Hamburg

Blutiger Streit um zu wenig Döner endet im Knast

Das Gericht nannte es "Abstrafaktion": Ein Kunde stach einen Verkäufer in einem Imbiss nieder, weil angeblich zu wenig Fleisch im Döner war. Jetzt muss er in Haft.

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Angeblich war zu wenig Fleisch im Döner – aus Wut darüber stach ein Kunde deshalb den Mitarbeiter eines Grillimbisses in Hamburg nieder und verletzte ihn schwer. Das Landgericht schickte den 34 Jahre alten Angeklagten am Freitag für sechseinhalb Jahre ins Gefängnis.

Er wurde wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung verurteilt, wie ein Gerichtssprecher sagte. Es habe sich nicht um eine spontane Tat gehandelt, sondern um eine „beharrlich verfolgte Abstrafaktion“. Der mehrfach vorbestrafte Angeklagte war erst wenige Tage zuvor aus der Haft freigekommen.

Im Februar 2011 hatte sich der Mann über die Fleischmenge in seinem Döner beklagt, es kam zu einer heftigen Auseinandersetzung. Einen Tag nach dem Streit kehrte er in den Imbiss im Stadtteil Eimsbüttel zurück und griff den damals 48 Jahre alten Mitarbeiter von hinten mit einem Messer an. Zeugen griffen schließlich mit Bierhockern ein – und schafften es, den Angreifer zu stoppen. Das Opfer leidet bis heute an den Folgen der Tat.

Zunächst bestritt der Angeklagte die Attacke vor Gericht, später legte er jedoch ein Teilgeständnis ab. Er erklärte aber, er habe den 48-Jährigen nicht töten wollen. Nach Ansicht des Gerichts nahm er den Tod des Mannes billigend in Kauf – und handelte zudem heimtückisch, weil er das wehrlose Opfer hinterrücks angriff.

Das Gericht betonte auch den nichtigen Auslöser für den blutigen Angriff. „Der Angeklagte hat seinen Vergeltungsdrang rücksichtslos in die Tat umgesetzt“, hieß es.

Der 48-Jährige habe trotz der schweren Verletzungen großes Glück gehabt, erklärte Müller-Horn. Der Mann habe eine dick wattierte Weste getragen, und er habe eine „günstige Ausweichbewegung“ gemacht: „Wenn er sich nur Zentimeter in die andere Richtung bewegt hätte, wäre die Halsschlagader getroffen worden.“