Kreuzfahrt-Unglück

Fünf weitere Leichen in "Costa Concordia" entdeckt

Im Wrack der havarierten "Costa Concordia" sind fünf weitere Leichen gefunden worden. Damit steigt die Zahl der Opfer durch das Unglück auf elf. 24 Personen gelten weiterhin als vermisst - darunter zwölf Deutsche.

Foto: AFP

Die italienischen Bergungskräfte haben bei der Durchsuchung des Wracks der „Costa Concordia“ am Dienstag fünf weitere Leichen gefunden. Damit stieg die Zahl der Todesopfer des Schiffsunglücks auf elf.

Nach italienischen Angaben sind noch 24 Personen vermisst. Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte in Berlin, darunter seien zwölf Deutsche.

Vier Tage nach dem Schiffbruch der „Costa Concordia“ vor der toskanischen Insel Giglio beschleunigen die Rettungskräfte die Suche nach den Vermissten. Um rascher durch die Trümmer im Schiffsrumpf zu kommen, setzten sie am Dienstag auch Sprengstoff ein. Neue Informationen unterstreichen unterdessen die Vorwürfe gegen den italienischen Kapitän des Kreuzfahrtschiffs.

Taucher sprengten vier Löcher in die Außenwand , um leichter ins Innere des Wracks zu gelangen. Mit kleinen Sprengladungen bahnten sie sich anschließend einen Weg durch die Kabinen. „Wir setzen die Suche fort. Das Schiff ist stabil, und das gute Wetter hilft uns“, erklärte der Sprecher der Küstenwache Filippo Marini. Am Donnerstag sollte wieder ein Sturm aufziehen.

Einer detaillierten Auflistung der Küstenwache zufolge werden nach dem Unglück vom Freitagabend noch immer 24 Menschen vermisst. Darunter seien insgesamt mindestens zwölf Deutsche, wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amts mitteilte. Weiteren Hinweisen auf „Personen, deren Verbleib nicht geklärt werden konnte, wird mit Hochdruck nachgegangen“.

Die „Costa Concordia“ war mit mehr als 4000 Menschen an Bord vor der Küste von Giglio auf einen Felsen aufgelaufen und dort havariert. Die Reederei macht Kapitän Francesco Schettino für das Unglück verantwortlich, seit Samstag sitzt er in Haft. Schettino war demnach eigenmächtig von der Route abgewichen und hatte nach dem Unglück viel zu spät die Evakuierung des Luxusliners angeordnet. Italienischen Medienberichten zufolge begann die Besatzung schließlich eigenmächtig mit der Evakuierung – 15 Minuten, bevor die Anweisung des Kapitäns kam.

Mittschnitte eines Telefonats zwischen Schettino und einem Offizier, der in der zuständigen Kommandandantur des Festlandhafens von Livorno Dienst hatte, erhärten unterdessen den Verdacht, dass der Kapitän noch vor Ende der Evakuierung von Bord gegangen war. Nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa handelt es sich um Aufzeichnungen von einer Blackbox.

Demnach erreichte der Offizier Schettino um 01.46 Uhr auf dem Handy, als noch hunderte Menschen an Bord des sich langsam zur Seite neigenden Schiffes waren. Er forderte Schettino auf: „Jetzt begeben Sie sich zum Bug, Sie klettern die Rettungsleiter hoch und leiten die Evakuierung!“ Der Offizier wurde im Verlauf des Telefonats immer ungehaltener. „Sie müssen uns sagen, wie viele Leute da noch sind, Kinder, Frauen, Passagiere, die genauen Zahlen in jeder Kategorie!“, verlangte er von Schettino.

„Was machen Sie? Geben Sie die Rettung auf?“, fragte der Offizier. „Nein, nein, ich bin da, ich koordiniere die Rettung“, antwortete Schettino, der von den Zeugen allerdings schon vor Mitternacht am Ufer gesehen wurde. Schettinos Anwalt Bruno Leporatti beschreibt ihn als sehr bestürzt und niedergeschlagen. Wegen möglicher Suizid-Gefahr im Gefängnis wird er streng überwacht.

Der italienische Verbraucherschutzverband Cocadons kündigte eine Sammelklage von mehr als 70 Passagieren der „Costa Concordia“ gegen die Betreibergesellschaft an. Eine Klage wollte auch ein französischer Anwalt im Namen von zwei Passagieren im südfranzösischen Toulon einreichen.

Unterdessen wächst die Sorge vor einer Umweltkatastrophe durch den im Schiff befindlichen Treibstoff. Es werde mindestens drei Wochen dauern, den Treibstoff abzupumpen, erklärte die Firma Royal Boskalis, deren niederländische Tochtergesellschaft Smit Salvage mit dem Abpumpen beauftragt wurde.

"Concordia“ gebucht: Kunden steht kostenloses Stornieren zu

Haben Urlauber für die kommenden Wochen eine Fahrt mit der havarierten „Costa Concordia“ gebucht, dürfen sie diese entweder kostenlos umbuchen oder stornieren. „Der Reiseveranstalter kann mich auf andere Schiffe umbuchen, das muss ich aber nicht annehmen“, erklärte der Reiserechtler Prof. Ernst Führich dem dpa-Themendienst. Der Kreuzfahrtveranstalter Costa Crociere will nach Angaben eines Sprechers in Kürze genaue Regelungen veröffentlichen. Man werde den Betroffenen alternative Angebote machen.

Gebührenfreies Stornieren steht Kunden dagegen nicht zu, wenn sie eine Reise auf einem anderen Costa-Schiff oder bei einem anderen Veranstalter gebucht haben und nun Bedenken bekommen. Obwohl es nachvollziehbar sei, dass das Geschehen andere Reisende nun verunsichert, leite sich daraus kein Anspruch auf kostenfreie Stornierung ab, teilt die Verbraucherzentrale Brandenburg mit. Auch eine Reiserücktrittsversicherung springt in solchen Fällen in der Regel nicht ein. Denn zu den versicherten Risiken gehören üblicherweise zwar Dinge wie eine unerwartete Krankheit – nicht aber plötzliche Angst vor einem Schiffbruch. „In diesem Fall könnte lediglich eine Versicherung einspringen, wenn ein Facharzt Angstzustände bescheinigt“, erklärt Reiserechtler Führich. Die Chancen hierfür stünden jedoch schlecht

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