Lüttich

Amokläufer hatte angeblich "Angst vor Gefängnis"

Hatte der Amokläufer von Lüttich Angst, wieder ins Gefängnis zu müssen? Darüber spekuliert die belgische Innenministerin. Hintergrund könnte auch der Anbau von Cannabis gewesen sein.

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Der Amokläufer von Lüttich war am Tag seiner Tat bei der Polizei vorgeladen. Nordine A. habe möglicherweise „Angst gehabt, wieder ins Gefängnis gebracht zu werden“, sagte die belgische Innenministerin Joëlle Milquet am Mittwoch im Rundfunk. Der Mann erschoss nach Angaben der Staatsanwaltschaft zunächst die Putzfrau eines Nachbarn, bevor er zum Weihnachtsmarkt weiterzog, berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga. Dort warf er drei Granaten und eröffnete das Feuer auf die Menge, bevor er sich selbst erschoss.

Das Motiv des Täters ist laut Staatsanwaltschaft weiterhin unklar, einen Abschiedsbrief hinterließ er nicht. Der 33-Jährige war 2008 wegen Waffenbesitzes und Anbau von Cannabis zu einer Freiheitsstrafe von knapp fünf Jahren verurteilt worden, inzwischen aber wieder auf freiem Fuß.

In der Nähe des Weihnachtsmarktes wurde in einem Schuppen, den der Mann zum Cannabisanbau nutzte, die Leiche einer 45-jährigen Putzfrau gefunden, bestätigte die Staatsanwaltschaft. Nachdem er die Frau getötet hatte, sei Nordine A. zum zentralen Place Saint-Lambert gezogen. Dort habe er drei Granaten auf eine Bushaltestelle geworfen. Zwei Studenten im Alter von 15 und 17 Jahren starben, später auch ein 17 Monate altes Kleinkind. Kurz danach schoss sich der Amokläufer mit einem Revolver in den Kopf.

Einschließlich des Täters starben fünf Menschen. Zunächst war von sechs Toten die Rede gewesen. 125 Menschen wurden verletzt, einige lebensgefährlich. In der Tasche des Amokläufers wurden weitere, nicht abgefeuerte Waffen gefunden. Laut Innenministerin Milquet war Nordine A. für 13.30 Uhr bei der Lütticher Polizei vorgeladen, dort aber nicht erschienen. Gegen 12.30 Uhr begann er seinen Amoklauf auf der Place Saint-Lambert. Am Tatort erinnerten am Mittwoch Blumen und Kerzen an die Toten. Äußerlich ging das Leben in Lüttich wieder seinen gewohnten Gang.

Eine 75-jährige Frau, die zunächst für tot erklärt worden war, habe überlebt, sagte die Staatsanwältin Danièle Reynders. Ein Viertel der Verletzten werde von Psychologen betreut. Fünf Opfer seien in kritischem Zustand, berichtete Belga. Darunter sind die 75-Jährige und ein 20-Jähriger, der am Kopf operiert worden sei.