Gefährliche Böller

Silvesterfeuerwerk - Tote und hunderte Verletzte

Mehrere Menschen sind in der Silvesternacht durch Böller getötet worden, hundertewurden bei Feiern verletzt, darunter auch viele Kinder.

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Mit Feuerwerken und Riesenpartys haben Millionen Menschen auf der ganzen Welt das neue Jahr begrüßt – und dabei gab es Tote und Verletzte. Auch in Deutschland: In Hohenstaufen in Baden-Württemberg starb ein 27-Jähriger durch die Explosion eines möglicherweise selbst gebastelten Knallkörpers.

Der Böller sei offensichtlich viel zu früh und mit einer so gewaltigen Sprengkraft explodiert, dass es dem 27-Jährigen den Brustkorb weggerissen habe, sagte ein Sprecher der Polizei Göppingen. Der Mann wurde er so schwer verletzt, dass er noch im Rettungswagen starb. Ein 20-Jähriger wurde schwer, ein 39-Jähriger leicht verletzt.

Schwere Hand- und Augenverletzungen

In Deutschland gab es zudem auch in diesem Jahr wieder einige Böller-Unfälle, die vor allem schwere Hand- und Augenverletzungen zur Folge hatten. Unter den Verletzten waren auch Kinder. In Hamburg erlitt ein Vierjähriger schwere Verbrennungen am Hals, weil Jugendliche ihm einen Böller in den Jackenausschnitt warfen.

Ebenfalls in Hamburg wurde ein 17-Jähriger durch einen selbst gebastelten Feuerwerkskörper schwer im Gesicht verletzt. Einem 32-Jährigen wurde bei der Explosion eines sogenannten Polenböllers im brandenburgischen Bernau eine Hand abgerissen. Auch ein 22-Jähriger in Dresden verlor eine Hand bei einer Böller-Explosion.

78 Verletzte bei Schlägereien in Berlin

In Berlin wurden bei Schlägereien in der Silvesternacht nach bisherigen Erkenntnissen 78 Menschen verletzt – fast doppelt so viele wie ein Jahr zuvor, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Durch unsachgemäßen Umgang mit Pyrotechnik kamen 18 Personen zu Schaden. Beim Jahreswechsel 2010/11 waren es elf. Das Unfallkrankenhaus Berlin in Marzahn verzeichnete etwa 15 Schwerverletzte, die sich mit Böllern und Raketen verbrannt oder Teile von Fingern und Händen abgesprengt hatten. Schwerster Fall sei ein 32-Jähriger am frühen Abend gewesen, der mehr als sieben Stunden lang an der Hand operiert worden sei, sagte Sprecherin Angela Kijewski.

Im Berliner Stadtteil Friedrichshain seien aus einer größeren Menschengruppe Steine auf vorbeifahrende Funkwagen geworfen worden, berichteten die Beamten. Zwei Polizisten wurden von Glassplittern an den Augen verletzt und mussten ins Krankenhaus. An der gleichen Stelle kam es zu einer Messerstecherei, bei der ein Mensch schwer verletzt wurde.

In Würzburg (Bayern) stürzte ein 23 Jahre alter Mann nach einer Silvesterparty aus dem Fenster einer Wohnung im ersten Stock und starb wenig später in einer Klinik. Ein Anwohner hatte den Mann am Sonntagmorgen auf dem Kopfsteinpflaster vor dem Haus gefunden. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei gibt es keine Hinweise auf ein Fremdverschulden.

Schießerei in Bochum

In Siegen (Nordrhein-Westfalen) kam es bei einer privaten Silvesterfeier zu einer tödlichen Messerstecherei. Zwei 55 und 56 Jahre alte Männer hätten gemeinsam mit einer 65-Jährigen gefeiert, berichteten Staatsanwaltschaft und Polizei. Noch vor Mitternacht seien die Männer in Streit geraten. Dabei habe der 55-Jährige den älteren Mann mit mehreren Messerstichen verletzt. Das Opfer starb am Neujahrsmorgen im Krankenhaus. Der 55-Jährige wurde festgenommen.

In Köln erstach eine 47 Jahre alte Frau ihren drei Jahre jüngeren Freund – möglicherweise aus Notwehr. Der Beziehungsstreit war am Sonntagmorgen in der Wohnung der Frau eskaliert. Nach Angaben von Zeugen habe der 44-Jährige zunächst seine Partnerin angegriffen, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit. Daraufhin habe sich die 47-Jährige mit einem Messer zur Wehr gesetzt. Ob die Tat etwas mit Silvester zu tun hatte, war nicht klar.

Zu einer Schießerei, bei der in Bochum (Nordrhein-Westfalen) zwei Männer verletzt wurden, kam es am Sonntagmorgen. Nähere Angaben machte die Polizei zunächst nicht.

In Leipzig löste die Polizei eine Ansammlung von 500 Menschen auf, die gemeinsam auf den Jahreswechsel anstoßen wollten. Im Verlauf der Straßenparty wurden den Angaben zufolge Polizisten mit Böllern und Raketen attackiert sowie mit Steinen und Flaschen beworfen. Dabei wurden zwei Beamte leicht verletzt. Schließlich setzte die Polizei Reizgas ein und räumte die Straßenzüge. Elf Menschen kamen in Gewahrsam.

Sportler stirbt bei Silversterlauf

In Nordrhein-Westfalen starb beim 30. Silvesterlauf von Werl nach Soest ein Mann. Der 45-Jährige aus Soest brach mit einem Herz-Kreislauf-Versagen zusammen, fiel auf den Kopf und starb wenig später im Krankenhaus. Es war der dritte Todesfall in der Geschichte des Laufs.

1999 hatte es bei Deutschlands größtem Silvesterlauf zwei Todesfälle gegeben, so dass Organisator Ingo Schaffranka im Laufe der Jahre ein engmaschiges Sicherheitssystem aufbaute. Bei der 30. Auflage der Veranstaltung mit 5500 Läuferinnen und Läufer waren entlang der 15 Kilometer langen Strecke zwölf Ärzte und 100 Sanitäter eingesetzt worden. Der zusammengebrochene Läufer hatte kurzzeitig animiert werden können, war dann aber verstorben.

In Österreich wurde in der Neujahrsnacht ein 18-Jähriger durch einen zu früh explodierten Feuerwerkskörper getötet. Der Mann aus Gmünd in Niederösterreich zündete nach Angaben der Polizei gemeinsam mit Freunden kurz nach Mitternacht mehrere Feuerwerkskörper. Eine sogenannte Kugelbombe detonierte dabei vorzeitig und traf den jungen Mann am Kopf. Er wurde in ein Krankenhaus eingeliefert, starb aber wenig später.

Tote trotz Feuerwerk-Verbot in Italien

In Italien starben, trotz weitgehender Verbote und eines harten Vorgehens der Behörden gegen illegale Feuerwerke, zwei Menschen an Silvester. Mehr als 100 wurden verletzt. In Casandrino nahe der südlichen Stadt Neapel starb ein 39-jähriger Mann durch einen Querschläger, als Menschen Freudenschüsse in die Luft abfeuerten, wie italienische Medien berichteten.

In Palermo auf Sizilien verlor ein 14-jähriger Junge Medienberichten zufolge durch Böller die Finger an einer Hand. Er werde zudem möglicherweise ein Auge verlieren. In Rom starb ein 31-jähriger Mann, als er ein Feuerwerk anzündete: Das Feuerwerk habe eine Reihe weiterer Knallkörper gezündet, wodurch die Wohnung in Brand geraten sei. Mehrere weitere Menschen wurden den Angaben zufolge bei dem Unfall verletzt, darunter vier Kinder.

Erst wenige Tage zuvor hatte die Polizei in dem Gebäude rund 30 Kilogramm illegaler Feuerwerke beschlagnahmt. Der Fund wurde bei einer Durchsuchung gemacht, die Teil eines verstärkten Vorgehens gegen illegale Böller war. In Italien werden jedes Jahr hunderte Menschen bei den Silvesterknallereien verletzt. Insgesamt beschlagnahmten die Behörden im Land sechs Tonnen Böller und Feuerwerke, hauptsächlich in Neapel.

Vor allem im Süden Italiens wird die Tradition der Silvesterknallerei hochgehalten. In diesem Jahr verhängten mehrere Städte des Landes – darunter Turin, Bari, Mailand und Venedig – ein Verkaufsverbot für Feuerwerke.

Fast 50 Verletzte auf den Philippinen

Trotz drastischer Warnungen der Regierung vor gefährlichen Feuerwerkskörpern sind bei Silvesterfeiern auf den Philippinen fast 500 Menschen verletzt worden. Mindestens 65 Menschen wurden nach Angaben von Innenminister Jesse Robredo festgenommen, weil sie illegal besonders große Feuerwerkskörper verwendeten.

Landesweit waren vor Mitternacht Dutzende Krankenhäuser in Alarmbereitschaft versetzt worden. Gesundheitsminister Enrique Ona sagte, 454 Menschen seien von Feuerwerk, 18 weitere von Irrläufern aus Waffen verletzt worden. Unter den Opfern waren viele Kinder. Durch Freudenschüsse wurden in der pakistanischen Hafenstadt Karachi drei Menschen getötet. Laut Polizei wurden außerdem mehr als 60 Menschen verletzt.

Viele Philippiner wollen zu Silvester mit riesigen Feuerwerkskörpern Unglück vertreiben. Wegen dichten Pulverdampfs infolge der Silvesterkracher mussten auf dem Flughafen von Manila etwa ein Dutzend Flüge abgesagt oder umgeleitet werden.

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