"Costa Concordia"

Im Smoking treiben die Toten durchs Bordrestaurant

Taucher berichten von grausigen Details bei der Suche nach Überlebenden. Bei ihren Einsätzen geraten die Retter im "Concordia"-Wrack immer mehr unter Zeitdruck.

Den Rettungskräften bleiben nach Angaben des Einsatzleiters der Feuerwehrtaucher noch maximal 24 Stunden für die Suche nach Überlebenden in der vor der italienischen Küste havarierten „Costa Concordia“. „Es gibt ein Zeitfenster von 12 bis 24 Stunden, um die Operation abzuschließen“, sagte Modesto Dilda am Donnerstagmorgen.

Die Taucher durchsuchen das Schiffswrack nach Vermissten. Meteorologen hatten stärkeren Wind vorausgesagt, der dazu führen könnte, dass das am Freitag auf einen Felsen aufgelaufene Schiff weiter in die Tiefe gerissen wird.

Ein Sprecher der Feuerwehr widersprach umgehend den Äußerungen des Einsatzleiters der Taucher. Für die Sucharbeiten sei keine Frist gesetzt worden, sagte der Sprecher. Noch sei unklar, wie sich die Situation weiter entwickele.

Die Suche war am Vortag unterbrochen worden. Das Wrack war weiter abgesunken und drohte in die Tiefe zu rutschen.

„Das Schiff liegt weiterhin in unsicherer Lage in einer Untiefe“, erklärte Luca Cari von den Rettungsmannschaften. Die Taucher müssten deshalb vorsichtig vorgehen. „Jede Verlagerung würde Gefahr bedeuten, und wir müssten die Operationen erneut einstellen.“

Nach offiziellen Angaben werden nach dem Unglück noch etwa 20 Menschen der insgesamt 4200 Passagiere vermisst. Bislang wurden elf Leichen geborgen.

Erschütternde Berichte der Rettungstaucher

Laut " Bild " bargen die Taucher fünf der bisher elf gefundenen Leichen im Bordrestaurant auf dem überfluteten vierten Deck des Kreuzfahrtschiffs, 20 Meter unter der Wasseroberfläche.

Die Zeitung dokumentiert erschütternde Berichte der Einsatzkräfte: „Du siehst da unten die Hand nicht vor den Augen. Das Wasser ist so schmutzig, voller Stofffetzen, Flaschen, Möbel treiben herum. Die Leichen kommen aus der totalen Dunkelheit, du siehst sie erst, wenn du sie berührst.“

„Wir haben zuerst die Frau geborgen, sie trug eine Schwimmweste über dem Abendkleid. Dann haben wir die vier Männer gesehen – alle im Smoking“, zitiert "Bild" Rodolfo Raiteri, Leiter der Tauchertruppe.

„Die Leichen trieben im Kreis durch den riesigen Saal. Eng aneinander, als würden sie miteinander tanzen.“ Im Wrack der „Concordia“ würden die erfahrenen Retter an ihre Grenzen stoßen: „Das da unten ist ein Schlag in die Magengrube. An so etwas gewöhnt man sich nicht, wahrscheinlich ist das auch besser so“, sagte Raiteri.

Große Gefahr für die Umwelt

Das 290 Meter lange Schiff hatte am Freitagabend nach der Kursänderung des Kapitäns einen Felsen vor der Insel Giglio gerammt und war leckgeschlagen. Das Schiff liegt derzeit in starker Schräglage vor der Insel.

Das Abpumpen von Öl aus den Tanks des Schiffs wird voraussichtlich mehrere Wochen dauern. Nach Angaben der Reederei sollen mindestens 1900 Tonnen Treibstoff an Bord sein, darunter Schweröl, sagte eine Sprecherin des Havariekommandos in Cuxhaven. „Schweröl ist wie dicker, zähflüssiger Honig. Um es abzupumpen, muss es erst auf 45 bis 50 Grad erwärmt werden.“ Die 21 Tanks der „Costa Concordia“ können 2400 Tonnen Treibstoff aufnehmen.

Der Umweltverband Legambiente sprach schon von bedeutenden Schäden für die Natur vor der toskanischen Insel Giglio als Folge der Lösungsmittel, Schmieröle, Lacke und Reinigungsmittel an Bord. Die Unglücksstelle liegt mitten im Pelagos-Meeresschutzgebiet. Das ist das wichtigste Walschutzgebiet im Mittelmeer.