Havarie-Experte

"Costa Concordia" muss vielleicht zerschnitten werden

Schon ein Auto zu heben ist nicht immer einfach – wie läuft da erst die Bergung bei einem 290 Meter langen Kreuzfahrt-Riesen ab? Im Notfall durchschneiden, sagen Experten.

Nach dem Schiffsunglück in Italien liegt das gekenterte Wrack des Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" noch im Mittelmeer. Experten hoffen, dass es bald geborgen wird. Wie eine Schiffsbergung abläuft und welche Gefahren dabei auftreten können, erklärt der Bergungsexperte Eyk-Uwe Pap, Geschäftsführer der Rostocker Firma Baltic Taucher. Das Unternehmen berät in Havarie-Fällen und ist weltweit für Bergungsarbeiten im Einsatz.

Welche Geräte sind für eine Bergung notwendig?

Pap: "Das hängt davon ab, wie groß das Schiff ist, und in welcher Wassertiefe es havariert ist. Bei einem großen Schiff wie der "Costa Concordia" kann es gut möglich sein, dass es mit einem Kran nicht zu bergen ist. Dann muss das Schiff in Teile zerschnitten werden, und diese Teile werden dann mit einem Großkran geborgen und in den Hafen gebracht."

Wie lange dauert die Bergung eines so großen Schiffes wie der "Costa Concordia"?

Pap: "Das hängt von der Wetterlage, der Unterwassersicht, den Strömungsverhältnissen und der Zugänglichkeit ab und kann von einem bis zu drei Jahren dauern."

Worauf muss man bei einer solchen Bergung achten, gerade mit Blick auf die Umwelt?

Pap: "Im Vorfeld sind alle gefährlichen Stoffe abzupumpen, dann werden die Tanks verschlossen. Wenn man das Schiff durchschneidet, ist es unumgänglich, dass hier und da eine Gewässerverunreinigung eintreten kann.

Deshalb werden zwingend Ölbekämpfungsmaßnahmen eingeleitet, zum Beispiel durch den Einsatz von Ölaufnahmeschiffen oder Ölwehrmitteln. Wenn man ein Schiff birgt, ist die Umwelt ein Riesenthema, und das obliegt nicht nur der Bergungsfirma, sondern auch den staatlichen Organen in dem jeweiligen Land, wo das Schiff havariert ist."

Wie könnte die Bergung im Fall der "Costa Concordia" ablaufen?

Pap: "Wenn es irgendeine Chance gibt, den Schaden am Rumpf abzudichten, kann man das Schiff eventuell auspumpen und wieder aufrichten. Wenn das nicht möglich ist, wird das Schiff mit Ketten zerschnitten, in mindestens 15 Teile. Diese könnten mit einem Großkran geborgen werden.

Voraussetzung dafür ist das vorherige Abpumpen von allen gefährdenden Stoffen wie zum Beispiel Öle, Brennstoffe, Diesel. Das wird von Spezialisten gemacht. Es gibt vielleicht sechs große Bergungsunternehmen weltweit, die in der Lage sind, so ein Schiff zu bergen. In diesem Fall ist das eine sehr aufwendige und teure Geschichte, aber eine lösbare Aufgabe."

Wurde schon einmal ein Schiff solcher Größe erfolgreich geborgen?

Pap: "Ja, zum Beispiel die Fähre "Tricolor". Das war ein Autofrachter, der Ende 2002 im Ärmelkanal unterging und später zerschnitten und in Teilen geborgen wurde."

Was passiert eigentlich mit einem geborgenen Schiffswrack?

Pap: "Das geht auf den Schrottplatz und wird in Einzelteile zerlegt. Der Stahl wird klein geschnitten und wiederverwertet."