Attentat

Blutbad in Lüttich mit Granaten und Kalaschnikow

Ein vorbestrafter Waffennarr tötet im belgischen Lüttich mindestens drei Menschen und sich selbst. 60 Personen sind verletzt. Ein Zufall verhinderte, dass es noch mehr sind.

Foto: Infografik Welt Online

Mindestens zwei Menschen sind bei einem Attentat in der belgischen Grenzstadt Lüttich ums Leben gekommen. Medien berichteten sogar von vier Toten und über 60 Verletzten. Um die Mittagszeit hatte ein 32-Jähriger auf einem Platz mitten in der Lütticher Innenstadt ein Blutbad angerichtet.

Er zündete mehrere Granaten und schoss dann mit einer Kalaschnikow in die Menge. Verletzt wurden Passanten und mehrere Personen, die auf den Bus warteten. Eine Haltestelle auf dem Platz Saint Lambert nahm der Täter als Erstes unter Beschuss. Er brachte sich danach selbst um.

Die Lütticher Staatsanwaltschaft schloss einen terroristischen, rechtsradikalen oder islamistischen Hintergrund aus. „Der Täter hat alleine gehandelt, er war mit Handgranaten und einer Kalaschnikow bewaffnet“, erklärte der Bürgermeister von Lüttich, Willy Demeyer, den Medien. Die Stadt richtete ein Notfallzentrum ein.

Der Täter, der selbst in Lüttich wohnte, war der Polizei bereits bekannt. Er war 2008 wegen Waffenbesitzes und Drogenhandel zu 58 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Die Polizei hatte damals fast 3000 Cannabis-Pflanzen bei ihm gefunden. Vor einigen Wochen gab es erneut eine Hausdurchsuchung. Warum er nun auf völlig Unbeteiligte geschossen hat, war zunächst unklar.

Unterschiedliche Zeugenaussagen

Die Verletzten wurden in die Krankenhäuser der Stadt, die nur eine gute halbe Autostunde von Aachen entfernt liegt, gebracht. Einige standen unter Schock, andere hatten Schussverletzungen, darunter nach Angaben der belgischen Medien auch ein Kind.

Ein Mann musste sofort notoperiert werden. Auch die Granaten hatten einige Personen verletzt. Zunächst wurden sie im Justizpalast notversorgt. Es war unklar, ob ihre Verletzungen lebensbedrohlich waren.

Was genau in der Lütticher Innenstadt passiert ist, müssen nun die Untersuchungen in den kommenden Tagen zeigen. Ein Augenzeuge berichtete dem belgischen Fernsehen, er habe einen Mann in Militärkleidung gesehen, der Granaten in die Menge geworfen hat.

Andere Personen sagten, ein Mann habe vom Dach einer Bäckerei mit einer Kalaschnikow auf den Platz geschossen. Sie hätten mehrere Explosionen gehört.

Vielleicht gibt es weitere Täter

Zunächst war unklar, ob weitere Männer an dem Attentat beteiligt gewesen waren. Die Polizei suchte die Stadt auch mithilfe eines Hubschraubers nach Komplizen ab. Mehrere Stunden herrschte absolutes Chaos. Ein Vater berichtete dem belgischen Fernsehen, sein Sohn sei verletzt worden. Er könne auf beiden Augen nicht mehr sehen. Und er könne nicht zu ihm. Die Polizei lasse ihn nicht durch die Absperrungen.

Der Platz Saint Lambert war um die Mittagszeit sehr belebt. Zahlreiche Geschäfte, große Warenhäuser und Restaurants liegen hier. Als die Schießerei begann, rannten die Menschen in Panik auseinander. Viele versteckten sich in den anliegenden Geschäften, aus denen die Polizei sie später evakuierte. Das belgische Fernsehen zeigte Bilder von Blutlachen auf den Gehwegen und Menschen, die vor den Schüssen flüchteten.

Eröffnung des Weihnachtsmarktes verschoben

Die Innenstadt wurde für mehrere Stunden gesperrt. Auch der Zug- und Busverkehr in Lüttich wurde vorübergehend unterbrochen. Das Mobilfunknetz brach zusammen.

Und es hätte sogar noch schlimmer kommen können. Eigentlich sollte der Weihnachtsmarkt in der 190.000-Einwohner-Stadt bereits eröffnet werden. Aber der Bürgermeister hatte die Eröffnung auf Grund des schlechten Wetters und starken Windes verschoben. Sonst wären vermutlich noch mehr Menschen auf dem Platz unterwegs gewesen.

Lüttich musste sich erst im vergangenen Jahr von einem Drama erholen. Im September 2011 gab es in der Stadt eine Gasexplosion in einem Mehrfamilienhaus, bei der insgesamt 14 Menschen ums Leben kamen.

Der belgische Premierminister Elio Di Rupo, der erst vor wenigen Tagen sein Amt angetreten hat, wollte sich noch am Nachmittag in Lüttich ein Bild von der Situation machen.