Erdrutsch

Wieder stürzen Kreidemassen auf Rügen ab

Auf Rügen ist es erneut zu einem Absturz von Kreidemassen gekommen. Diesmal traf es die Region nördlich von Sassnitz. Die Suche nach einem verschütteten Mädchen blieb bisher ohne Erfolg.

Foto: dpa / dpa/DPA

Knapp eine Woche nach dem Unglück am Kap Arkona ist an der Rügener Steilküste erneut ein Stück Kreidefelsen abgebrochen und in die Tiefe gestürzt. Verletzt wurde bei dem Zwischenfall am Nachmittag des Silvestertages niemand, wie die Polizei mitteilte.

Immer noch vermisst und vermutlich tot ist die zehnjährige Katharina N., die am Montag bei einem Kreideabbruch im Norden der Insel verschüttet wurde. In der Kapelle des früheren Fischerdorfes Vitt gedachten am Silvesterabend mehr als 50 Menschen mit einem Ufergottesdienst des Mädchens aus Nordbrandenburg und seiner Familie.

Der neuerliche Kreideabbruch betraf diesmal den Bereich der Wissower Klinken bei Sassnitz, etwa 25 Kilometer südöstlich von Kap Arkona. Wie viel Kreide herabstürzte, konnte wegen des dichten Nebels zunächst nur schlecht eingeschätzt werden.

In dem Gebiet unmittelbar neben dem Königsstuhl im Nationalpark Jasmund brechen seit Jahren immer wieder zig Kubikmeter Kreide ab. Im Februar 2005 etwa lösten sich große Teile der Wissower Klinken von der Steilküste. Etwa 50.000 Kubikmeter Kreide fielen damals auf den Strand. Die Behörden wiesen Urlauber und Bewohner der Insel nochmals ausdrücklich auf die Gefahren hin, die Spaziergänge unterhalb der Steilküsten in sich bergen.

Für die zehnjährige Katharina entzündeten an Silvester in Vitt viele Menschen Andachtskerzen. Bei dem Unglück am Montag waren am Kap Arkona mehrere Tausend Kubikmeter Kreide aus der 38 Meter hohen Steilküste gebrochen. Katharina wurde vermutlich verschüttet und wird seitdem vermisst, ihre Mutter und ihre 14-jährige Schwester wurden verletzt. Die in der Nacht zum Freitag unterbrochene Suche am Strand wurde wegen des gestiegenen Wasserpegels vorerst nicht fortgesetzt.

Vater dankt Rettungshelfern

Der Vater des vermissten Mädchens, Bernd N., dankte den seit Tagen im Einsatz befindlichen Such- und Rettungsteams. Die Männer und Frauen, die unter Einsatz ihrer Gesundheit und ihres Lebens nach seiner Tochter suchten, verdienten seinen Dank und seine Anerkennung, sagte er. Neben allem Leid, das seine Familie in diesen Stunden ertragen müsse, sei es ein Trost zu sehen, wie viele Menschen Anteilnahme an ihrem Schicksal nähmen. „Der Schmerz ist ungeheuerlich. Aber es ist tröstend zu sehen, dass in unserer Gesellschaft die Menschen in der Not so sehr zusammenrücken und einander helfen.“

Bernd N. hatte bereits am Freitag die Absturzstelle am Strand der Arkona-Steilküste besucht und mit Vertretern der Gemeinde und des Katastrophenstabes gesprochen. Er sagte, er hoffe sehr, dass die Suche nach Katharina bald wieder aufgenommen werden könne. Zuvor hatte er Frau und Tochter im Klinikum Greifswald besucht. Den beiden gehe es den Umständen entsprechend, sagte er.

Das traditionelle Höhenfeuerwerk vor den beiden Leuchttürmen am Kap Arkona hatte die Gemeinde abgesagt. Stattdessen gab es ein besinnliches Silvesterfest mit Lagerfeuer, zu dem die Wieker Blasmusiker auf der Aussichtskanzel des alten Schinkel-Leuchtturms spielten. Bereits am frühen Nachmittag hatten etwa 50 Menschen mit einer Schweigeminute an das Schicksal des Mädchens erinnert. Vor der ehemaligen Nebelsignalstation unmittelbar an der Absturzstelle hielten die Teilnehmer der traditionellen Silvester-Sturmwanderung für einen Moment inne.

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