Naturkatastrophe

Bangkok rüstet sich mit Dämmen gegen die Fluten

Bangkok wappnet sich gegen Wassermassen. Nach den schweren Überschwemmungen im Landesinneren, die bereits fast 270 Menschen das Leben gekostet und Milliardenschäden angerichtet hatten, rollte die Welle am Dienstag unaufhaltsam auf die thailändische Hauptstadt zu

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In Thailand versuchen Helfer fieberhaft mit dem Bau von Schutzwällen, die Hauptstadt Bangkok vor Überflutungen zu schützen. In der Provinz Pathum Thani nördlich von Bangkok durchbrachen die Wassermassen in der Nacht zu Dienstag einen Uferdamm und setzten die umliegenden Häuser zwei Meter tief unter Wasser. Einige Außenbezirke standen ebenfalls unter Wasser. Bislang seien aber vor allem Felder überschwemmt worden, sagte der stellvertretende Provinzgouverneur Lerpong Kaiwsrichan. Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra und die Stadtverwaltung riefen die zehn Millionen Einwohner auf, nicht in Panik zu geraten.

Unter Hochdruck wird an der Fertigstellung dreier Dämme gearbeitet. Schätzungsweise blieben nur noch ein oder zwei Tage Zeit, bis der Hochwasser führende Fluss Chao Praya, der sich durch Bangkok schlängelt, über die Ufer tritt. In Supermärkten waren die Regale mit Grundnahrungsmitteln wie Reis, mit Trinkwasser, Schweinefleisch und Geflügel leergekauft. Die Hochwasserschäden in den Agrarregionen im Norden dürften die Preise für Lebensmittel, besonders für Reis, steigen lassen.

Der japanische Autobauer Toyota teilte mit, die Produktion in allen drei thailändischen Fabriken sei gestoppt worden. Auch Honda hielt die Bänder an, nachdem die Fluten einen Schutzwall aus Sandsäcken um eine Industriezone durchbrochen hatten. Nikon setzte in einem Werk die Produktion einer Digitalkamera aus.

Die schwersten Überschwemmungen in Thailand seit 50 Jahren drohen im Laufe der Woche Bangkok zu erreichen. Große Teile der Hauptstadt liegen nur etwa zwei Meter über dem Meeresspiegel.

Die Behörden bereiten früheren Angaben zufolge einen Evakuierungsplan vor, um Menschen im Notfall aus betroffenen Gebieten in Sicherheit zu bringen. Seit Ende Juli sind rund 269 Menschen durch die heftigen Regenfälle und Überschwemmungen ums Leben gekommen. Rund 2,3 Millionen Menschen sind von den Fluten vor allem im Norden und der Landesmitte betroffen.

In einer vorläufigen Schätzung rechnet die Zentralbank mit Schäden in Höhe von 60 bis 80 Milliarden Baht (2,5 bis 3,4 Milliarden Euro), die seit Ende Juli durch den starken Monsunregen entstanden sind. Darin sind noch keine Kosten für den Wiederaufbau oder mögliche Schäden in Bangkok enthalten.

Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums wurden wahrscheinlich etwa 1,1 Millionen Hektar Reisfelder zerstört. Das wäre ein Zehntel der gesamten Reisanbaufläche von 11 Millionen Hektar des weltgrößten Reisexporteurs.

Der Ökonom Fred Gibson von Moody's Analytics befürchtet noch größere Einbußen für die Wirtschaft, wenn die Überschwemmungen die Provinz Rayong im Osten erreichen, wo zwei Drittel der thailändischen Industrie angesiedelt sind.