Bau ohne Business-Plan

Spaniens Geisterflughafen, das peinliche Millionengrab

Im spanischen Huesca wurde ein Flughafen gebaut, obwohl der nächste Airport nur 70 Kilometer entfernt ist. Passagiere gibt es fast nie. Der letzte Linienflug hob im April ab.

Eigentlich könnten sich die Menschen in der spanischen Kleinstadt Huesca freuen. Die 50.000 Einwohner des Örtchens am Rande der Pyrenäen haben einen eigenen Flughafen vor der Haustür – doch niemand nutzt ihn. Grau in grau verschwimmt der Edelstahl der Boarding-Schalter mit dem Beton der Wände; jungfräulich wartet ein Stapel Informationsbroschüren auf Interessenten; das Rollfeld – eine Asphaltwüste.

Fünfzehn Passagiere von Privatmaschinen im Juli, null im August, vier im September: Die Menschen in Huesca haben einen Geisterflughafen in ihrer Stadt, einen Verkehrsknotenpunkt auf dem Abstellgleis. 20.000 Passagiere kamen seit der Eröffnung 2007. Die letzte Linienmaschine startete im April.

Spanische Experten überrascht das nicht. "Das ist das perfekte Beispiel für eine Überversorgung an Infrastruktur", sagt Germà Bel, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Barcelona. In Huesca gibt es neben dem für 40 Millionen Euro gebauten Flughafen auch eine Bahntrasse für Hochgeschwindigkeitszüge und eine Autobahn. Und zu allem Überfluss ist der Flughafen der Großstadt Saragossa nur rund 70 Kilometer entfernt.

Bel zufolge ist das ein typisches Problem für sein Land. Kein Staat in Europa verfügt über mehr Autobahnkilometer als Spanien. Der Flughafen in Huesca ist ein Auswuchs des Baubooms vor dem Platzen der Immobilienblase 2008. Huesca ist dabei kein Einzelfall.

Von den 50 Flughäfen in Spanien kämpfen mehrere ums Überleben. Insgesamt gebe es rund 20 Flughäfen, die weniger als 100.000 Passagiere im Jahr abfertigen, sagt Bel. Seinen Berechnungen zufolge sind jedoch mindestens 500.000 Passagiere pro Jahr notwendig, um rentabel wirtschaften zu können.

Eine der wenigen Ausnahmen, wo ein Flughafen trotz geringer Passagierzahlen gerechtfertigt sei, seien beispielsweise die Airports auf den isoliert gelegenen Kanarischen Inseln.

Im Vorfeld gab es keinen ordentlichen Business-Plan

Nun müssen sich auch die Betreiber in Huesca Gedanken über die Nutzung ihrer Anlage machen. Für den Flughafen habe es im Vorfeld keinen ordentlichen Business-Plan gegeben, räumt Rafael Fernández de Alarcón ein, Leiter der Abteilung für öffentliche Bauprojekte der autonomen Region Aragonien.

Einer Sicherheitsvorschrift zufolge muss es in Spanien alle hundert Kilometer einen Flughafen geben. Der Flugplatz in Huesca könnte für mögliche Rettungseinsätze in den Pyrenäen genutzt werden, lautete die Überlegung beim Bau. Diese Vorschrift sei in einem reichen Europa zu Zeiten vor der Wirtschaftskrise angemessen gewesen, sagte Fernández de Alarcón – "heute würde ich den Flughafen nicht finanzieren", gibt er zu.

Dennoch wollen die Behörden die Anlage nicht wieder schließen. Der Flughafen könnte zum Beispiel für eine Pilotenschule genutzt werden. Die regionalen Behörden verhandeln derzeit nach eigenen Angaben mit drei Projekten und geben sich optimistisch. Der Flughafen könnte sogar in Zukunft Charter-Flüge abwickeln, hoffen die Beamten.

Bis dahin ist es aber noch ein großes Stück Arbeit. Zurzeit ist lediglich das Reinigungspersonal regelmäßig in Huesca im Einsatz, damit der Geisterflughafen nicht verstaubt.

Schriftzüge auf dem Fußboden vor den Abfertigungsschaltern mahnen "Bitte warten".