Erdrutsch auf Rügen

Helfer geben Suche nach verschüttetem Kind auf

Für das bei einem Weihnachtsspaziergang an der Steilküste Rügens verschüttete Mädchen aus Brandenburg gibt es keine Hoffnung mehr. Es werde nicht mehr gesucht. Die technischen Möglichkeiten seien ausgeschöpft, hieß es.

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18 Stunden nach dem Steilküstenabbruch auf der Ostseeinsel Rügen haben die Rettungskräfte die Suche nach dem verschütteten zehnjährigen Mädchen aufgegeben. Nach menschlichem Ermessen gebe es keine Hoffnung mehr, das Kind lebend zu finden, sagte der stellvertretende Landrat des Landkreises Vorpommern-Rügen, Lothar Großklaus, am Dienstag nach einer Einsatzbesprechung am Unglücksort nahe des berühmten Kaps Arkona. „Die Natur hat uns Grenzen gesetzt, so traurig das Ergebnis auch ist.“ Es bestehe die Gefahr von weiteren Abbrüchen an der Steilküste. Die technischen Möglichkeiten seien ausgeschöpft. Die Suche soll nach Angaben von Großklaus wieder aufgenommen werden, sollten sich beispielsweise durch Strandausspülungen neue Hinweise ergeben.

Das Mädchen war am Montag bei einem Strandspaziergang mit seiner Mutter und seiner Schwester verschüttet worden, als sich Kreideschlamm-Massen von der Steilküste lösten. Es stammte aus Perleberg in Brandenburg – ebenso wie ihre Mutter und ihre ältere Schwester, die bei dem Unglück verletzt wurden, sich aber retten konnten. Großklaus' Angaben zufolge hatten mehr als 160 Helfer seit Montag den schmalen Strandabschnitt nach der Zehnjährigen durchsucht, auf dem sich tausende Kubikmeter Felsmaterial auftürmten. Bei der Rettungsaktion kamen auch Spürhunde und ein Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera zum Einsatz.

Am Dienstag beschloss die Einsatzleitung, die Suche abzubrechen. Das von der Steilküste hinabgestürzte Material aus Kreide, Wasser und Mergel bilde eine kompakte Masse ohne Hohlräume, sagte Vize-Landrat Großklaus. Die Situation sei nicht vergleichbar mit der in einem eingestürzten Haus nach einem Erdbeben, in dem ein Überleben in luftgefüllten Kammern noch für längere Zeit möglich sei.

Die Unglücksstelle nahe des Kaps Arkona bleibt Großklaus zufolge abgesperrt, zumindest bis die Leiche des Mädchens gefunden wurde. Ob es darüber hinaus zu einer dauerhaften Sperrung von Strandabschnitten unterhalb der Kreidefelsen kommt, ist derzeit noch nicht entschieden. „Heute ist nicht die Zeit, einen Schnellschuss zu machen“, sagte der stellvertretende Landrat am Dienstag.

An Rügens berühmter Steilküste aus Kreidefelsen kommt es immer wieder zu Gesteinsabbrüchen. Ursache ist die natürliche Erosion, Gefahr besteht vor allem nach starken Regenfällen oder Tauwetter. Im August 2011 war ein etwa 100 Meter langer Abschnitt der Steilküste ins Rutschen gekommen und auf den schmalen Kiesstrand darunter gestürzt. Es gab auch früher schon Tote. 2005 war eine Berliner Touristin auf Rügen von herabstürzenden Kreisefelsen erschlagen worden. Schilder weisen vielerorts auf die Gefahr plötzlicher Steinschläge hin.