Rettungsarbeiten

Taucher sprengen sich Weg in "Costa Concordia"

Es ist ein Rennen gegen die Zeit: Nach einer Pause über Nacht konnten die Rettungsarbeiten im Wrack der "Costa Concordia" wieder aufgenommen werden. Taucher der italienischen Marine haben auf der Suche nach weiteren Überlebenden Löcher in die Außenwand des havarierten Kreuzfahrtschiffs gesprengt.

Foto: REUTERS

Die Suche nach Vermissten auf dem gekenterten Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia“ ist am vierten Tag nach der Havarie nahe der toskanischen Insel Giglio fortgesetzt worden. Nach einer Pause über Nacht setzten die Rettungsmannschaften am Dienstagmorgen auch Sprengstoff ein, um sich einen Weg durch Trümmer und andere Hindernisse zu bahnen, sagte ein Sprecher der Küstenwache in Giglio. „Wir wollen das gute Wetter ausnutzen und versuchen, soweit wie möglich voranzukommen“, erklärte Filippo Marini. Nach neuesten Angaben der Küstenwache werden noch 29 Menschen vermisst.

Taucher der italienischen Marine haben des Weiteren vier Löcher in die Außenwand des havarierten Kreuzfahrtschiffs gesprengt. Marinesprecher Alessandro Busonero sagte dem Fernsehsender Sky TV 24, die Öffnungen ermöglichten es den Tauchern, für die Suche nach den 29 Vermissten leichter ins Innere des Wracks zu gelangen. Die Löcher wurden sowohl über als auch unter Wasser gesprengt. Fernsehbilder zeigten, dass sie einen Durchmesser von weniger als zwei Metern hatten. Busonero sprach von einem Rennen gegen die Zeit.

Die lokalen Behörden gehen davon aus, dass das Wetter bis Mittwoch gut bleibt. Die Rettungsarbeiten könnten auf jeden Fall bis dahin fortgesetzt werden. Der italienische Umweltminister Corrado Clini sagte am Abend, bislang gebe es keine Anzeichen dafür, dass Treibstoff ins Meer geflossen sei. Jedoch sieht er ein sehr hohes Risiko für eine Umweltkatastrophe, deshalb müssten die Tanks des Schiffes schnell leergepumpt werden.

Retter dementieren Ortung einer weiteren Leiche in "Costa Concordia"

Die italienischen Rettungskräfte haben Medienberichte unterdessen dementiert, wonach im Wrack des havarierten Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“ eine weitere Leiche geortet wurde. Die Zahl der Toten liege weiterhin bei sechs, sagte ein Sprecher der Küstenwache am Dienstag. Auch die Feuerwehr wies den Bericht der italienischen Zeitung „La Stampa“ zurück, wonach die Leiche in dem Wrack entdeckt, aber noch nicht geborgen worden sein soll.

Einer detaillierten Auflistung der Küstenwache zufolge werden nach dem Schiffsunglück vom Freitagabend folglich noch immer 29 Menschen vermisst. Darunter seien insgesamt 14 Deutsche, sechs Italiener, vier Franzosen, zwei US-Bürger sowie ein Ungar, ein Peruaner und ein Inder, sagte ein Sprecher. Die „Costa Concordia“ war am Freitag vor der Küste der Insel Giglio auf einen Felsen aufgelaufen und dort havariert.

Der Branchenexperte Helge Grammerstorf rechnet indes nicht mit „dramatischen Auswirkungen“ auf die Nachfrage nach Kreuzfahrten. Die Havarie des Luxusliners „Costa Concordia“ sei ein Einzelfall und werde den Trend „nicht negativ beeinflussen“, sagte der Chef der Firma SeaConsult im Deutschlandradio Kultur. Dass der Kapitän des Schiffs so nah an der Küste vorbeigefahren sei, sei mehr als ungewöhnlich gewesen. Zu Berichten, der Kapitän habe nicht als Letzter das Schiff verlassen, sagte Grammerstorf dem Sender, dies sei „undenkbar“, da es dafür international geltende Regeln gebe.

Chancen für Kunden, sich vor einer solchen Fahrt ausreichend abzusichern, sieht Grammerstorf nicht. Es sei wie bei anderen Verkehrsmitteln auch, sagte er. „Wenn ich in die Bahn oder ins Flugzeug steige, muss ich mich darauf verlassen, dass der Betreiber die Vorschriften, die für ihn gelten, auch einhält.“

Wie die Polizei in Esslingen am Dienstag mitteilte, soll sich eine 71-Jährige aus Neuffen noch im Schiff befinden. Auch von einer 66 Jahre alten Frau aus Achstetten gibt es weiterhin kein Lebenszeichen, wie die Polizei Biberach mitteilte. Nach einem Bericht der „Schwäbischen Zeitung“ soll die 66-Jährige gehbehindert und durch eine Erkältung geschwächt gewesen sein. Die beiden Frauen gehörten einer größeren Reisegruppe an, die auf dem Schiff war.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) versicherte unterdessen: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass die Schicksale der noch vermissten deutschen Staatsangehörigen aufgeklärt werden.“ Zahlen nannte der Außenminister nicht.

„Ich kann aber leider zur Stunde nicht ausschließen, dass wir uns auf andere, traurigere Nachrichten einstellen müssen.“ Costa Kreuzfahrten erklärte, 566 Menschen aus ganz Deutschland seien an Bord gewesen. Die meisten sind wieder in Deutschland.

Jensen sagte, die Einschätzung des Kapitäns bei dem Unglück habe nicht „den von Costa vorgegebenen Standards“ in einem solchen Notfall entsprochen. Die Crew dagegen habe sehr umsichtig gehandelt. Viele Passagiere allerdings sprachen von einem großen Durcheinander und klagten über unzureichende Sicherheitsausrüstung. Das bestreitet Costa. „Die Schiffsführung hat total versagt“, sagte Passagier Herbert Rohwedder aus Schleswig-Holstein. „Es herrschte nur Chaos.“

Wrack bewegte sich um neun Zentimeter

Die Taucher hätten das Wrack vorübergehend verlassen, nachdem es sich um neun Zentimeter bewegt habe, erklärte der Sprecher der Rettungsmannschaften, Luca Cari. Auch für die Nacht wurde die Suche aus Sicherheitsgründen wieder eingestellt.

Ein „menschlicher Fehler“ ist bei der Havarie des Kreuzfahrtschiffes nach Auffassung des Chefs von Costa Crociere, Pierluigi Foschi, nicht zu bestreiten. Zwar werde die Kreuzfahrtgesellschaft dem Kapitän nach der Havarie juristische Unterstützung geben, sagte Foschi in Genua. „Das Unternehmen hat jedoch auch die Pflicht, seine 24.000 Beschäftigten zu schützen“, fügte er an.

Zuvor waren die Eigner des Kreuzfahrtschiffes auf Distanz zu ihrem Kapitän gegangen. "Es scheint, dass der Kommandant Beurteilungsfehler gemacht hat, die schwerste Folgen gehabt haben“, hieß es in einer Erklärung der Kreuzfahrtgesellschaft am Sonntagabend. „Die Route des Schiffs führte offenbar zu nahe an der Küste vorbei (...).“ Der Kapitän sei 2002 als Sicherheitsoffizier zu Costa gekommen und 2006 zum Kapitän ernannt worden. „Wie alle Costa-Schiffsführer absolvierte er regelmäßige Trainings.“

Der Kapitän soll Medienberichten zufolge mehrfach von der Küstenwache aufgefordert worden sein, wieder an Bord zu gehen, um die Evakuierung des Schiffs zu koordinieren. Dies habe er jedoch nicht getan. Auch einen „SOS“-Ruf soll es zunächst nicht gegeben haben.

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