Anschlag mit Granaten

Vier Tote - Drogenhändler läuft in Lüttich Amok

Drei Menschen hat ein Mann im belgischen Lüttich bei einem Angriff mit Kalaschnikow und Blendgranaten getötet - dann starb er selbst. Der Einzeltäter war unter anderen wegen Waffenbesitz und Drogenhandel vorbestraft.

Foto: skynews

In der belgischen Stadt Lüttich sind bei einem Anschlag nach bisherigem Stand vier Menschen ungekommen und 64 Menschen verletzt worden, sieben davon schwer. Laut einer Stellungnahme des Bürgermeisters von Lüttich , Willy Demeyer, hat ein wegen Drogengeschäften justizbekannter Mann zunächst mit einem Kalaschnikow-Sturmgewehr um sich geschossen. Der Mann tötete eine 75 Jahre alte Frau sowie zwei Jugendliche im Alter von 15 und 17 Jahren.

Schließlich brachte er sich anscheinend selbst um - unklar ist bislang, so die Lütticher Staatsanwältin Danielle Reynders, ob sich der Täter tatsächlich selbst tötete oder ob „seine Waffen explodierten“. Belgiens Ministerpräsident Elio Di Rupo reagierte "mit Entsetzen" auf die Nachrichten aus Lüttich. König Albert II. von Belgien und Königin Paola besuchten am Nachmittag den königlichen Palast der Provinz Lüttich.

Zuvor war von drei Männern berichtet worden, die in der Innenstadt von Lüttich geschossen und Granaten geworfen haben sollen. Tatsächlich war es ein Einzeltäter. Bei dem Mann handelt es sich laut einem Bericht der Zeitung "Le Soir" um den 32 Jahre alten Nordine A., der vor drei Jahren wegen des Anbaus von Cannabispflanzen und illegalen Waffenbesitzes zu mehr als vier Jahren Haft verurteilt worden war und zudem wegen Sexualdelikten vorbestraft war. Die Polizei hatte bei ihm im Oktober 2007 unter anderem ein Dutzend Waffen, darunter ein Raketenwerfer, eine im zweiten Weltkrieg gefertigte deutsche Maschinenpistole MP 40, eine Kalaschnikow sowie 9500 Waffenteile und 2800 Cannabis-Pflanzen gefunden.

A. hatte laut Berichten belgischer Medien an der Place Saint-Gabriel in Lüttich Sprengkörper auf eine Bushaltestelle geworfen, anscheinend Blendgranaten vom Typ "Thunderflash". Der Mann feuerte zudem aus einem Kalaschnikow-Sturmgewehr um sich. Die Innenstadt von Lüttich wurde abgesperrt, Passanten flüchteten sich in Geschäfte. Es gab eine Reihe von Explosionen und anschließend Schusswechsel. Verbindungen zu terroristischen Aktivitäten sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht bekannt. Am Dienstagmorgen war A. demnach zu einem polizeilichen Verhör vorgeladen, bei dem er aber nicht erschien.

Die Stadt Lüttich liegt im Osten Belgiens und ist ein wichtiges Wirtschafts- und Verwaltungszentrum. Die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz liegt rund 50 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Köln und Aachen sind Partnerstädte von Liège, wie Lüttich amtlich heißt. Maastricht in den Niederlanden ist rund 30 Autominuten entfernt. Die Flüsse Ourthe und Maas fließen in Lüttich zusammen, mehr als 190.000 Menschen leben hier.