Havarie der "Costa Concordia"

Erstes deutsches Todesopfer ist identifiziert

Nach der Havarie der "Costa Concordia" werden immer noch 29 Menschen vermisst, darunter zwölf Deutsche. Einer der bisher geborgenen Toten wurde nun identifiziert: Es ist ein deutscher Passagier.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Nach der Havarie des Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia“ ist das erste deutsche Todesopfer identifiziert worden. Bei dem Toten handele es sich um einen Mann, der am Montag als sechstes Opfer geborgen worden sei, berichtete die Tagesschau auf ihrer Internetseite unter Berufung auf den italienischen Staatsrundfunk RAI. Insgesamt zwölf Deutsche gelten als vermisst.

Die Suche nach Vermissten war am vierten Tag nach der Havarie vor der italienischen Küste fortgesetzt worden. Nach einer Pause über Nacht hatten die Rettungsmannschaften am Morgen auch Sprengstoff eingesetzt, um sich einen Weg durch Trümmer und andere Hindernisse zu bahnen, sagte ein Sprecher der Küstenwache auf der toskanischen Insel Giglio. Laut Küstenwache werden noch 25 Passagiere und vier Besatzungsmitglieder vermisst. Nach Angaben des Auswärtigen Amts vom Dienstag kommen zwölf aus Deutschland.

In dem Schiff soll eine 71-Jährige aus Baden-Württemberg sein, wie die Polizei in Esslingen mitteilte. Auch von einer 66 Jahre alten Frau aus Achstetten in Baden-Württemberg gibt es weiter kein Lebenszeichen, wie die Polizei Biberach mitteilte.

Die lokalen Behörden gehen davon aus, dass das Wetter bis Mittwoch gut bleibt. Die Rettungsarbeiten könnten auf jeden Fall bis dahin fortgesetzt werden. „Wir wollen das gute Wetter ausnutzen und versuchen, soweit wie möglich voranzukommen“, erklärte Filippo Marini von der Küstenwache.

Notstand erklärt

Italiens Umweltminister Corrado Clini sagte, zur raschen Bewältigung des Unfalls und seiner Folgen werde offiziell der Notstand erklärt. Es gehe darum, die etwa 2400 Tonnen Treibstoff so schnell wie möglich aus den Tanks des Schiffes zu holen. Die Reederei Costa Crociere sei aufgefordert, bis zum Mittwoch einen Plan für das Abpumpen vorzulegen und innerhalb von zehn Tagen dann anzugeben, wie sie das gekenterte Schiff abtransportieren wolle. Clini befürchtet erhebliche Umweltschäden, sollte der Treibstoff auslaufen, zumal das Wrack weiter in die Tiefe abrutschen könnte.

Möglicherweise müssen die Versicherer einen Schaden von mehr als einer halben Milliarde Euro einkalkulieren. Die Summe von 500 Millionen Euro könne leicht überschritten werden, berichtete die „Financial Times Deutschland“ unter Berufung auf Versicherungskreise.

Unterdessen gerät der Kapitän der „Costa Concordia“ immer mehr unter Druck . Kommandant Francesco Schettino habe die Route eigenmächtig geändert, sagte der Geschäftsführer des Unternehmens Costa Kreuzfahrten, Heiko Jensen, in Hamburg. Falsche Seekarten seien nicht Schuld an dem Unglück gewesen. Schettino hatte behauptet, die Felsen seien nicht eingezeichnet. Er war festgenommen worden und sollte am Dienstag vernommen werden. Der Kapitän soll eigenmächtig die gefährlich nahe Route gewählt haben, um seinem von der Insel stammenden Oberkellner Antonello Tievoli die Möglichkeit zu geben, Giglio zu grüßen. Medienberichten zufolge hatte dessen Schwester auf Facebook angekündigt, dass die „Costa Concordia“ in Kürze ganz nah vorbeifahren werde. Es war nicht das erste Mal, dass ein Kreuzfahrtschiff zu nahe an der Insel vorbeifuhr.

Schettino soll das Schiff mit mehr als 4200 Menschen an Bord zu dicht an die Insel gelenkt und schon während der Evakuierung verlassen haben. Das 290 Meter lange Schiff war gegen einen Felsen gelaufen, leckgeschlagen und später dann auf die Seite gekippt.

Weil der Kapitän keine Order gegeben und telefoniert habe, hätten Teile der Besatzung praktisch „gemeutert“ und allein Rettungsboote für die Evakuierung fertiggemacht, berichtete der „Corriere della Sera“ am Dienstag. „Es reicht, evakuieren wir das Schiff“, zitiert die römische „La Repubblica“ Besatzungsmitglieder des Schiffes.

Unter den zwölf deutschen Vermissten sind nach Angaben des Auswärtigen Amts fünf Passagiere aus Hessen, je zwei aus Berlin, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen und eine Frau aus Bayern.

Unglücksschiff steuerte schon falschen Hafen an

Das Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ hatte vor dem Unglück am 13. Januar nach Angaben von Passagieren bereits eine ungewöhnliche Kursänderung vorgenommen. „Wir haben in Frankreich in Toulon statt in Marseille angelegt“, sagte Regina Güldner, die seit dem 7. Januar auf dem Schiff war, am Dienstag. Als Begründung sei „schlechtes Wetter“ angegeben worden. „Aber die Reiseleiter in den Bussen, die die Passagiere von Marseille ins 60 Kilometer entfernte Toulon brachten, haben erzählt, dass das nicht stimmte.“

Die Unternehmensberaterin war mit ihrem Mann und zwei Bekannten - alle vier aus Mecklenburg-Vorpommern – auf dem Schiff unterwegs. Alle vier konnten sich retten. Ein Paar aus Berlin, das zusammen mit ihnen an Bord gegangen sei, werde nach ihren Informationen noch vermisst.

Schiffbauexperte: Kreuzfahrt ist relativ sicher

Trotz des Unglücks des Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“ halten Experten die Seeschifffahrt für sicher. Im Vergleich zum Straßenverkehr und zur Luftfahrt sei der Seeverkehr, gerade Fähren und Kreuzfahrer, relativ sicher, sagte Stefan Krüger vom Institut für Entwerfen von Schiffen und Schiffssicherheit an der Technischen Universität Hamburg am Dienstag. So kämen beispielsweise pro Jahr 2.500 Menschen weltweit auf Fähren ums Leben und damit deutlich weniger als im Straßenverkehr.

„Die Kreuzfahrtindustrie ist ja gerade die Schiffsindustrie, die sich vorrangig um die Sicherheitsfragen kümmert“, sagte Krüger. In dieser Branche sei dies Geschäftsgrundlage.

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