Vegetarierfestival

Extrem-Piercing als Akt der Reinigung von der Sünde

Es ist ein blutiges Ritual, das Vegetarierfestival in Thailand. Die Teilnehmer stecken sich halbe Fahrräder in die Wangen. Oder sie lecken an scharfen Schwertern.

Das Vegetarierfestival in Thailand zählt zu den seltsamsten und wahrscheinlich schmerzhaftesten Spektakeln der Welt. Jedes Jahr kommt es dabei zu Extrem-Piercings, bei dem einem allein das Betrachten von Fotos die Zehennägel nach oben getrieben werden. Trotzdem reisen jährlich Tausende Besucher nach Phuket, um einmal dabei zu sein.

Der Anblick ist wirklich bizarr: Die Teilnehmer durchstechen mit langen Nadeln ihre Zungen, hängen sich spitze, mit Gewichten beschwerte Haken in die Haut, sie laufen über Klingen und glühende Kohlen, lecken an scharfen Schwertern oder durchbohren mit halben Motorrädern und ganzen Pistolen ihre Wangen. Dann ziehen sie mit Bang-Neow-Schreinen durch die Straßen von Phuket-Town.

Verzicht auf Fleisch und Sex

Angeblich, so heißt es zumindest, sind die Sich-Selbst-Quälenden dabei völlig clean, denn berauschende Mittel sind verboten. Sogar auf Fleisch und Sex verzichten sie während des Festivals.

Die extreme Praxis hat einen religiösen Hintergrund und wird hauptsächlich von der chinesisch-stämmigen Bevölkerung ausgeführt, die vermutlich einst mit Zirkusgruppen einwanderte. Die Ursprünge sind zwar nicht ganz geklärt, aber erstmals dokumentiert wurde das Festival bereits im Jahr 1825. Vermutlich sollten die Götter gnädig gestimmt werden, als eine tödliche Epidemie grassierte.

Als Zuschauer mag man es kaum glauben, aber die Selbstkasteiung dient auch heute noch einem guten Zweck – zumindest, wenn man der Legende Glauben schenken mag. Angeblich, so die Sage, wird damit die Gesundheit und sogar der Frieden gefördert, außerdem reinigt es von Sünden. Und es bringt angeblich Glück. Also, wenn Sie das nächste Mal einen Lotto-Schein abgeben, wissen Sie ja, was zu tun ist.