Israel

Arabisches Covergirl wagt im Bikini den Tabubruch

Schön, jung und mutig: Ein Frauenmagazin in Israel zeigt eine arabische Frau im Bikini auf dem Titel – die 22-jährige Huda Naccache.

"Huda rockt die Erde" lautete der Titel. Die Bikini-Fotos des arabischen Models Huda Naccache auf dem Cover der Frauenzeitschrift "Lilac" in Israel erwartet haben, gelten tatsächlich als Tabubruch.

Auf den Fotos strahlt, blitzt und glänzt es. Wer die genauen Körpermaße des Models aus dem Heiligen Land wissen will, kann gleich in der Bibel nachschlagen, Hohelied, Kapitel 4: „Deine beiden Brüste sind wie zwei Kitze, Zwillinge der Gazelle, die in den Lilien weiden...“. Ihre Beine hören irgendwann auf, weil es am Genick nicht weitergeht.

Schlank ist sie, wo Fotografen es mögen, und rund dort, wo Männer hinblicken. Und mutig ist sie auch noch. Ihr Erscheinen im knappen Zweiteiler auf dem Titel Magazins, das in arabischer Sprache in Israel erscheint, hing letztlich doch unskandalöser an den Kioskwänden, als es viele befürchtet hatten. „Was zu erwarten war“, befand der arabische Medien-Mainstream, der sich auch in andern Bereichen nicht immer vom hebräischen abhängen lassen will.

Eine „Beauty-Queen“, die Miss Earth wird

Die hebräischen Kommentare schlossen Huda Naccache (ausgesprochen Nakasch) gleich in „unseren“ Kreis israelischer Fotomodelle ein, die in den vergangenen Jahren zu einem israelischen Export-Schlager wurden. Von Bar Rafaeli über Donna Feldman bis Schani Maschascha.

Mehr als ein Kommentar war zuversichtlich: „Unsere Beauty-Queen wird Miss Earth 2011.“ Auch wenn bislang nur die Kandidatur sicher ist.

Negative Reaktionen gab es allenfalls am fundamentalistischen Rande. In den arabischen Kaffeehäusern, bei Fundamentalisten so verhasst wie Internet-Cafés, gibt es auch noch einige hochbetagte Herren, die sich an die wilden Zeiten im Beirut der 40-er Jahre bis in die 60-er Jahre erinnern.

Das zweiteilige Kleidungsstück war am Strand von Beirut so schnell verbreitet wie in Nizza oder Rimini. Bilder davon gab es auch damals schon, wenn auch nicht in ganz so hochglänzenden Zeitschriften. Ob es da wirklich keine arabischen Models gegeben hat, die sich so freizügig gezeigt haben, da ist sich der Seniorentisch nicht so sicher.

Und doch ist der „Lilac“-Titel eine Neuheit. Nicht allein das Model ist arabisch, auch die verantwortliche Herausgeberin. Jara Masch’hur kommt aus einer Zeitungsfamilie. Ihr vor zwei Jahren verstorbener Vater war der Herausgeber der meist verkauften Wochenzeitung „A’Senara“ in Nazareth. Die erste unabhängige arabische Zeitung, die neben Israels Regierung auch Israels arabische Politiker über alle Parteigrenzen hinweg aufs Korn nahm.

Das Model ist stolz auf die Fotos

Jara Maschhur gibt seit über einem Jahr mit „Lilac“ die erste arabische Frauenzeitschrift heraus, die ihren hebräischen Schwestern in Israel Konkurrenz macht: Mode, Frauenrechte, Kochrezepte und, ja doch, Sex: „Für mich gibt es keine Tabus, rote Linien sind dafür da, überschritten zu werden“, meint die 38-Jährige.

Maschhur hatte bereits einige Vorgängerinnen: Dschumana Hadad beispielsweise. Mit ihrer Zeitschrift „ Jasad “, unter der Kiosk-Theke und in schwarzem Plastik verschweißt, zog sie im Libanon sehr viel mehr Kritik und Drohungen auf sich, als „Lilac“ in Israel. Wohl auch, weil sie weit mehr auszusprechen wagt.

Das Bikini-Model Huda Naccache jedenfalls sieht sich über jeder Kritik. „Einige sind noch nicht so weit, was ich verstehe, was mich aber nicht bremst: Ich mache den Anfang, und da bin ich stolz drauf.“ In Israel löst sie damit mehr Beifall als Ablehnung aus. Auch in der arabischen Bevölkerung und noch wichtiger – auch Hudas Vater gab sein Einverständnis für den Job: „Es ist ihre Chance, sie mag es und wir akzeptieren das. Auf Huda ist Verlass.“