Ebay-Auktionen

Der Schwindel mit der käuflichen Facebook-Beziehung

Neues Geschäftsmodell: Mancher träumt davon, auf einen Schlag 5000 Facebook-Freunde zu bekommen. Sogar eine virtuelle Beziehung ist käuflich.

Foto: Won

Es war vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis es auch solche Angebote gibt: käufliche Beziehung und Flirts auf Facebook. Immer wieder werden sie für wenige Euro im Internet-Auktionshaus Ebay angeboten, Startgebot: ein Euro, manches lässt sich auch für 250 Euro sofort kaufen.

Versprochen wird viel: Zu dem Foto einer jungen Frau in Bikini, die sich offenbar selbst fotografiert hat, steht beispielsweise: "Du bist frustriert, alleine, und hast es satt, dass sich deine Freunde über dich lustig machen? Du willst deine Ex eifersüchtig machen? Dann bist du hier richtig!", beschreibt eine Anbieterin ihr Produkt. "Ich versteigere eine 3-monatige Facebook-Beziehung, rein virtuell, aber mit Pinwand-Einträgen und ähnlichem! Das Angebot gilt, sobald ich das Geld erhalten habe."

Offenbar stehen dahinter in Wirklichkeit aber Betrüger, wie meistens in solchen Fällen. Ein von " Bild " engagierter Detektiv hat die Hintermänner solcher Anzeigen ausgemacht: "Durch Abgabe des Höchstgebotes konnten wir an die Namen der Hintermänner gelangen, die offenbar von Niedersachen und Köln aus agieren", sagte der Mitarbeiter.

Lange halten sich diese Angebote ohnehin nicht auf der Auktionsseite: "Wir haben ein Team, das nach Artikeln schaut, die verboten sind, und löscht sie", sagt Ebay-Sprecherin Leonie Bechtoldt. In den Geschäftsbedingungen stehe zudem ausdrücklich, dass der Verkauf von Beziehungen – sprich Sex-Offerten – verboten sei, genauso wie der Verkauf von nationalsozialistischen Artikeln oder lebenden Tieren, womöglich noch solche, die unter Artenschutz stehen.

5000 Facebook-Freunde auf einen Schlag

Unproblematisch dagegen seien Angebote, "echte Freunde" für seinen Facebook-Account zu kaufen, heißt es bei Ebay. Denn hierbei handele es sich um eine legale Marketingstrategie, die offenbar auch immer mehr Unternehmen einkaufen. 1000 asiatische Fans gibt es für knapp 500 US-Dollar, 1000 Schweizer schon für knapp 200, am günstigsten sind offenbar die US-Fans mit knapp 100 Dollar. Richtig teuer wird es ab 25.000 Fans, für 100.000 britische Fans muss man schon einen fünfstelligen Betrag überweisen.

Trotzdem gibt es offenbar Käufer, und sie scheinen durchweg zufrieden zu sein. Der Anbieter wurde von internationalen Kunden – darunter beispielsweise ein Champagner-Versand – zu 95 Prozent als gut bewertet.

Aber Fans müssen nicht nur ersteigert werden. Es gibt auch offenbar ganz handelsübliche Tarife. Sehr offen wirbt zum Beispiel " GetFansFast.com " mit einem Video für sich und verspricht eine 100-prozentige Garantie, dass es sich bei den gekauften Freunden ausschließlich um echte Menschen handelt, die die Seite des Käufers nach vorne pushen.

Roboter-Freunde sind in der Praxis schädlich

Manche Marktingexperten halten die Angebote allerdings für einen großen Schwindel, wenn nicht gar für komplett unseriös. Denn wer jetzt glaubt, sich mit den sogenannten Roboter-Fans in den Seitenrankings ganz weit nach vorn kaufen zu können, der irrt. Das erklärt zumindest die auf Socialmedia spezialisierte Agentur " Eprofessional " aus Hamburg.

"Objektiv betrachtet, ist es schädlich für die eigene Facebook-Seite, wenn man sich Roboter-Fans kauft", sagt Ben Moehlenhoff. Der Grund: Die gekauften Fans interagieren nicht und das führt dazu, dass Facebook spätere Postings für uninteressant hält. Wenn die Interaktionsrate sinkt, ist das dann sogar richtig kontraproduktiv. Die echten Fans werden überhaupt nicht mehr erreicht.

In den sozialen Netzwerken gehe es allerdings genau darum, wie eng die Bindung der Freunde und Pages untereinander ist, erklärt der Experte weiter. Der kurzfristig positive Effekt verebbt zumindest bei Facebook also ganz schnell wieder.

Aber Facebook-Friends sind nicht das einzige kritische Angebot. Auch YouTube-Klicks werden angeboten: 50.000 gibt es bereits ab 200 Euro, was die Erfolge der Internet-Sternchen wie jüngst Rebecca Black oder Justin Bieber, die mit YouTube-Videos zu Stars geworden sind, in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt.