Gesundheit

Droht Hamburgern eine Superinfektionswelle?

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Bei dieser Doppelansteckung kommt es kurz nach der ersten Infektion zu einer zweiten mit anderen Viren oder Bakterien

Sie kommt ganz langsam und fast schon unmerklich, die Erkältung. Ein leichtes Halskratzen macht sich bemerkbar – vielleicht nur ein Frosch im Hals? Erst friert man, und kurze Zeit später steht der Schweiß auf der Stirn. „Alles ganz normal “– werden sich viele denken: Es ist Winter, da kann einem schon mal ein wenig fröstelig werden. Und das Schwitzen? Eigentlich auch kein Grund zur Beunruhigung: Schließlich ist es bei ungefähr acht Grad für die Jahreszeit vergleichsweise mild, sodass der Wollpullover in den beheizten Räumen schnell zu warm werden kann. Doch treten mehrere dieser Symptome auf, dann besteht kein Zweifel mehr: Eine Erkältung ist im Anmarsch.

Superinfektion trifft viele Hamburger

Wie die „Morgenpost Online“ bereits vor Winterbeginn berichtete, traten schon im Herbst auffällig viele Krankheitsfälle mit langen Verläufen auf. Im erneuten Gespräch mit Hamburger Ärzten zeigt sich nun, dass die Erkrankungen mittlerweile in vielen Fällen noch hartnäckiger sind und oft einen extremen Verlauf nehmen: „Es kommt vermehrt zu Superinfektionen, bei denen die Viren sich extrem lange in der Stirnhöhle festsetzen oder in die Bronchien wandern“, sagt Gregor Brinckmann, Allgemeinmediziner aus Bergedorf. Bei einer sogenannten Superinfektion setzt sich auf eine frische Viren-Infektion schon rasch eine weitere mit einem anderen Virenstamm oder auch mit Bakterien. Da das Immunsystem mit einer solchen Doppelattacke zunächst überfordert ist, dauern die Erkrankungen in solchen Fällen oft auffällig lange, meist mehrere Wochen.

Kranke werden zu Dauerpatienten

Die tatsächliche Zahl der Erkältungskrankheiten in der Hansestadt ist eine Unbekannte: Erkältungskrankheiten und grippale Infekte sind nicht meldepflichtig. Doch ein Blick in einige Hamburger Hausarztpraxen genügt, um sich ein Bild von der aktuellen Krankheitslage zu machen. In die Langenhorner Praxis von Klaus Schäfer kommt beispielsweise rund die Hälfte aller Patienten derzeit mit einer Erkältungskrankheit, manche von ihnen sind schon fast Dauergäste: „Einige Betroffene kommen auch nach drei Wochen noch stark hustend in die Praxis“, so Hausarzt Schäfer. Neben Husten sind die klassischen Symptome einer Erkältung weitverbreitet: Die Erkrankten haben Schnupfen, Heiserkeit, Halsschmerzen, Schüttelfrost und Gliederschmerzen.

Häufig müssen Antibiotika verschrieben werden

Während diese Beschwerden in der Regel jedoch nach ungefähr einer Woche zurückgehen, haben viele Betroffene momentan mehrere Wochen damit zu kämpfen. Sogar Rückfälle treten oft auf. Immer häufiger müssen Ärzte deshalb härtere Medikamente verschreiben: „Momentan muss ich fast jedem Patienten mit so einer hartnäckigen Erkältungskrankheit ein Antibiotikum verabreichen“, sagt Allgemeinmediziner Brinckmann. „In der Regel bekommen das nur rund fünf Prozent der Erkrankten mit Erkältungssymptomen.“

Warmes Wetter hilft den Kranheitserregern

Eine Ursache für die vermehrte Verbreitung der Viren ist die aktuelle Wetterlage: Wegen der relativ milden Temperaturen werden diese momentan nicht abgetötet. Eine längere Kaltperiode mit strengen Minusgraden könnte den Viren den Kampf ansagen. Hinzu kommt, dass die Schleimhäute im Winter durch die Heizungsluft in den Räumen ohnehin relativ trocken und deshalb besonders empfänglich für die Keime sind.

Zahl der Apothekenkunden steigt

Der Anstieg der Erkrankungsfälle macht sich derzeit auch in Hamburger Apotheken bemerkbar: „Fast jeder Zweite kommt mit Husten oder mit Schnupfen zu uns“, berichtet Götz Nickel von der Bienen-Apotheke in Alsterdorf. Die Zahl der Kunden sei in den vergangenen Wochen um rund 30 Prozent angestiegen. In der Adler-Apotheke in Wandsbek ist die Lage ähnlich: „Die Nachfrage nach Medikamenten gegen Erkältungssymptome ist extrem hoch“, sagt Apothekerin Yvonne Zlodej. „Besonders Nasenspray und Mittel gegen Kopf- und Gliederschmerzen sind der Renner.“

Von klassischer Grippe blieb Hamburg bislang verschont

Auch wenn die Erkältungswelle Hamburg fest in den Fängen hat, so blieb die Hansestadt bisher zumindest weitestgehend von der klassischen Grippe verschont. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Influenza ist Hamburg bisher kaum von Influenzafällen betroffen.

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