Niedersachsen

Polizeipräsident stolpert über Rotlicht-Feier

Der Besuch einer Kneipe im berüchtigten Rotlichtviertel in Hannover hat Niedersachsens Polizeipräsidenten Christian Grahl sein Amt gekostet. Die Bar soll wie der gesamte Kiez unter dem Einfluss des Rockerclubs Hells Angels stehen.

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Der Besuch einer Kneipe im berüchtigten Rotlichtviertel in Hannover kostet den niedersächsischen Polizeipräsidenten Christian Grahl sein Amt. Innenminister Uwe Schünemann (CDU) entband den Leiter der Zentralen Polizeidirektion am Freitag von seinem bisherigen Posten, wie das Ministerium in Hannover mitteilte. Grahl sei in gegenseitigem Einvernehmen mit sofortiger Wirkung zum Vorstandsvorsitzenden des Landesbetriebes für Statistik und Kommunikationstechnologie (LSKN) berufen worden.

Der Beamte könne als Präsident der Zentralen Polizeidirektion "seiner Vorbildfunktion nicht mehr überzeugend gerecht werden", hieß es nach einer "Gesamtwürdigung der aktuell bekannten Umstände".

Am Donnerstag war bekanntgeworden, dass Grahl im August in einer Bar im hannoverschen Steintorviertel gefeiert hatte. Das "Sansibar" soll wie der gesamte Kiez unter dem Einfluss des Rockerclubs Hells Angels stehen. Die Polizei kontrolliert dort deswegen seit einiger Zeit deutlich intensiver als früher. Inzwischen ist das Viertel aber auch bei vorwiegend jungen Leuten als Party- und Amüsiermeile angesagt.

Hannovers früherer Polizeipräsident Uwe Binias hatte seine Beamten im vergangen Jahr in einem internen Rundschreiben vor möglichen Interessenskollisionen gewarnt, falls sie privat am Steintor feiern sollten. Der NDR berichtete, in der Vergangenheit seien in Einzelfällen auch normale Polizeibeamte versetzt worden, nachdem sie privat in dem Rotlichtviertel unterwegs waren.

Er bedauere den Vorfall, hatte Grahl gesagt und damit einen Bericht des NDR bestätigt. Der Besuch in der Bar sei eine “spontane, aber unüberlegte und entbehrliche Aktion gewesen„. Nach einem kurzen Aufenthalt und einem Bier habe er die Bar wieder verlassen. Er hatte auch einige junge Polizeikollegen dabei, die zuvor an der Deutschen Polizeimeisterschaft in Leichtathletik teilgenommen hatten.

Der Polizeipräsident hatte bereits einen Tag später selbst dem Minister gebeichtet, wo er am Abend zuvor gefeiert hatte. Erst nach dem öffentlichen Bekanntwerden in dieser Woche zog Minister Schünemann aber Konsequenzen.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft Niedersachsen hat die Versetzung begrüßt. Innenminister Schünemann habe durch „seine schnelle und überlegte Entscheidung“ dafür gesorgt, dass keine Diskussion über persönliche Fehltritte eines Polizeipräsidenten geführt werde, teilte die Gewerkschaft am Wochenende mit.

Besonders wegen des bevorstehenden Castortransports, der den größten Polizeieinsatz des Landes mit sich bringt, verbietet sich eine solche Diskussion nach Ansicht der Gewerkschaft. Der Innenminister und das Landespolizeipräsidium hätten eine erhebliche Verantwortung gegenüber den eingesetzten Polizeibeamten in Bund und Ländern.