Haverie vor Italien

"Costa Concordia" - Sechstes Todesopfer geborgen

Spezialkräfte haben die Leiche eines Mannes aus dem Wrack des havarierten Kreuzfahrtschiffes geborgen. Mindestens 14 Menschen werden noch vermisst, darunter auch vier Deutsche. Der Kapitän rückt als möglicher Schuldiger des Unglücks immer mehr in den Mittelpunkt.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Aus dem Wrack des havarierten Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“ haben Spezialkräfte der Feuerwehr ein weiteres Todesopfer geborgen worden. Bei dem Toten handele es sich um einen Mann, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Montagmorgen. Die Leiche des Passagiers sei von den Rettungskräften in dem Teil des Schiffes gefunden worden, der noch aus dem Wasser rage. Der Mann habe eine Rettungsweste getragen. Damit steigt die Zahl der Todesopfer auf sechs. Mindestens 14 Menschen werden noch vermisst, darunter auch vier Deutsche.

Das Schiff war am Freitagabend mit mehr als 4200 Menschen an Bord nahe der Insel Giglio vor der toskanischen Küste gegen einen Felsen gelaufen, leckgeschlagen und schließlich auf die Seite gekippt. Gegen den festgenommenen Kapitan der „Costa Concordia“ werden schwere Vorwürfe erhoben. Er soll das Schiff zu dicht an die Küste der Insel gelenkt haben.

Kreuzfahrtgesellschaft geht auf Distanz zum Unglücks-Kapitän

Am Sonntagabend gingen auch die Eigner des Schiffes auf Distanz: Schweres menschliches Versagen seitens des Kapitäns könnte zur der Havarie geführt haben, hieß es in einer Erklärung der Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere. „Es scheint, dass der Kommandant Beurteilungsfehler gemacht hat, die schwerste Folgen gehabt haben“, teilte das in Genua ansässige Unternehmen mit.

Es sehe so aus, als seien die Entscheidungen des Kapitäns in der Notsituation nicht den üblichen Regeln von Costa Crociere gefolgt, erklärte das Unternehmen. Zugleich wurde der Vorwurf einiger Passagiere zurückgewiesen, dass bei der Evakuierung in der Nacht zum Samstag nicht genügend Schwimmwesten zur Verfügung gestanden hätten.

Der 52 Jahre alte Kapitän war bereits am Sonnabend nach einer Befragung zu den Unglücksumständen festgenommen worden. Ihm droht unter anderem ein Verfahren wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung. Berichten zufolge soll er das Schiff so dicht an die Insel herangesteuert haben, um Touristen im Hafen mit dem Signalhorn grüßen zu können.

Die Kreuzfahrtgesellschaft ging in ihrer Erklärung nicht weiter auf die Vorwürfe ein. „Weitere Kommentare wären zu diesem Zeitpunkt unangebracht“, hieß es lediglich. Auch zu Behauptungen, der Kapitän habe das Schiff noch vor den letzten Passagieren verlassen, gab es keine Stellungnahme.

Blackbox soll Klarheit bringen

Medienberichten zufolge soll der Kapitän mehrfach von der Küstenwache aufgefordert worden sein, wieder an Bord zu gehen, um die Evakuierung seines Schiffes zu koordinieren. Dies habe er jedoch nicht getan. Auch einen „SOS“-Ruf soll es nicht gegeben haben.

Einzelheiten zum Hergang des Unglücks erhofft man sich von der Auswertung der Blackbox des Schiffes, die ähnlich wie in Flugzeugen Kommunikation auf der Brücke und Steuerbefehle aufzeichnet.

Die Reederei hob unterdessen in ihrer Erklärung die Leistung der Besatzung bei der Evakuierung der Menschen von Bord der „Costa Concordia“ hervor. Die Mannschaft habe „tapfer und zügig dabei geholfen, mehr als 4000 Personen in einer sehr schwierigen Situation in Sicherheit zu bringen“, hieß es. Dagegen hatten Passagiere von chaotischen Szenen berichtet und über unzureichende Sicherheitsausrüstung geklagt.

Die Suche nach Vermissten soll auch am Montag fortgesetzt werden. Sie wird vor allem durch die extreme Schräglage des 290 Meter langen Schiffes sowie blockierte Türen und Treppenhäuser erschwert. „Wir hoffen weiter, Überlebende zu finden“, sagte Küstenwacht-Kapitän Cosimo Nicastro dem Sender tgcom24.

Nach einem Abschluss der Such- und Bergungsaktion wird vor allem die Frage nach möglichen Umweltbelastungen für die knapp 2400 Tonnen Dieselöl in den Tanks der „Costa Concordia“ in den Vordergrund treten. Spezialisten sind bereits auf der Insel, und der italienische Umweltminister Corrado Clini hat für diesen Montag eine Gruppe von Fachleuten nach Livorno eingeladen, um das Problem zu erörtern.

Das zuständige Hafenamt in Livorno hat die Kreuzfahrtgesellschaft in einem Mahnschreiben aufgefordert, unter Berücksichtigung der noch laufenden Suchaktionen „das Schiff zu sichern und abzuschleppen“. Offen ist, ob es etwa bei stürmischer See weiter abrutschen könnte.