Havarie

Kapitän des Ölfrachters "Rena" festgenommen

Der Lage am havarierten Frachter vor Neuseeland hat sich verschlechtert. Jetzt wird dem Kapitän vorgeworfen, er habe "unnötige Gefahren und Risiken" verursacht. Ihm drohen mindestens zwölf Monate Gefängnis.

Foto: dpa / dpa/DPA

Der vor der Küste Neuseelands auf ein Riff gelaufene und leckgeschlagene Frachter „Rena“ droht auseinanderzubrechen. Das neuseeländische Fernsehen zeigte am Mittwoch Bilder eines großen Risses in der Seite des Schiffs, das mit Schlagseite auf dem Riff festliegt.

„Wir haben Belastungsrisse am Rumpf festgestellt, so dass wir ein Auseinanderbrechen des Schiffes nicht ausschließen können“, sagte Regierungschef John Key im Fernsehen. Eine Woche nach dem Schiffsunglück vor der Küste Neuseelands scheinen die Behörden den Kampf gegen die drohende Umweltkatastrophe verloren zu haben.

Es sei nicht mehr auszuschließen, dass der Frachter dem Druck der Wellen nicht mehr standhalte und auseinanderbreche.

Neuseeland droht schwere Umweltkatastrophe

Aus dem havarierten Frachter sind bereits rund 300 Tonnen Schweröl ausgelaufen und ins Meer geflossen. Da schlechtes Wetter ein Abpumpen der noch an Bord verbliebenen knapp 1400 Tonnen Öl verhindert, wird an der Küste bereits eine Umweltkatastrophe großen Ausmaßes befürchtet.

Insgesamt hatte der Frachter 1700 Tonnen Öl an Bord. An den weißen Sandstränden der Nordküste Neuseelands sind unterdessen weitere Ölplacken angeschwemmt worden. Zudem bekam das Schiff zunehmend Schlagseite: Mindestens 70 der rund 1370 geladenen Container gingen von Bord, wie die Schifffahrtsbehörde MNZ mitteilte. Unter ihnen sei jedoch keiner mit gefährlichen Substanzen gewesen.

Angesichts der drohenden Umweltkatastrophe vor der neuseeländischen Küste haben die Behörden den Kapitän des auf ein Riff gelaufenen und leckgeschlagenen Unglücksfrachters „Rena“ festgesetzt. Dem 44-jährigen philippinischen Kapitän wurde vorgeworfen, mit seiner Schiffsführung „unnötige Gefahren und Risiken“ heraufbeschworen zu haben.

Er wurde am Mittwochmorgen nach kurzer Anhörung vor dem Bezirksgericht in Tauranga gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt, muss sich täglich auf der Polizeiwache melden, berichtete der neuseeländische Rundfunk. Zugleich wurde auf Anordnung des Gerichts jede Veröffentlichung seines Namens oder eines Fotos verboten, um Zwischenfälle angesichts der Verärgerung der Bevölkerung über die Umweltkatastrophe zu vermeiden. Dem Kapitän der „Rena“ drohen mindestens zwölf Monate Gefängnis. Vor Gericht wurde bekannt, dass möglicherweise weitere Anklagepunkte folgen könnten, berichtete der neuseeländische Rundfunk.

Das Unglücksschiff ist nach Auskunft des deutschen Verbands der Reeder 1990 in Kiel gebaut worden und 21 Jahre alt. Das Schiff war vergangenen Mittwoch am Astrolabe-Riff auf Grund gelaufen. Das Unglücksgebiet vor der Plenty-Bucht ist ein Paradies für Seevögel, Delfine und Wale. Die Badestrände sind auch bei Touristen beliebt.

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