Prozess

Zeugen werfen Jackson-Arzt Murray schwere Fehler vor

Die Notärztin, die Michael Jackson für tot erklären ließ, und Klinikmitarbeiter haben den Leibarzt des Sängers belastet: Er habe ihnen Informationen vorenthalten.

Die Notärztin Richelle Cooper, die Michael Jackson im Juni 2009 für tot erklären ließ, hat dem Leibarzt des Sängers schwere Vorwürfe gemacht. Der Herzspezialist Conrad Murray habe wichtige Informationen verschwiegen, sagte Cooper zu Beginn der zweiten Prozesswoche im Gericht von Los Angeles.

Der wegen fahrlässiger Tötung angeklagte Mediziner habe ihr lediglich mitgeteilt, dass Jackson ein Beruhigungsmittel eingenommen habe. Die Verabreichung des Narkosemittel Propofol habe er verschwiegen, sagte Cooper im Zeugenstand.

Die Herzspezialistin Thao Nguyen, die sich mit einem Dutzend Kollegen im Krankenhaus um den leblosen Jackson bemühte, warf Murray vor, dass er ihr keine klaren Antworten geben konnte. „Er sagte, dass er keinen Bezug zur Zeit habe und dass er keine Uhr hatte“, erklärte die Zeugin. Er habe das Propofol „absolut nicht“ erwähnt.

Jackson war an einer „akuten Vergiftung“ mit dem starken Betäubungsmittel gestorben. Laut Anklage hat Murray „grob fahrlässig“ gehandelt und den Tod durch das Verabreichen der Medikamente herbeigeführt. Die Verteidigung will dagegen beweisen, dass der Sänger am Todestag etliche Mittel ohne Wissen seines Arztes eingenommen und sich damit versehentlich selbst getötet hat.

Cooper hatte den Sänger am 25. Juni 2009 zwei Mal für tot erklärt, das erste Mal nach Telefonaten mit Sanitätern. Diese hatten vergeblich versucht, den Sänger in dessen Haus wiederzubeleben. Nachdem der Musiker ins Krankenhaus gebracht worden war, bemühten sich die Ärzte weiter um Jackson. Der Patient sei bereits „klinisch tot“ gewesen, gab Cooper zu Protokoll. Nur auf Drängen von Murray hätten sie die Wiederbelebung so lange fortgesetzt.

Schwere Vorwürfe hatten die zwölf Geschworenen bereits in der ersten Prozesswoche gehört. Ein Sanitäter, der ins Haus von Jackson gerufen worden war, sagte aus, Murray habe die starken Mittel verschwiegen, die der Sänger eingenommen hatte.

Ein weiterer Zeuge hielt Murray vor, der Arzt habe billige Apparaturen zur Überwachung des Patienten benutzt. Jacksons Leibwächter und die Köchin des Popstars gaben zu Protokoll, dass Murray nicht sofort den Notarzt verständigte, als er Jacksons leblosen Körper entdeckte.

Das Verfahren in Los Angeles kann sich nach Einschätzung des Richters über vier bis fünf Wochen hinziehen. Die Verhandlung wird von Internetportalen und einigen US-TV-Sendern live übertragen. Im Falle eines Schuldspruchs muss Murray mit vier Jahren Haft rechnen.