Costa Concordia

Zwei Berliner retten sich vom Unglücksschiff

Fünf Tage nach dem Kreuzfahrtunglück vor der italienischen Küste haben die Helfer die Suche nach den noch 21 Vermissten aus Sicherheitsgründen abgebrochen. Jutta und Joachim Neumann konnten sich von dem Unglücksschiff retten und sind jetzt wieder zu Hause in Kladow.

Foto: Steffen Pletl

Vor der Abreise nach Rom hatte Jutta Neumann aus Kladow ein „komisches Gefühl, so eine Ahnung, irgendwie nicht zu wissen, ob wir heil wiederkommen“. Normalerweise liebt die 67-Jährige das Verreisen, während ihr ein Jahr jüngerer Mann Joachim die beschauliche Ruhe im Haus mit Wintergarten an der Sakrower Landstraße bevorzugt. Doch der ehemalige Werbekaufmann macht die Reisen immer mit. Aus Liebe zu seiner reiselustigen Frau, die im Souterrain ihres Hauses einen Schreibwarenladen führt.

„Wollen wir nicht lieber hier bleiben?“, habe sie ihren Achim noch am Freitagmorgen voriger Woche gefragt. Das Ehepaar ist dann doch abgereist. Die Vorfreude auf sieben Tage Luxus auf der „Costa Concordia“ zu einem saisonbedingten Schnäppchenpreis mit interessanten Landgängen in der Provence, in Barcelona, Palma de Mallorca und auf Sizilien und Sardinien war zu groß.

Am Vormittag, als der Zubringerflug nach Rom über den Alpen in heftigste Turbulenzen geriet, schienen sich Jutta Neumanns Ahnungen bereits zu bestätigen. Doch die Eheleute Neumann kamen – fast unversehrt – nach Berlin zurück. Allerdings schon einen Tag nach der Abreise, „mit Erfahrungen, die wir besser nie gemacht hätten“, sagt Joachim Neumann. Sie checkten um 18 Uhr auf dem Luxusliner ein: „Wir brachten unser Gepäck in die Kabine, verstauten Papiere, Reisedokumente und Schmuck im Safe. Dann begann schon unser erstes Dinner“, erinnert sich Joachim Neumann an die kurze unbeschwerte Zeit auf der Costa Concordia.

Die Köche halfen dem Ehepaar

Um 20.45 Uhr war das Abendessen beendet, danach ging es ins riesige ‚Teatro Atene', wo eine Zaubershow geboten wurde. „Dann hörten wir einen mörderischen Knall, unmittelbar danach fiel der Vorhang und das Chaos nahm seinen Lauf.“ Es gab schwer verständliche Durchsagen, erst auf Italienisch, dann Englisch und Französisch. Als die deutsche Durchsage kam: „Wir haben einen technischen Blackout, bitte gehen Sie in Ihre Kabinen“, herrschte bereits ein riesiges Durcheinander. „Aus der dunklen Kabine holte ich schnell eine Jacke, die überfüllten Gänge hatten noch Licht, doch in Fahrstühlen waren Passagiere gefangen“, sagt Jutta Neumann. Das Schiff hatte schon Schräglage, sie erreichten die Rettungsboote, doch niemand wusste, wie sie herabgelassen werden. Vietnamesische Köche lösten das Problem, sodass die Neumanns geschockt, aber glücklich die Insel Giglio erreichten.

Die folgende Betreuung durch italienische Behörden, das deutsche Konsulat und schließlich die Lufthansa sei vorbildlich gewesen. Vom „Airport Hilton“ in Rom aus informierten die Schiffbrüchigen ihre Kinder in Krefeld und Frankfurt am Main, die noch gar nicht wussten, dass ihre Eltern auf dem Unglücksschiff waren und die Havarie überlebt hatten. Nach einem Zwischenstopp in München landete das Ehepaar in Berlin. Die Abholung dort war organisiert, Samstag um 23 Uhr waren sie zu Hause. Zur Ruhe gekommen ist das Paar noch nicht. 1000 Dinge seien zu erledigen, Pässe, Führerscheine, Kleidung und Brillen sind verloren. „Auf meinem iPhone hatte ich Geschäftsverbindungen gespeichert, auch alle weg“, sagt Joachim Neumann, der sich Hilfe von seiner Versicherung erhofft. Eine für Juni geplante Ostseekreuzfahrt bis nach St.Petersburg will das Kladower Paar nun stornieren.