Britische Uni

Elite-Studenten verprügeln jüdischen Kommilitonen

Eine Ski-Freizeit britischer Studenten in Frankreich endete in einer Schlägerei. Der Grund: Ein antisemitisches Trinkspiel, gegen das ein 20-Jähriger protestierte.

Foto: dpa / dpa/DPA

Schon wieder ein Skandal: Studenten der London School of Economics (LSE) sollen vor Weihnachten in einem französischen Ski-Resort ein antisemitisch angehauchtes Trinkspiel veranstaltet haben. Ein jüdischer Student protestierte dagegen – und kassierte eine gebrochene Nase.

Die Universität sprach von "erschütternden Anschuldigungen" und kündigte eine Untersuchung an. Die britische Elite-Universität kommt aus den negativen Schlagzeilen nicht heraus.

Der Trip der Athletik-Union der LSE ins Val d'Isère hat nun ein disziplinarisches Nachspiel. Die Studenten sollen "Nazi-Ring des Feuers" gespielt haben, für das Spielkarten in Form eines Hakenkreuzes angeordnet werden und das von den Mitspielern das Zeigen des Hitlergrußes verlangt.

Ein Video, das Studenten dabei zeigte, wie sie antisemitische Kommentare machten, sei inzwischen von der Facebook-Seite eines der Studenten entfernt worden, berichtete die Studenten-Zeitung Beaver .

Sowohl die Universitätsleitung als auch die Studenten-Vereinigung verurteilten den Übergriff auf den jüdischen Studenten. "Unsere Studenten müssen klare Verhaltensregeln einhalten. Die Verletzung dieser Standards wird sehr ernst genommen, wir dulden keinen Antisemitismus oder eine andere Form des Rassismus an unserer Hochschule", heißt es in einem Statement der London School of Economics and Political Science.

"Persönliche Anspielungen und Beleidigungen gegen Juden"

Britische Medien wie die BBC , der Telegraph und der Guardian berichteten über den Fall. Der 20-Jährige, dessen Nase während der Schlägerei gebrochen wurde, soll sich laut Telegraph über das Spiel beschwert haben und sei von seinen Kommilitonen daraufhin verspottet worden. "Es war eine Mischung aus persönlichen Anspielungen und generellen Beleidigungen gegen Juden, nachdem ich nicht mitspielen wollte", sagte er.

Jüdische Studentenvereinigungen an der britischen Elite-Uni kritisierten den Vorfall. "Wir sind schockiert", sagte der Präsident der Jüdischen Gemeinschaft, Jay Stoll. "Nazi-Verherrlichung und Antisemitismus haben an unserer Hochschule keinen Platz." Das Trinkspiel sei nicht nur ein harmloser Spaß gewesen:

"Alle, die glauben, es handele sich hier nur um Spaß, sollten wissen, dass es ein gewaltsamer Angriff auf unsere Gemeinschaft ist, wenn ein jüdischer Student verletzt wird", sagte Stoll. Der Vorfall sei ein deprimierender Beleg für die mangelnde Erziehung der Studenten an einer angesehenen Einrichtung wie der LSE.

Die Studenten-Union an der LSE kündigte neben Strafaktionen auch Aufklärungsmaßnahmen an. "Allen Studenten, die bei dieser Aktion mitgemacht haben, drohen Disziplinarmaßnahmen", sagt Generalsekretär Alex Peters-Day. Solche Vorkommnisse dürften sich nicht wiederholen: "Wir werden mit allen Einrichtungen der Studenten-Gemeinde daran arbeiten, mehr Training und Aufklärung anzubieten.”

"Ein solches Benehmen ist für uns nicht hinnehmbar"

Der Präsident der Sportvereinigung, die den Trip vom 9. bis 17. Dezember 2011 veranstaltet hatte, sagte: "Ein solches Benehmen ist für uns nicht hinnehmbar. Es geht darum, ein Team zu sein und unseren Mitstudenten mit Respekt zu begegnen", sagte Brendan Mycock. Warum es auf dem von ihm organisierten Trip zu solch einer Entgleisung kommen konnte, ließ Mycock offen.

An britischen Universitäten war es zuletzt zu mehreren antisemitischen Vorfällen gekommen. Im November 2011 traten vier Mitglieder der Konservativen Vereinigung an der renommierten Oxford-University zurück, nachdem sie andere Studenten beschuldigt hatten, antisemitische Lieder gesungen zu haben. Auch an der Huddersfield Universität in West Yorkshire soll es in der Vergangenheit zu Nazi-Trinkspielen gekommen sein.

Uni war 2011 mehrfach in die Schlagzeilen geraten

Für die LSE bedeutet die Ski-Schlägerei erneut schlechte Presse. Die Uni war 2011 mehrfach in die Schlagzeilen geraten, nachdem bekannt geworden war, dass Saif al-Gaddafi, der Sohn des früheren libyschen Machthabers, seiner Alma Mater mehrere Millionen Pfund versprochen hatte.

Im Zuge der Affäre musste der Präsident der LSE, Sir Howard Davies, zurücktreten . Seitdem hat die Universität eine Interims-Präsidentin. Im September 2012 soll der Amerikaner Craig Calhoun die Führung der rund 8700 Studenten großen Uni in London übernehmen und Ruhe in die Einrichtung bringen.

Erst vor wenigen Tagen hatte die Hochschule erneut für Aufsehen gesorgt, nachdem der ehemalige ägyptische Finanzminister Youssef Boutros-Ghali in einer öffentlichen Vorlesung aufgetaucht war. Boutros-Ghali wird von Interpol gesucht, auf ihn warten in Ägypten mehr als dreißig Jahre Haft.

Obwohl die Universität die Polizei alarmierte, konnte der Ex-Minister durch eine Seitentür fliehen. Der Neffe des früheren UN-Generalsekretärs Boutros Boutros-Ghali soll während seiner Amtszeit in Ägypten Gelder veruntreut haben.