"Engel mit den Eisaugen"

Amanda Knox fliegt sofort zurück in die USA

Nach ihrem Mordfreispruch will die als "Engel mit den Eisaugen" bekannt gewordene Amanda Knox so schnell wie möglich zurück in die USA fliegen. Bereits am heutigen Dienstag kehrt sie mit ihrer Familie zurück in ihre Heimatstadt Seattle. Zuvor dankte sie in einem Brief all ihren Unterstützern.

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Familie der US-Studentin bedankt sich nach Gerichtsentscheidung bei Anwälten und Unterstützern

Video: Reuters
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Die vom Vorwurf des Mordes freigesprochene Amerikanerin Amanda Knox hat ihren italienischen Unterstützern gedankt. Die 24-Jährige dankte all denen, „die mein Leid geteilt und mir geholfen haben, mit Hoffnung zu überleben“, wie sie in einem Brief an eine Stiftung schrieb, die sich für die italienisch-amerikanische Verständigung einsetzt. Die Stiftung hatte sie stets unterstützt.

Die US-Studentin wurde am Montagabend von einem Berufungsgericht in Perugia vom Mordvorwurf freigesprochen und verließ kurz vor Mitternacht das Gefängnis, in dem sie fast vier Jahre lang eingesessen hatte. In erster Instanz war die 24-Jährige noch wegen Mordes und sexueller Nötigung an ihrer britischen Mitbewohnerin Meredith Kercher zu 26 Jahren Haft verurteilt worden.

Das Berufungsgericht sprach auch Knox' Ex-Freund Raffaele Sollecito frei, der in erster Instanz zu 25 Jahren Haft verurteilt worden war. Kercher war Anfang November 2007 mit durchgeschnittener Kehle und von 43 Messerstichen durchlöchert in dem Haus in Perugia gefunden worden, das die damals 21-Jährige mit Knox bewohnte. Das Gericht erster Instanz hatte es als erwiesen angesehen, dass Knox und Sollecito die Britin unter Einfluss von Drogen und Alkohol getötet hatten, während ein ebenfalls berauschter Bekannter die Arme des Opfers festhielt. Dieser war nach einem Teilgeständnis in einem getrennten Schnellverfahren zu 16 Jahren Haft verurteilt worden.

In dem Berufungsverfahren äußerten unabhängige Experten ernsthafte Zweifel an den DNA-Tests, die zur Verurteilung von Knox und Sollecito geführt hatten. Die beiden Angeklagten beteuerten vor dem Urteilsspruch noch einmal ihre Unschuld: „Ich habe niemanden umgebracht, vergewaltigt oder bestohlen“, sagte Knox unter Tränen. „Ich war überhaupt nicht da.“ Nach dem Freispruch brach die 24-Jährige in unkontrolliertes Schluchzen aus, ihre Eltern weinten hemmungslos. Ihre Schwester Deanna Knox sagte, für Amanda sei nun „ein Albtraum zuende“. „Sie hat vier Jahre lang für ein Verbrechen gelitten, das sie nicht begangen hat.“

Kurz vor Mitternacht wurde sie in einem schwarzen Mercedes davongefahren. Sollecito seinerseits wurde von seinem Vater im Gefängnis abgeholt, sie machten sich auf den Weg in ihre süditalienische Heimat.

Knox will nach Angaben einer Anwältin mit ihrer Familie gleich am Dienstag in die USA fliegen. Sie wird in ihrer Heimatstadt Seattle sehnsüchtig erwartet. Eine Gruppe von Freunden der 24-Jährigen versammelte sich wegen der Zeitverschiebung bereits am frühen Morgen in einem Hotel der Stadt, um das Urteil live im Fernsehen zu verfolgen. Als der Freispruch kam, gab es laut dem Bericht eines Reporters eine Freudenexplosion. Es wurde geklatscht, Freudentränen flossen. Das US-Außenministerium seinerseits lobte das italienische Rechtssystem: „Die USA erkennen die sorgsame Prüfung des Falles durch die italienische Justiz an“, erklärte Außenamtssprecherin Victoria Nuland.

Die Familie des Opfers zeigte sich geschockt von dem neuen Urteil und beklagte, dass das Opfer bei all den Schlagzeilen über den Prozess vergessen worden sei. Nachdem die Mutter von Kercher das Urteil im Gerichtssaal reglos und stumm aufgenommen hatte, erklärte die Familie später: „Wir können es nicht verstehen, wie das erste Urteil komplett umgedreht werden kann. Wir wollen, dass die Wahrheit ein für alle Mal herausgefunden wird.“