Reporter in Fukushima

In der Todeszone. Keiner entfernt sich von der Gruppe!

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Seit acht Monaten versuchen Arbeiter, das stark beschädigte Kernkraftwerk Fukushima unter Kontrolle zu bringen. Nun durften erstmals Journalisten auf das Gelände.

Die japanischen Behörden haben erstmals einer Gruppe von Journalisten Zugang zum Unglücksreaktor von Fukushima gewärt. Acht Monate nach dem schweren Reaktorunglück fuhren gut 30 Reporter, darunter vier Ausländer, in Schutzkleidung auf das Reaktorgelände. Vier verschiedene Atommeiler sind in unterschiedlicher Schwere beschädigt, der Reaktor 3 ist weitgehend zerstört.

Auf dem Reaktorgelände stehen zahlreiche Lkw-Wracks und ausgelaufene Wasserbehälter. In der unmittelbaren Umgebung der Reaktoren wurde von einem der Reporter eine Strahlenbelastung von 300 Mikrosievert pro Stunde gemessen. Im japanischen Fernsehen berichtete ein Journalist sogar von einem Messwert von 500 Mikrosievert.

Der Richtwert der japanischen Regierung zur Evakuierung eines bewohnten Gebietes liegt bei 20 Millisievert (20.000 Mikrosievert) pro Jahr. Die Reporter wurden mit einem Bus transportiert und konnten sich nicht von der Gruppe entfernen. Sie trugen Schutzhelme und strahlenabweisende Anzüge.

Der Kraftwerksbetreiber Tepco wollte mit der Besichtigung zeigen, dass er die Probleme am Unglücksreaktor in den Griff bekommt. Das Reaktorunglück von Fukushima war das schlimmste in der zivilen Nutzung der Atomkraft seit dem Unglück von Tschernobyl 1986.

Das Unglück vom 11. März wurde durch eine schwere Tsunami-Flutwelle nach einem Erdbeben verursacht. Die Atomanlage steht nur zehn Meter über dem Meeresspiegel, die Flutwelle war 14 Meter hoch.

Auf dem Reaktorgelände arbeiten laut Tepco an Werktagen rund 3200 Menschen und am Wochenende die Hälfte. Durch das Unglück gelangten hohe Strahlungsdosen in die Luft, ins Meer und in die Nahrungskette; unmittelbare Todesfälle wurden nicht bekannt.

Wegen der Verstrahlung wurde ein Gebiet im Umkreis von 20 Kilometern evakuiert. Tausende von Menschen leben in der Ungewissheit, ob oder wann sie in ihre Wohnungen zurückkehren können.

Der für Atomkraftwerke zuständige Minister Goshi Hosono sagte bei der Besichtigung, er sei nun zum vierten Mal seit der Katastrophe zu dem Kraftwerk gereist und habe „jedes Mal das Gefühl, dass sich die Bedingungen verbessern“.

Zugleich äußerte er die Prognose, es werde noch mindestens 30 Jahre dauern, bis die Schäden des Unglücks beseitigt seien.

( AFP/mk )