UN-Bericht

Wenn die Familie für Frauen zur Todesfalle wird

468.000 Morde wurden 2010 verübt, die UNO hat sie ausgewertet: Am gefährlichsten ist es in Amerika und Afrika. Bei Familiendramen sind meist Frauen die Mordopfer.

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Die meisten Morde auf der Welt geschehen in Mittelamerika sowie im mittleren und südlichen Afrika. Das sind die Ergebnisse eines ersten weltweiten „Mord-Berichts“ des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) .

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr weltweit 468.000 Morde gezählt. Dem Bericht zufolge wurden 36 Prozent in Afrika, 31 Prozent in Amerika, 27 Prozent in Asien und fünf Prozent in Europa verübt. Auf Ozeanien entfiel nur ein Prozent der Morde.

Die zunehmende Mordrate in Mittelamerika und in den karibischen Staaten nähere sich einem „kritischen Punkt“, heißt es in dem Bericht. Etwa drei Viertel der Morde werden dort mit Schusswaffen verübt, während in Europa die Rate hier bei 21 Prozent liegt. In Amerika sei die Drogenkriminalität ausschlaggebend für die hohe Mordrate.

Die UN-Studie weist auch auf eine deutliche Verbindung zwischen Verbrechensrate und Entwicklung hin. In Ländern mit großen Einkommensunterschieden ist die Verbrechensrate viermal höher als anderswo. „Kriminalität verjagt die Wirtschaft, zieht Humankapital ab und destabilisiert Gesellschaften“, heißt es in dem Bericht.

Plötzliche Wirtschaftsabschwünge könnten die Mordraten hochtreiben. In ausgewählten Ländern seien während der Finanzkrise 2008/2009 mehr Morde verübt worden, zeitgleich mit einem sinkenden Bruttoinlandsprodukt, höheren Preisen und mehr Arbeitslosigkeit.

Weltweit sind 80 Prozent der Mordopfer und Täter männlich. Während Männer mit höherer Wahrscheinlichkeit an einem öffentlichen Ort umgebracht werden, ist die Gefahr für Frauen eher das eigene Heim. In Europa wurde die Hälfte der weiblichen Mordopfer von einem Familienmitglied umgebracht. Generell sind es vor allem Frauen, die bei Morden von Partnern oder Familienmitgliedern umgebracht werden: 2008 waren es 80 Prozent.