Fast 18 Jahre Haft

Deutscher Kinderschänder geht US-Behörden ins Netz

Zu fast 18 Jahren Haft wurde ein ein deutscher Kinderschänder in den USA verurteilt. Er war auf eine fingierte Kindersex-Website von US-Ermittlern hereingefallen.

Ein Kinderschänder aus Albstadt (Zollernalbkreis) in Baden-Württemberg ist in den USA zu 17 Jahren und 7 Monaten Haft verurteilt worden. Der 50 Jahre alte Arzt Peter B. war der Polizei ins Netz gegangen, als er über das Internet ein Mädchen für einen sexuellen Missbrauch buchen wollte.

Nach Angaben der Behörden in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio bot er auf einer von Ermittlern fingierten Internetseite 1150 US-Dollar (gut 800 Euro) für ein achtstündiges Treffen mit einem elfjährigen Mädchen. Als er im März von Stuttgart nach Cleveland flog, um das Mädchen zu sehen, klickten in den USA die Handschellen. Der 50-Jährige hatte die Vorwürfe vor Gericht zugegeben.

US-Ermittler hatten die Internetseite im September 2009 erstellt, um internationale Kindersex-Touristen in eine Falle zu locken. Der Arzt aus Albstadt geriet schnell ins Visier der Fahnder. Monatelang habe er im Internet versucht, sexuellen Kontakt zu minderjährigen Mädchen zu bekommen. Die US-Ermittler machten ihm schließlich das Angebot, die Elfjährige zu treffen, die in Wahrheit nie existierte.

Die verdeckten Fahnder empfahlen dem 50-Jährigen, alles einzupacken, was er für das Mädchen brauche, und in die USA zu kommen. Im Gepäck habe der Arzt daraufhin laut " Bild " eine Videokamera, Gleitcreme, Stoff-Fesseln und das Beruhigungsmittel "Midazolam" gehabt – für die Ermittler war das genügend Beweismaterial.

Auch ein 63-Jähriger aus Leipzig festgenommen

Vor Gericht habe Peter B. unter Tränen über seine beiden Söhne gesprochen, die er wieder "als Vater und nicht als Häftling" in die Arme nehmen wolle, er habe um Milde gebeten und Verdienste als Militärarzt aufgezählt, die er in zwei Nato-Einsätzen im Kosovo 1999 und in Afghanistan erworben habe. Der Mediziner habe vor Gericht gesagt, er empfinde ein „Gefühl der Schande“.

„Mein Leben ist zerstört, dennoch möchte ich weiter helfen, wo immer ich noch kann“, sagte der 50-Jährige dem Bericht zufolge.

Der Anwalt des Arztes, Timothy Ivey, sprach von Dutzenden Personen, die dem Gericht schriftlich bezeugt hätten, B. sei ein "sanfter Mensch mit Mitgefühl", der sein Leben in den Dienst der Hilfe von Mitmenschen stelle.

Der Arzt hat nun zehn Tage Zeit für einen Einspruch gegen die Strafe. Einen Großteil der Haftstrafe wolle er in Deutschland verbüßen und sich dort "psychologischen Behandlungen“ unterziehen.

Insgesamt waren den Ermittlern vier Männer ins Netz gegangen, die auf der fingierten Internet-Seite Geld für Sex mit Minderjährigen geboten hatten. Unter ihnen war auch ein 63-Jähriger aus Leipzig, der bislang noch nicht verurteilt wurde.