Murray-Prozess

Zeugenaussagen belasten Jackos Leibarzt schwer

Es sieht nicht gut aus für Michael Jacksons Leibarzt Conrad Murray: Im Prozess wegen fahrlässiger Tötung des Popstars wird der Herzspezialist als Arzt dargestellt, dem es nur ums Geld ging.

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Der Prozess gegen den Herzspezialisten Conrad Murray in Los Angeles wegen fahrlässiger Tötung wurde am Dienstag fortgesetzt. Das Gericht verhandelt, ob der Leibarzt den Popstar Michael Jackson falsch medikamentierte, wie es die Staatsanwaltschaft behauptet, oder ob Jackson eigenmächtig eine zu starke Dosis Propofol nahm, um endlich einschlafen zu können, was Murrays Anwälte glauben machen wollen.

Fahrlässige Tötung oder selbst verschuldetes Ableben? Um Licht in diese Streitfrage zu bringen, wurde der Jury die Aufzeichnung einer Vernehmung Murrays durch die Polizei von Los Angeles vorgespielt, aufgenommen 48 Stunden nach dem Tod Jacksons. Am Freitag voriger Woche war bereits der Anfang dieses zweistündigen Gesprächs im Gerichtssaal eingespielt worden, das am 27. Juni 2009 in einem Hotel in Los Angeles in Anwesenheit von Ed Chernof, dem Chefverteidiger des Mediziners, durchgeführt wurde. Murray sagte darin, er habe Jackson vor dessen Tod von dem starken Propofol zu entwöhnen versucht. Am 25. Juni habe er ihm aber dann doch auf dessen intensive Bitte („Er war nicht fähig, normal zu schlafen“) eine geringe Menge des Sedativs, 25 Milligramm, verabreicht. Er, Murray, habe „für ungefähr zwei Minuten“ das Zimmer verlassen. „Ich kam zurück an sein Bett und war entsetzt, dass er nicht mehr atmete“, so der Arzt.

Murray habe Pflicht vernachlässigt

Doch Zeugenaussagen legen einen anderen Zeitablauf nahe. Danach hielt sich Murray bedeutend länger außerhalb des Schlafzimmers von Jackson auf, um mit zwei Geliebten zu telefonieren und Textnachrichten zu versenden . Zudem habe er eine E-Mail an den Veranstalter der bevorstehenden Michael-Jackson-Tournee geschickt.

Murray habe seine Pflichten als Arzt grob vernachlässigt, lautet denn auch der zentrale Vorwurf von Chefankläger David Walgren. Das Bild, das er zeichnet, ist das eines Arztes, dem es ums Geld ging. Vier Millionen Dollar habe er zunächst verlangt, als Jackson den Mediziner, der zuvor gelegentlich die drei Kinder des Weltstars bei leichten Erkrankungen behandelt hatte, für die Dauer seiner Tournee anheuern wollte. Murray wurde heruntergehandelt auf ein immer noch großzügiges Gehalt von 150.000 Dollar im Monat. Wäre die Tournee geplatzt, hätte Murray darauf verzichten müssen. Darum habe er in der Folge alle Hinweise auf die angegriffene Gesundheit des erschöpften Jackson als gegenstandslos abgetan.

Der Arzt selbst habe dem Sänger und Tänzer, der am Tag vor seinem Tod eine strapaziöse Probe für die geplanten Auftritte absolvierte, die tödliche Dosis Propofol verabreicht. Danach habe er auf die bei einem derart starken Narkosemittel notwendige akribische Überwachung seines Patienten verzichtet.

Belastend für Murray, dem im Fall eines Schuldspruchs vier Jahre Haft drohen, sind etliche Aussagen. Jacksons Leibwächter Alberto Alvarez gab im Zeugenstand an, Murray habe ihn zunächst Medikamente und Ampullen rund um Jacksons Bett in Taschen packen lassen und danach erst aufgefordert, den Notruf 911 zu tätigen. Dieser Anruf erfolgte erst 22 Minuten, nachdem Murray den persönlichen Assistenten von Jackson angerufen und dringlich gebeten hatte, sofort in die Villa zu kommen.

Arzt verschwieg Propofol-Einnahme

Murray selbst sagte in seiner Vernehmung durch die LAPD-Polizisten aus, er habe den Notruf nicht selbst durchgeführt, weil er den „Zip-Code“, die zum Jackson-Anwesen gehörende US-Postleitzahl, nicht gekannt habe.

Im Krankenhaus bat Murray die Ärzte inständig, „nicht früh aufzugeben und hart zu kämpfen“ für die Reanimation seines „Freundes“ Michael Jackson. Doch er verschwieg den Kollegen, dass der Künstler Propofol, in welcher Menge auch immer, genommen hatte .

All das wirft kein gutes Licht auf den Mediziner, der vor den Polizisten angab, Paris, die Tochter von Michael Jackson, habe an sein Bemühen um das Überleben des Vaters geglaubt. Er habe sein Bestes gegeben, habe er ihr gesagt. Die damals Elfjährige habe ihm weinend geantwortet: „Ich weiß, Sie haben alles versucht, aber ich bin wirklich traurig. Wissen Sie, morgen werde ich aufwachen und ich werde meinen Vater nicht mehr sehen können.“