoffnung, im Wrack des havarierten Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia Überlebende zu finden. Dennoch setzten Rettungskräfte ihre Suche am Sonnabend fort. Taucher stießen auf die Leiche einer Frau.

Foto: REUTERS / Reuters

Eine weitere Frauenleiche haben Taucher nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa im gekenterten Wrack des Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“ gefunden. Der Körper sei im Heck entdeckt worden, nachdem am Sonnabendmorgen mit gezielten Sprengungen neue Zugänge zu dem Schiff geschaffen worden waren.

Damit erhöhe sich die Zahl der Menschen, die bei der Havarie des Luxusliners vor gut einer Woche ums Leben kamen, auf zwölf. Wie die Agentur weiter berichtete, war die Leiche gegen 13.30 Uhr entdeckt und von den Tauchern der Küstenwache an Land gebracht worden.

Ohne große Hoffnung hatten Rettungskräfte am Sonnabend ihre Suche nach Überlebenden im Wrack des vor einer Woche verunglückten Schiffs vor der Insel Giglio fortgesetzt. „Wir bräuchten schon ein Wunder“, sagte der Sprecher der Küstenwache, Cosimo Nicastro.

Auch wenn es in dem Wrack irgendwo noch Luft gebe, sei es wegen der niedrigen Temperaturen unter der Meeresoberfläche unwahrscheinlich, noch Überlebende zu bergen. Das Schiff, das zuletzt in tieferes Gewässer abzurutschen gedroht hatte, lag offiziellen Angaben zufolge weiter stabil vor Giglio. Dort war es vor einer Woche am späten Freitag auf einen Felsen gelaufen und gekentert. Mindestens 21 Menschen werden noch vermisst.

Die Befürchtung des Krisenstabs, ein herannahender Sturm könnte die Lage des Schiffes und die Rettungsmaßnahmen gefährden, blieb bis Sonnabend unbegründet. Trotz negativer Wettervorhersagen blieb das Meer ruhig und es wehte nur ein schwacher Wind. Hoher Seegang könnte das Kreuzfahrtschiff destabilisieren und weiter sinken lassen. Zur Sicherheit der Rettungskräfte wird die Situation daher fortlaufend neu bewertet. Überlegt wird, die Concordia mit Seilen am Felsen zu befestigen.

Italien verhängt Notstand über die Region

Die italienische Justiz ermittelt vor allem gegen den Kapitän des Schiffs, Francesco Schettino. Er soll zu nah an die Insel herangefahren sein und dadurch das Unglück provoziert haben. Zudem könnte er auf der Brücke von einer Frau abgelenkt worden sein.

Die italienische Regierung hatte am Freitag den Notstand über die Region verhängt. Da sich in dem Schiffsrumpf tonnenweise Treibstoff und Schwermetalle, Putzmittel und Farbe befinden, droht eine Umweltkatastrophe.

Neben ihrer Suche nach Überlebenden versuchen die Rettungskräfte auch, ein solches Unglück zu verhindern. Taucher setzen seit Tagen unter anderem kleine Sprengladungen ein, um unter Wasser in bisher unzugängliche Teile des Wracks vordringen zu können.

Kapitän Schettino: „Mir ist ein Malheur passiert“

Der unter Hausarrest stehenden Kapitän Francesco Schettino hat vor Gericht neue Aussagen gemacht. Laut Medienberichten sagte Schettino bei einer Anhörung, er habe unmittelbar nach der Kollision mit einem Felsen beim Kreuzfahrt-Unternehmen angerufen und sowohl ein Schlepperboot als auch Hubschrauber zur Rettung gefordert.

„Mir ist ein Malheur passiert“, soll Schettino in dem Telefonat gesagt haben. Die Reederei wies die Darstellung zurück. „Er hat uns belogen und auch die Besatzung des Schiffes“, betonte der Chef von Reederei „Costa Crociere“, Pierluigi Foschi.

Ramsauer für neue Regeln

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) will angesichts des Unglücks neue Regeln für die Sicherheit großer Kreuzfahrtschiffe durchsetzen. Deutschland wolle die Evakuierungsrichtlinie der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) an die Größenentwicklung der Schiffe anpassen, teilte Ramsauers Ministerium der Nachrichtenagentur dpa mit. Beim Weltverkehrsforum Anfang Mai in Leipzig werde Ramsauer dafür erneut werben

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