Frecher Werbespot

Die Spritzpistolen-Spielchen von Mugabe und Gaddafi

Ein Werbespot für knusprige Hühnerschenkel lotet Grenzen der Geschmacklosigkeit aus – Look-alikes von Gaddafi, Idi Amin und Mao tanzen im Ringelreihen.

Ein alter Mann in Uniform sitzt an einer festlichen Tafel und wartet. Alles steht bereit für das pompöse Gala-Dinner, nur die Gäste fehlen noch. Der Mann wartet und wartet, doch die Stühle bleiben leer.

Kurz bevor man Mitleid mit dem Mann kommt, der so verlassen an dem großen Tisch hockt, schwenkt die Kamera auf eines der blitzweißen Platzkärtchen, die der Uniformierte aufgestellt hat. Und was steht da in verschnörkelter Schrift? Muammar al-Gaddafi . Und jetzt weiß man auch, um wen es sich tatsächlich bei dem armen alten, einsamen Kerl handelt: Simbabwes Präsident Robert Mugabe, ein Diktator. Jetzt fällt auch das Porträt von ihm im Hintergrund auf: Mugabe in Napoleon-Pose.

So beginnt der freche Spot der südafrikanischen Fast-Food-Kette „Nando's“, der im Internet bereits millionenfach geklickt wurde und eine Diskussion ausgelöst hat, ob man mit Diktatoren für knusprig gegrillte Hühnerschenkel werben darf.

Denn unter dem Titel "Last Dictator Standing" lässt der preisgekrönte Regisseur Dean Blumberg aus Johannesburg die Erinnerungen Mugabes an die guten, alten Zeiten lebendig werden, die er mit den anderen Tyrannen dieser Welt erlebt hat, die aber einer nach dem anderen verschwinden. Und zwar meistens ziemlich blutig.

Titanic-Szene auf dem Panzer

Während im Hintergrund das Lied „Those were the days“ läuft, lacht Mugabe mit dem irakischen Gewaltherrscher Saddam Hussein – gekleidet mit orangefarbener Badehose – in der Wüste. Oder er gibt Pieter Willem Botha, der in den 90er-Jahren eine strenge Apartheidpolitik in Südafrika vertrat, Schwung auf der Schaukel.

Wie ein kleiner Junge liefert er sich mit Gaddafi ein Spritzpistolen-Wettschießen, bei dem der vor wenigen Wochen getötete Machthaber Libyens seine goldene AK-47 rausholt.

Mit Mao steht Mugabe auf der Bühne, tanzt und singt. Zum Schluss spielt er noch für Ugandas Ex-Despot Idi Amin Dada, der für den Tod von 300.000 bis 400.000 Menschen verantwortlich sein soll, den Leonardo DiCaprio in der Titanic-Szene auf einem Panzer.

Doch nun ist das alles vorbei. Der Freundeskreis Mugabes ist geschrumpft, nur er ist noch übrig. Und deshalb heißt es zum Schluss des Spots: "Niemand sollte jemals alleine essen. Also nimm das ‚Sixpack’-Menü: Meal for 6 ", sagt ein Sprecher aus dem Off.

Der Spot bekam viel Beifall in den sozialen Netzwerken wie Twitter . In Simbabwe allerdings rief die Jugendorganisation von Mugabes Partei, die „Zimbabwe African National Union", zum Boykott der Fast-Food-Kette auf. Eine militante Gruppe drohte zudem mit Übergriffen auf " Nando's "-Filialen, die sich hauptsächlich in Afrika und in Großbritannien befinden.