Belastender Funkverkehr

"Weigern Sie sich an Bord zu gehen, Kapitän?"

Italienische Medien haben dem Funkverkehr zwischen Küstenwache und Francesco Schettino, Kapitän des Unglückschiffes "Costa Concorida", veröffentlicht. Darin wird deutlich, wie die Küstenwache vergeblich versucht, Schettino zur Rückkehr auf das Schiff zu bewegen.

Foto: REUTERS

Die Küstenwache auf der italienischen Insel Giglio hat vergeblich versucht, den Kapitän des havarierten Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“ zur Rückkehr auf das kenternde Schiff zu bewegen. Die Zeitung „Corriere della Serra“ veröffentlichte am Dienstag auf ihrer Internetseite den entsprechenden Funkverkehr zwischen der Küstenwache und Kapitän Francesco Schettino.

Dieser war von Bord gegangen, noch bevor alle Passagiere und Besatzungsmitglieder das Schiff verlassen konnten. Er sitzt wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung mittlerweile in Untersuchungshaft. Bei der Katastrophe kamen mindestens elf Menschen um, 24 wurden am Dienstagnachmittag noch vermisst.

Mittlerweile sind die vermeintlichen Originalaufnahmen des Funkverkehrs auch bei YouTube hochgeladen worden – mit englischen Untertiteln.

Eine Mitschrift der Funksprüche, zu deren Echtheit weder die Küstenwache noch der Anwalt des Kapitäns sich äußern wollten:

Küstenwache an Kapitän: „Da klettern Leute die Leiter am Bug herunter. Kehren Sie um, fahren Sie zum Schiff zurück und sagen mir, wie viele Menschen da sind und was sie an Bord haben. Sagen Sie mir, ob da Kinder und Frauen sind und welche Hilfe sie brauchen. Und Sie sagen mir die Zahlen von jeder Gruppe - verstanden? Hören Sie, Schettino, vielleicht haben Sie sich selbst gerettet, aber ich werde dafür sorgen, dass Sie sehr schlecht aussehen. Ich werde dafür sorgen, dass Sie dafür bezahlen. Verdammt nochmal, gehen Sie zurück an Bord!“

Kapitän: „Wie bitte..“

Küstenwache: „Nichts mit 'Bitte'. Kehren Sie zurück aufs Schiff. Sagen sie mir verbindlich, das Sie aufs Schiff zurückkehren!“

Kapitän: „Ich bin in einem Rettungsboot, ich bin hier unten, ich fahre nirgends hin. Ich bin hier.“

Küstenwache: „Was machen Sie, Kapitän?“

Kapitän: „Ich bin hier, um die Rettung zu koordinieren...“ (Küstenwache fällt ihm ins Wort)

Küstenwache: „Was koordinieren Sie da? Gehen Sie an Bord! Koordinieren Sie die Rettung von Bord aus! Weigern Sie sich etwa?“

Kapitän: „Nein, ich weigere mich nicht.“

Küstenwache: „Weigern Sie sich an Bord zu gehen, Kapitän? Nennen Sie mir den Grund, warum Sie nicht zurück aufs Schiff gehen!“

Kapitän: (unverständlich)... „da ist ein anderes Rettungsboot...“

Küstenwache unterbricht ihn und brüllt ihn an: „Sie gehen zurück an Bord! Das ist ein Befehl! Da gibt es für Sie nichts zu überlegen. Sie haben den Alarm 'Schiff verlassen' ausgelöst. Jetzt gebe ich die Befehle. Gehen Sie zurück an Bord. Ist das klar? Hören Sie mich?“

Kapitän: „Ich gehe an Bord.“

Küstenwache: „Los. Melden Sie sich sofort bei mir, wenn Sie an Bord sind. Meine Einsatzkräfte sind vor dem Bug.“

Kapitän: „Wo ist Ihr Rettungsboot?“

Küstenwache: „Mein Rettungsboot ist am Bug. Los! Es gibt schon Tote, Schettino, machen Sie!“

Kapitän: „Wie viele Leichen sind da?“

Küstenwache: „Ich weiß es nicht ... Herrgott, Sie sollten derjenige sein, der mir das sagen kann!“

Kapitän: „Ist Ihnen eigentlich klar, dass es dunkel ist und wir nichts sehen können?“

Küstenwache: „Und, was wollen Sie den tun, nach Hause gehen, Schettino? Es ist dunkel und Sie wollen nach Hause gehen? Fahren Sie zum Bug des Schiffes, wo die Leiter ist, und sagen Sie mir, was zu tun ist, wie viele Personen dort sind, und was sie benötigen! Jetzt!“

Kapitän: „Mein Stellvertreter ist bei mir.“

Küstenwache: „Dann gehen Sie beide! Alle beide! Wie heißt Ihr Stellvertreter?“

Kapitän: „Er heißt Dmitri“ (Störgerausch)

Küstenwache: „Wie heißt er weiter? (Störgeräusch) Sie und Ihr Stellvertreter gehen jetzt an Bord! Ist das klar?“

Kapitän: „Hören Sie, Chef, ich will an Bord gehen, aber das andere Rettungsboot hier fährt nicht mehr und treibt ab. Ich habe gerufen...“

Küstenwache (unterbricht): „Das erzählen Sie mir jetzt schon seit einer Stunde! Fahren Sie zum Schiff, jetzt! Gehen Sie an Bord und sagen mir sofort, wie viele Personen dort sind!“

Kapitän: „Ok, Chef.“

Küstenwache: „Machen Sie, sofort!“

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