Sabotage

Hundekot-Attacken auf Briefkästen in München

Bei Münchner Postmitarbeitern liegen die Nerven blank. Denn Unbekannte verunreinigen reihenweise Briefkästen mit stinkendem Hundekot. Die Polizei ermittelt.

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Münchner Postmitarbeiter begleitet dieser Tage ein heftiges Ekelgefühl an die Briefkästen. Immer wieder räumen sie bei der Leerung mit dem Papierstapel auch eine Riesensauerei aus dem Kasten: Stinkender Hundekot verschmiert die Umschläge. 40 Fälle sind laut Polizei inzwischen in München und Südbayern bekannt, in denen ein Unbekannter absichtlich die Post mit extra verflüssigten Tierfäkalien versaute.

Die Post vermutet laut Sprecher Erwin Nier, dass es mittlerweile Trittbrettfahrer gibt. Bei den Kollegen "liegen die Nerven blank", schildert er. Alle seien "in Alarmbereitschaft". Nier mag sich außerdem gar nicht vorstellen, was es für das Image der Post bedeutet, wenn sie Kunden verdreckte Briefe zustellt. Wegwerfen sei nur nach Rücksprache mit dem Absender möglich, bedauert der Sprecher. Aber es sind inzwischen schlicht zu viele Fälle.

Betriebsstörungen durch verdreckte Briefe

Also werden die Sendungen so gut es geht gereinigt, in Folie verschweißt und "mit einem deutlichen Hinweis" zugestellt. Auch saubere Briefe könnten aber bei Kunden in ganz Deutschland Ärger hervorrufen: Laut Nier kann es wegen Betriebsstörungen schnell passieren, dass Sendungen erst "ein, zwei Tage" später zugestellt werden.

Schon mehrfach brachte die Hundekot-Post die Stempelmaschinen im Briefzentrum zum Stillstand. Die Briefe sind zur Bearbeitung in Gummibänder eingeklemmt. Gelangt der Dreck ins System, müssen laut Nier bis zu "einige hundert Meter Gummibänder" ausgebaut und gereinigt werden. "Das stört den Betrieb natürlich ungemein", schimpft Nier.

Den Übeltätern drohen bis zu fünf Jahre Haft

Die Polizei ermittelt wegen Störung der öffentlichen Betriebe und gemeinschaftlicher Sachbeschädigung. "Darauf stehen bis zu fünf Jahre Haft", sagt ein Ermittler. Die Hoffnungen ruhen dabei auf Zeugenhinweisen. "Wir sind auf die Bevölkerung angewiesen", sagt ein Polizeisprecher. "Es geht natürlich nicht, dass man sich an allen Briefkästen auf die Lauer legt."

Die Post hat für entscheidende Hinweise 4000 Euro Belohnung ausgelobt. Zugleich birgt der Aufruf Gefahren. Je bekannter der Fall werde, desto mehr könnten sich weitere Nachahmer animiert fühlen, gibt Nier zu bedenken.