Nach Freispruch

Amanda Knox in den USA stürmisch empfangen

Nach ihrem spektakulären Freispruch in Italien ist die US-Studentin Amanda Knox in ihre Heimat zurückgekehrt. Die 24-Jährige landete in Begleitung ihrer Familie in ihrer Geburtsstadt Seattle.

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Die 24-Jährige ist nach ihrem Freispruch in Italien wieder in Seattle angekommen und dankt ihren Unterstützern.

Video: Reuters
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Nach ihrem spektakulären Freispruch in Italien ist die US-Studentin Amanda Knox in ihre Heimat zurückgekehrt. Die 24-Jährige landete am Dienstag in Begleitung ihrer Eltern in ihrer Geburtsstadt Seattle im US-Bundesstaat Washington. Während Experten bereits über den Wert der Bücher- und Filmrechte an dem aufsehenerregenden Mord-Prozess spekulierten, dankte Knox ihren Unterstützern dafür, dass sie an sie geglaubt hätten. Die zu Tränen gerührte junge Frau wurde von Familie und Freunden stürmisch empfangen. Das US-Fernsehen übertrug ihre Ankunft live.

Sie sei „überwältigt“, sagte Knox kurz nach der Landung in Seattle. „Ich habe aus dem Flugzeug nach unten geschaut und alles erschien so unwirklich“, sagte die Studentin, die sich am Flughafen erstmals seit ihrer Freilassung öffentlich äußerte. Unter Tränen bedankte sie sich bei allen, „die an mich geglaubt haben, die mich verteidigt haben und die meine Familie unterstützt haben“.

Ihre Familie sei ihr jetzt am wichtigsten, sagte Knox. „Ich will einfach nur mit ihnen zusammen sein.“ Auch ihre Eltern bedankten sich bei den vielen Unterstützern, die zum Flughafen gekommen waren. Knox' Anwalt Theodore Simon sagte, seine Mandantin habe einen „Marathon-Albtraum“ durchgestanden.

Fast zwei Jahre nach ihrer Verurteilung wegen Mordes an ihrer Mitbewohnerin, der britischen Austauschstudentin Meredith Kercher, war Knox am Montag von einem Berufungsgericht in Perugia freigesprochen worden. Das Gericht sprach auch Knox' italienischen Ex-Freund Raffaele Sollecito frei, der in erster Instanz zu 25 Jahren Haft verurteilt worden war. Kercher war Anfang November 2007 mit durchgeschnittener Kehle und übersät mit Messerstichen in dem Haus in Perugia gefunden worden, das die 21-Jährige mit Knox bewohnte.

Das Gericht erster Instanz hatte es als erwiesen angesehen, dass Knox und Sollecito die Britin unter Einfluss von Drogen und Alkohol getötet hatten, während ein ebenfalls berauschter Bekannter die Arme des Opfers festhielt. Dieser war nach einem Teilgeständnis zu 16 Jahren Haft verurteilt worden.

In dem Berufungsverfahren äußerten unabhängige Experten jedoch ernsthafte Zweifel an den DNA-Tests, die zur Verurteilung von Knox und Sollecito geführt hatten. Die beiden Angeklagten hatten vor dem Urteilsspruch noch einmal ihre Unschuld beteuert. Nur wenige Stunden nach dem Freispruch wurden sie aus dem Gefängnis freigelassen, schon am Dienstmorgen stieg Knox in Rom ins Flugzeug.

Nach dem spektakulären Freispruch von Amanda Knox sitzt der einst in Rheinland-Pfalz festgenommene Ivorer Rudy Guede weiterhin in Italien im Gefängnis. Nach dem Urteil eines Geschworenengerichts ist wieder völlig offen, wem Guede beim Mord an der Studentin Meredith Kercher geholfen hat.

Der in zweiter Instanz verurteilte Ivorer sitzt wegen Beihilfe an dem Verbrechen während einer angeblichen Sex- und Drogenparty hinter Gittern. Die Suche nach Schuldigen müsste nun neu beginnen. Guedes Anwälte äußerten sich vorerst nicht zu dem Freispruch in zweiter Instanz von Knox und ihrem Ex-Freund Raffaele Sollecito. Sie könnten aber nach Medienberichten versuchen, einen Rekurs durchzubringen. Der nach dem Mord geflohene Guede war am 20. November 2007 als Schwarzfahrer in einem Zug von Koblenz nach Mainz festgenommen und später nach Italien ausgeliefert worden.

Experten spekulieren unterdessen bereits darüber, wie viel Geld Knox mit ihrer Geschichte verdienen könnte. In den USA ist die hübsche Studentin längst ein Medienstar, während sie in der britischen Heimat des Mordopfers der „Engel mit Eisaugen“ genannt wird. „Amanda Knox wird ein großes Ding, weil sie so jung ist und so amerikanisch aussieht,“ sagt die Literaturagentin Charlotte Gusay aus Los Angeles. Allein mit den Buchrechten könnte Knox ihrer Einschätzung nach bis zu 1,5 Millionen Dollar verdienen.

Die Agentin Sandra Dijkstra rechnet sogar mit mehreren Millionen Dollar – einschließlich weltweiter Rechte und dem Buchverkauf. Sie geht allerdings davon aus, dass das Verfahren gegen Knox zuvor vollständig abgeschlossen sein muss.

In Italien hatte Staatsanwalt Giuliano Mignini angekündigt, gegen den Freispruch vor das höchste Berufungsgericht des Landes ziehen zu wollen. Ein neuer Prozess müsste aber wohl in Abwesenheit der Angeklagten verhandelt werden, da eine Auslieferung Knox' aus den USA unwahrscheinlich ist.