"Berliner Kurier"

Chefredakteur jagt Dieb auf eigene Faust

Als Chefredakteur des "Berliner Kurier" lässt Hans-Peter Buschheuer normalerweise nur über Kriminalfälle berichten. Doch als er bestohlen wird, ermittelt er selbst.

Foto: picture alliance / dpa / picture alliance / dpa/dpa-Zentralbild

Bislang kannte der Chefredakteur des "Berliner Kurier" Ganoven auch nur aus der Zeitung. Doch als Hans-Peter Buschheuer nun selbst Opfer einer Gaunerei wurde, bewies er der Polizei, wie hartnäckig Boulevardjournalisten sein können. Und plötzlich standen von der Polizei nicht freigegebene Fotos eines vermeintlichen Diebes im Internet.

Die Geschichte beginnt mit einem guten Abendessen. Als Buschheuer zahlen will, ist – oh, Schreck! – die Brieftasche weg. Er sucht hier, er kramt da. Der Kellner wartet auf sein Geld. Zum Glück ist jemand da, der aushilft.

Buschheuer informiert sofort seine Frau, die geistesgegenwärtig auf die Konten schaut. Mit ihrem Verdacht liegt sie richtig: Tatsächlich hatte bereits am Nachmittag ein Mann mit Buschheuers Karten in einem Berliner Elektromarkt eingekauft. Sofort lässt der Journalist sämtliche Karten sperren und geht zur Polizei, um Anzeige zu erstatten.

Buschheuer selbst recherchiert über die Deutschland-Zentrale des Elektromarktes, in welcher Filiale seine Karte eingesetzt worden war. Vom dortigen Filialleiter erfährt er, dass sämtliche Kassen videoüberwacht sind. Schnell ist die Filmsequenz gefunden, in der seine Karte zum Einsatz kam. Die Bilder zeigen einen Mann mit Ringelpulli, Sonnenbrille im Haar und Gürteltasche.

Doch der Filialleiter darf Buschheuer die Aufnahmen nicht aushändigen. "Obwohl ich die Bilder sicherstellen ließ, durften sie nur an die Polizei gehen", sagt Buschheuer. "Die hat sie aber erst nach Monaten dort abgeholt."

Gut ein halbes Jahr später schließt die Polizei erfolglos die Ermittlungsakte. Das war in der vergangenen Woche. Nun verlangt Buschheuer über seinen Anwalt Akteneinsicht. Er bekommt sie und findet die Bilder aus dem Elektromarkt.

"Bitte Hinweise an mich mailen. Bei Ergreifung winkt Belohnung!”

Ohne lange nachzudenken, nimmt er die Bilder an sich, schaltet eine private Internetseite frei und veröffentlicht dort die vermeintliche Betrugszene aus dem Elektromarkt. Auf der Seit findet sich der Aufruf: "Wer kennt den Dieb? Bitte Hinweise an mich mailen. Bei Ergreifung winkt Belohnung!” Jedes Bild mit dem Verdächtigen ist mit "Dieb" unterschrieben. Auch auf seiner Facebook-Seite postet er ein Foto.

"Mir ist klar, dass die Chancen gering sind, den Täter zu identifizieren", sagt Buschheuer. "Ich weiß auch nicht, ob es rechtlich einwandfrei ist, die Bilder zu veröffentlichen. Aber ich will nicht hinnehmen, das so ein Fall einfach so eingestellt wird."

Wie mit den Bildern rechtlich umzugehen ist, wissen die Ermittlungsbehörden offenbar auch nicht so genau. Während die Polizei darauf beharrt, dass die Bilder nur mit einer richterlichen Genehmigung veröffentlicht werden dürfen, meint die Pressestelle der Staatsanwaltschaft:

"Würde ein so öffentlich Abgebildeter deswegen Strafanzeige erstatten, würde die Frage der Strafbarkeit wohl vermutlich unter dem Gesichtspunkt des Verstoßes gegen Paragraf 33 Kunsturhebergesetz, der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen nach Paragraf 201a StGB und gegebenenfalls – falls der so Abgebildete vielleicht gar nicht der Dieb war, sondern ein unbeteiligter Dritter – wegen übler Nachrede nach Paragraf 186 StGB – geprüft werden."

Eine wahrhaft "würde-volle" Würdigung. Doch sie bewirkt bei Buschheuer offenbar einen plötzlichen Sinneswandel. Er nimmt die Bilder aus dem Netz und beendete die virtuelle Diebesjagd. Ein Ganove, der Böses dabei denkt.

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