Jahrelanger Sex mit Tochter

Inzest-Vater kommt mit milder Strafe davon

Er hat über Jahrzehnte hinweg mit seiner Tochter geschlafen, nun wurde ein 69 Jahre alter Rentner aus Bayern deswegen zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt - nicht wegen Vergewaltigung, sondern nur wegen Inzests. Seine damals 13-jährige Tochter hatte angeblich einvernehmlich mit ihm Sex.

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In dem Aufsehen erregenden Inzestprozess um die angebliche jahrzehntelange Vergewaltigung einer Frau durch ihren Vater hat das Landgericht Nürnberg-Fürth den Vergewaltigungsvorwurf fallen gelassen. Bei dem Kontakt zwischen Vater und Tochter habe es sich um einvernehmlichen Geschlechtsverkehr gehandelt, urteilte das Gericht am Montag. Weil einvernehmlicher Inzest aber auch strafbar ist, verurteilte das Gericht den 69-jährigen Rentner wegen Beischlafs unter Verwandten sowie Nötigung zu zwei Jahren und acht Monaten Haft.

Der 69-Jährige war wegen Vergewaltigung in rund 500 Fällen angeklagt. Er sollte der Anklage zufolge seine heute 46 Jahre alte Tochter seit deren zwölften Lebensjahr über einen Zeitraum von 34 Jahren vergewaltigt haben. Die Staatsanwaltschaft hatte diese Aussagen der Tochter nach der Beweisaufnahme als erwiesen angesehen und vierzehn Jahre Haft sowie die anschließende Sicherungsverwahrung gefordert. Dagegen folgte das Gericht aber der Auffassung der Verteidigung, die die Darstellung der Tochter als unglaubwürdig bezeichnet hatte.

Die Kammer wich damit deutlich von der Bewertung und der Strafforderung der Staatsanwaltschaft ab, die 14 Jahre Haft wegen Vergewaltigung gefordert hatte.

Der Vorsitzende der Strafkammer, Günther Heydner, betonte in seiner Urteilsbegründung, es sei nicht nachweisbar, dass der Angeklagte seine Tochter mit Gewalt zum Geschlechtsverkehr gezwungen habe. Außerdem habe das Gericht Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Opfers; die 46 Jahre alte Frau aus Willmersbach habe sich bei ihren Aussagen vor der Polizei, dem Vernehmungsrichter und dem Gericht immer wieder in Widersprüche verwickelt. „Ihre Aussage ist nicht konstant“, sagte der Kammervorsitzende.

Die Tochter hatte ihrem Vater in dem sechstägigen Prozess vorgeworfen, sie so eingeschüchtert zu haben, dass sie erst nach drei Jahrzehnten den Mut gehabt habe sich zu offenbaren. Der Vater hatte Gewalt gegenüber seiner Tochter stets bestritten und von einvernehmlichem Sex mit ihr gesprochen. Zeugen für gewalttätige Übergriffe auf die Tochter fanden sich nicht.