"Costa Concordia"

Unglücksmanöver auf Facebook angekündigt

Katastrophe mit Vorankündigung: Eine Bewohnerin der Insel Giglio kündigte auf Facebook an, dass die "Costa Concordia" - wieder - ein Spezialmanöver fahren werde. Knapp eine halbe Stunde später riss ein Granitfels den Rumpf des Kreuzfahrtschiffes auf.

Patrizia T. ist Grundschullehrerin - auf der Insel Giglio, vor deren Hafen das Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" kenterte. Patrizia T. hat eine besondere Beziehung zu dem Unglücksschiff, dort nämlich arbeitete ihr Bruder Antonello als Oberkellner. Was wiederum der Grund für das Unglück zu sein scheint.

Darauf jedenfalls deutet ein Facebook-Eintrag von Patrizia T. hin. Sie postete am Freitag um 21.08 Uhr: "Tra poco passerà vicina vicina la Concordia di Costa Crociere. Un salutone al mio fratello che a Savona finalmente sbarcherà, per godersi un po' di vacanza!!!" - die "Costa Concordia" werde gleich sehr nahe an der Insel vorbeifahren, was ein Gruß an ihren Bruder sei: Der nämlich werde auf Giglio, im Hafen von Savona, von Bord gehen und anschließend Urlaub machen. Gegen 21.30 lief das Kreuzfahrtschiff vor dem Hafen von Giglio auf einen Granitfelsen auf. der Rumpf wurde aufgeschlitzt, die "Costa Concordia kenterte. Mindestens sechs Menschen starben.

Patrizia T. war nach ihrem Facebook-Eintrag zum Hafen gegangen, um sich die Ankunft des Kreuzfahrtschiffes anzuschauen. Eine ihrer Facebook-Freundinnen hatte noch nachgefragt: „Wann denn genau?“ und eine Dritte antwortete: „Normalerweise um halb zehn.“ Doch die nächsten Bilder, die Tievoli postete, zeigen alles andere als ein schönes Spektakel für Touristen und Einheimische: Sie zeigen das Schiff, noch voll beleuchtet, dramatisch nah am Hafen, dann den havarierten Giganten, erst ein wenig zu Seite geneigt, dann immer mehr. Schließlich ein unglaubliches Bild: Ein Nahaufnahme des Rumpfes in dem ein riesiger Felsbrocken steckt. Späzter schrieb Patrizia T. auf Facebook: "Das war die längste Nacht meines Lebens."

Ihr Bruder Antonello erreicht das Ufer sicher. Der 46-Jährige lebt in Livorno am Festland, er ist inzwischen wieder daheim. Patrizia T. nahm wie zahlreiche andere Inselbewohner einige der mehr als 4000 Schiffsbrüchigen bei sich auf. Hunderte Opfer verbrachten die erste Nacht auf dem Boden der Kirche.

Die italienische Zeitung "Corriere della Sera" berichtet , der Kapitän der "Costa Concordia", Francesco Schettino, habe Patrizia T.s Bruder Antonello kurz vor dem Unglück auf die Brücke gerufen: "Wir sind an deiner Insel", habe der Kapitän gesagt - Antonello hatte eine Woche länger als geplant an Bord bleiben müssen, weil zunächst kein Ersatzmann da war. Darum sei geplant gewesen, das Schiff nahe an der Küste vorbeizufahren, die Sirenen zu betätigen und den Eltern Antonellos, die auf der Insel wohnen, die Ankunft ihres Sohnes anzuzeigen. Die Lokalzeitung "Il Tirreno" berichtet , der Kapitän habe Antonello T. auch noch aufgefordert, seine Familie auf der Insel anzurufen und anzukündigen, dass das Schiff vor der Küste - "wie schon so oft" - eine Wende fahren werde. Kurz darauf lief die "Costa Concordia" auf Grund.