"Sun-Drop"

Auktion für 15-Millionen-Dollar-Diamant

Sotheby’s will heute einen der größten gelben Diamanten der Welt versteigern. "Sun-Drop" hat 110,03 Karat und ist so groß wie ein Daumen. Schätzpreis: 15 Millionen Dollar.

Foto: REUTERS

Dieses Strahlen ist magisch. Dieser Schliff, dieses satte Gelb. Diese Größe. „Sun-Drop“ (Sonnentropfen) heißt der Stein, der größte gelbe, birnenförmige Diamant, den die Welt je gesehen hat. Das Auktionshaus Sotheby’s will ihn heute in Genf versteigern. Sensationelle 110,03 Karat ist er schwer.

Seine Größe wird mit dem Daumen einer Frau verglichen. Sein Schätzpreis liegt bei elf bis 15 Millionen Dollar. Sotheby’s weiß längst, dass etliche Interessenten auf den Tag warten, an dem sie bieten können. Es könnte ein äußerst spannendes Wetteifern der Finanzgiganten werden.

Auktion im berüchtigten Genfer Hotel "Beau-Rivage“

Atemberaubende Objekte werden bei dieser Auktion vom 12. bis zum 15. November im Genfer „Beau-Rivage“ aufgerufen. Jenem Hotel, das nicht nur als Nobelherberge, sondern auch als Todesort Geschichte geschrieben hat. Die Leiche des CDU-Politikers Uwe Barschel wurde hier gefunden, die österreichische Kaiserin Sisi starb hier nach einem Attentat. Wenn in diesen Tagen Kostbarkeiten aufgerufen werden, sind die Gedanken woanders. Tatsächlich wecken viele Objekte erfreuliche Erinnerungen.

Drei Bieter hatten jüngst um die goldene Rolex von Konrad Adenauer gekämpft, bis sie für 142.000 Euro an einen Schweizer ging. Der zahlte für die Armbanduhr des ersten deutschen Nachkriegskanzlers das Dreifache ihres Schätzwertes. Sichtlich erfreut soll er beim Verlassen des Saals gesagt haben, dass die Uhr gleich an sein Handgelenk komme.

Die Kanzleruhr, die man auch im Bad tragen und sogar mit Seife und Bürste säubern kann. Das hatte Rolex-Gründer Hans Wilsdorf dem Kanzler zugesichert, als er ihm das gute Stück 1955 zum Geschenk machte.

Geschichtsträchtig sind auch die kostbaren Juwelen aus der Zeit des Osmanischen Reichs, die bei der Genfer Auktion im Angebot sind. Es sind Edelsteine, die Sultan Abdul Hamid II. der Gattin des Vizekönigs von Ägypten im 19. Jahrhundert schenkte. Brosche, Ohrringe, Halskette mit einem Schätzwert von sieben Millionen Euro. Gut möglich, so Sotheby’s, dass es sich bei einigen Juwelen um den Teil eines Friedensangebotes Russlands an das Osmanische Reich 1711 handelte – um Juwelen, die politische Geschichte schrieben.

Der Reiz der Jungfräulichkeit

Das ist der Reiz der Historie. Der Reiz der Jungfräulichkeit ist für viele Käufer größer. „Manche Personen“, sagt David Bennent, Chef der Edelsteinabteilung bei Sotheby’s, „finden es sehr anziehend, dass ein Stein Millionen von Jahren unberührt unter der Erde gelegen hat.“ Der große gelbe Diamant, der heute aufgerufen wird, hat noch keinen Hals, keinen Finger dauerhaft geschmückt. „Der Käufer“, so Bennent, „wird die erste Person sein, die ihn trägt.“

„Fancys“, farbige Diamanten kommen äußerst selten vor. Es ist lange her, dass Sotheby’s mit einem gelben Diamanten einen Weltauktionsrekord erzielte. 1997 war es, als das Auktionshaus in New York einen in Marquiseform geschliffenen Stein mit einem Gewicht von 13,83 Karat für 3.302.500 Dollar verkaufte.

Der derzeitige Weltauktionsrekord für einen tropfenförmigen gelben Diamanten liegt bei 3.762.000 Dollar, er wurde 1990 bei Christie’s in London erzielt. Mit dem Verkauf des „Sonnentropfens“ würde Sotheby’s den Konkurrenten um Längen schlagen. Auch wenn sich um ihn noch keine Legenden ranken wie um den bekanntesten farbigen Diamanten, den blauen „Hope“.

Er wurde angeblich aus der Statue der indischen Gottheit Vishnu gestohlen und soll seitdem verflucht sein. Die Legende wurde nicht zuletzt aus der Tatsache genährt, dass Marie-Antoinette, die bekanntlich unter der Guillotine endete, den kostbaren Stein trug. Moderne Mythen. Dass in unterentwickelten Regionen der Welt Menschen unter lebensgefährlichen Bedingungen nach Diamanten graben, ist dagegen bittere Wahrheit. Ebenso die Tatsache, dass mit den Gewinnen aus dem Diamantentenhandel Bürgerkriege in Afrika finanziert werden.

"Sun-Drop" wurde 2010 in Südafrika entdeckt

Für den „Sun-Drop“ trifft das sicher nicht zu. Er wurde in seiner Rohform erst 2010 in Südafrika entdeckt. Der genaue Fundort ist nicht bekannt. Nicht auszuschließen ist, dass er aus der Kapprovinz stammt, wo überdurchschnittlich viele gelbe Diamanten auftauchen.

Gelb, die zweithäufigste Farbe bei Diamanten, ist auf den Stickstoffanteil in der Kohlenstoffstruktur des Steins zurückzuführen. Die Farbe des „Sun-Drop“ ist besonders intensiv. Das Gemological Institute of America (GIA) hat den Stein mit der höchsten Farbgraduierung für einen gelben Diamanten eingestuft – mit „Fancy Vivid Yellow“. Die Cora International New York, eine der führenden Diamantenmanufakturen weltweit, hat den Rohdiamanten geschliffen und auf Hochglanz poliert.

Das US-amerikanische Fotomodell Jerry Hall war so entzückt, dass sie sich gleich bereit erklärte, den Stein zur Eröffnung einer Ausstellung im Londoner Naturhistorischen Museum zu präsentieren, wo „Sun-Drop“ für sechs Monate zu sehen war.

Wenn der Diamant einen Käufer findet, dann wird er vermutlich lange nicht mehr öffentlich zu sehen sein. Zu exklusiven Anlässen vielleicht – am Hals einer Dame. Es wäre ein Wagnis. Es wäre kein entspannter Auftritt zu wissen, was für ein Vermögen am Körper baumelt. Der Schätzpreis liegt bei bis zu 15 Millionen Dollar. Der tatsächliche Kaufpreis könnte um einiges höher sein.

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos

Beschreibung anzeigen