"Maskenmann"-Prozess

Martin N. soll weitere Kinder missbraucht haben

Im Prozess gegen den mutmaßlichen dreifachen Kindermörder Martin N. ist ein neuer Zeuge aufgetaucht. Dabei handelt es sich um einen jungen Mann, der womöglich 2007 von dem Angeklagten sexuell missbraucht wurde. Seine Aussage könnte wichtig sein bei der Frage nach der Sicherheitsverwahrung von Martin N.

Der wegen dreifachen Mordes und etlichen Missbrauchsfällen angeklagte Martin N. hat sich allem Anschein nach an mehr Jungen vergangen als zunächst angenommen. Ein bislang nicht bekanntes Opfer sollte am Montag im Prozess gegen den 40-Jährigen vor dem Landgericht in Stade als Zeuge aussagen. Dies scheiterte aber am Einspruch der Verteidigung des als „Maskenmann“ bekanntgewordenen Angeklagten. Ihm wird vorgeworfen, drei Jungen getötet und 20 sexuell missbraucht haben. Er hat den Großteil der Taten gestanden.

Bei dem nun bekanntgewordenen mutmaßlichen Missbrauchsopfer handelt es sich um den Halbbruder eines jungen Mannes aus Hamburg, der zwischen 2002 und 2004 von dem Pädagogen missbraucht worden sein soll. Der Mann war am vergangenen Prozesstag gehört worden. Die Brüder wandten sich erst nach der Anklageerhebung an die Ermittler.

Der Halbbruder gibt demnach an, 2007 missbraucht worden zu sein. Dies könnte eine wichtige Rolle bei der Frage nach der Sicherungsverwahrung spielen. Denn der Fall könnte belegen, dass der 40-Jährige auch heute noch gefährlich ist.

In seinem Prozess vor dem Landgericht Stade gestand der 40-jährige Martin N. zu Prozessauftakt in einer von einem Verteidiger verlesenen Erklärung die drei ihm zur Last gelegten Morde an Jungen sowie den Missbrauch diverser weiterer Opfer. Lediglich einige wenige der insgesamt etwa 40 Missbrauchstaten, die ihm in der Anklage vorgeworfen werden, ließ N. über den Anwalt vor Gericht bestreiten.

„Ich bin entsetzt über meine Taten und empfinde tiefe Scham und Reue“, teilte der Angeklagte in der Erklärung weiter mit. N. muss sich wegen einer aufsehenerregenden Mord- und Missbrauchsserie verantworten, bei der er laut Anklage zwischen 1992 und 2001 in verschiedene norddeutsche Schullandheime, Zeltlager und Privatwohnungen eingedrungen und Jungen missbraucht haben soll. Drei von ihnen soll er getötet haben. Er habe sie „aus Angst vor Entdeckung“ ermordet, ließ N. am Mittwoch vor Gericht erklären.

Getarnt mit einer dunklen Sturmhaube soll er nachts in Kinderzimmer, Schullandheime und Zeltlager eingestiegen sein. Er weckte einen der schlafenden Jungen und missbrauchte ihn. Die Polizei suchte jahrelang vergeblich nach ihm. Ein früheres Missbrauchsopfer brachte die Fahnder im Frühjahr schließlich auf die Spur des gebürtigen Bremers. Der Angeklagte hatte die Taten bereits bei der Polizei gestanden.