Verbrecher-Paar

Tote "Gentlemen-Räuber" geben Fahndern Rätsel auf

Das tschechische Gauner-Pärchen beging eine der längsten Raubserien Deutschlands. Doch auch ein Jahr nach ihrem blutigen Tod sind viele Fragen offen.

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Sie kamen meist kurz vor Schalterschluss und schlugen immer wieder in derselben Region zu: die "Gentlemen-Räuber". 15 Jahre machte ein Pärchen mit diesem Spitznamen die Gegend um Karlsruhe, Mannheim und die Südpfalz unsicher.

Bei ihren Banküberfällen erbeuteten sie insgesamt rund zwei Millionen Euro. Dem getöteten Gangsterpaar werden insgesamt 21 Banküberfälle im süddeutschen Raum zugeschrieben. Am 10. Dezember 2010 fand eine der längsten Raubserien der Republik in Karlsruhe ein blutiges Ende.

Für die lange gesuchten Räuber hatte an diesem Freitagnachmittag alles wie immer begonnen: Drei Sekunden vor 16 Uhr, kurz vor Geschäftsschluss, betritt das Duo maskiert mit Perücken die Bank. Die Zwei zücken ihre Waffen, kassieren eine Beute in Höhe von mehreren zehntausend Euro und sind blitzschnell wieder draußen.

Täterin schießt sich in den Mund

Doch eine Angestellte hat stillen Alarm ausgelöst. Eine Streife, die zufällig in der Nähe ist, verfolgt die beiden. Es kommt mitten im weihnachtlichen Trubel zum Schusswechsel. Der Räuber stirbt durch eine Polizeikugel, seine Frau wird ebenfalls getroffen und schießt sich schließlich selbst in den Mund. Eine Polizistin wird schwer am Bein verletzt; eine Kugel der Räuber verfehlt knapp eine Arterie.

Die Identität der seit Jahren gesuchten "Gentlemen-Räuber" war schnell geklärt: Sie hatten ihre Ausweise dabei. Der 40-jährige Mann und seine 38-jährige Frau kamen für ihre regelmäßigen Raubzüge aus Tschechien in den Südwesten.

Ihren Spitznamen hatten die bis dahin Unbekannten übrigens wegen ihres vergleichsweise höflichen Benehmens – zumindest zu Beginn der Raubserie – erhalten. So schickten die Täter einmal einem Überfallopfer seinen Schlüssel zurück und entschuldigten sich. "Sie waren aber immer Verbrecher", betont ein Polizist.

Ein Jahr nach dem Tod der "Gentlemen-Räuber" ist die Raubserie zwar gestoppt – doch noch immer sind eine Reihe von Fragen offen. So war bei früheren Beutezügen ein weiterer Mann dabei. Fahnder meinen, diesen geheimnisvollen Dritten ebenfalls in Tschechien aufgespürt zu haben.

Fahndung nach dem dritten Mann

Aber nachweisen können sie dem Mann die Jahre zurückliegenden Taten bislang offenbar nicht. Das letzte Mal soll er vor zehn Jahren bei einem Bankraub gesehen worden sein.

"Es laufen weitere Ermittlungen wegen des Verdachts der Beteiligung an verschiedenen Banküberfällen", sagt dazu der Karlsruher Staatsanwalt Rainer Bogs. Die tschechischen Strafverfolger ermitteln im Auftrag der Karlsruher, doch ein Haftbefehl gegen den Mann wurde bislang nicht erwirkt. "Die Taten waren nicht gestern", beschreibt Bogs die schwierigen Ermittlungen.

Unklar ist auch, wo der Löwenanteil der Beute ist. Das Pärchen selbst soll sehr bescheiden in einem Dorf im Süden Tschechiens gelebt haben. Für ihre letzte Tat hatten sich die Räuber einen billigen Kleinwagen gemietet. Um alle diese Fragen dreht sich die mühsame Kleinarbeit der Fahnder.

Die verletzte junge Polizistin ist übrigens wieder gesund und im Dienst. Sie wird – wie ihr Kollege und andere Zeugen der Schießerei - aber noch lange an die schrecklichen Geschehnisse denken müssen.