Haustiere

Wenn zwei Männchen plötzlich Nachwuchs kriegen

Die Tierheime richten sich auf einen Ansturm ein. Denn zu Weihnachten werden oft Tiere verschenkt, die schnell keiner mehr will. Schuld sind auch die Zoohändler.

Kleine Tiere sind süß, keine Frage. Niedliche Knopfaugen und ein flauschiges Fell versetzen nicht nur Kinder in Verzückung, ganz besonders zu Weihnachten. Deshalb werden immer wieder Tiere verschenkt.

Da helfen alle Warnungen nicht. Denn Tiere machen eben auch Arbeit. Wenn die erste Begeisterung verflogen ist, landen Hunde , Katzen und Hasen nicht selten im Tierheim oder werden einfach ausgesetzt.

Die Mitarbeiter der Tierheime sind darauf eingerichtet, denn "viele Beschenkte werden spätestens nach zwei Wochen ihrer Tiere überdrüssig“, sagt Evi Hopmeier vom Tierheim Pirmasens. Jetzt hätten die Kinder noch Ferien und damit viel Zeit. So lange sei ein Tier eine schöne Sache.

Die Schuld liegt nach Ansicht Hopmeiers allerdings nicht nur bei den Eltern, sondern auch bei den Zoohändlern. Das Personal habe oft keine Ahnung – dann bekommt ein als gleichgeschlechtlich verkauftes Hasenpaar nach kurzer Zeit plötzlich Junge.

Auch die Leiterin des Tierheims in Trier, Anja Oberhausen, ist auf einen Ansturm in nächster Zeit eingerichtet, selbst wenn sie in Monaten rechnet. "Bei uns gilt der Spruch: Die Weihnachtsgeschenke bekommen wir erst zu Ostern.“ Dann ist nicht nur die erste Begeisterung verflogen, sondern auch der nächste Urlaub steht vor der Tür .

Für den Vorsitzenden des Deutschen Tierschutzbunds Rheinland-Pfalz , Andreas Lindig, haben ins Heim abgeschobene Tiere allerdings noch Glück. "Zur Weihnachtszeit werden häufig Kleintiere verschenkt, von denen man nie wieder etwas hört.“ Besonders Kaninchen, Hamster, Vögel und Fische würden oft vernachlässigt und stürben daher viel zu früh.

Wie viele Tiere dieses Schicksal ereilt, kann Lindig nicht genau sagen. Jedoch: "Wenn man einmal schaut, wie viele Kaninchen jedes Jahr verkauft werden, dann müsste jeder Bundesbürger inzwischen drei zu Hause haben.“

Während ein Kaninchen im Tierhandel schon ab 20 Euro zu haben sei, koste die artgerechte Unterbringung locker das Fünffache. Darüber müssten die Leute Bescheid wissen, bevor sie sich ein Tier anschafften.

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