Heilbronn

Polizistenmord – Tatwaffe scheint gefunden

Die Ermittlungen im Heilbronner Polizistenmordfall scheinen entscheidend vorangekommen zu sein. In der ausgebrannten Zwickauer Wohnung der Tatverdächtigen ist offenbar die Tatwaffe aufgetaucht. Der Verdächtige Beate Z. sitzt derweil in Untersuchungshaft.

Die Tatwaffe im Heilbronner Polizistenmordfall ist nach Angaben des Stuttgarter Generalstaatsanwalts Klaus Pflieger wohl aufgetaucht. „In dem in Brand gesetzten Haus in Zwickau (Sachsen) ist eine Waffe gefunden worden, die dem Typ entspricht, mit dem auf die Polizisten geschossen wurde“, sagte Pflieger am Mittwoch. In dem Haus lebten zwei mutmaßliche Bankräuber und eine 36 Jahre alten Frau, die derzeit von Ermittlern befragt wird. Die beiden Männer sind mittlerweile tot.

Die mutmaßliche Komplizin der wegen Polizistenmordes in Heilbronn und Bankraubs verdächtigen Täter sitzt in Untersuchungshaft. Gegen die 36-Jährige erging Haftbefehl wegen Verdachts der schweren Brandstiftung, wie der Leiter der Zwickauer Staatsanwaltschaft, Uwe Wiegner, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz mitteilte.

Die Ermittler gehen davon aus, dass Beate Z. am vergangenen Freitag eine Doppelhaushälfte in Zwickau mit Brandbeschleuniger in Brand gesetzt und eine Explosion herbeigeführt hatte. Sie hatte sich am Dienstag der Polizei gestellt und verweigert die Aussage.

Außerdem teilte Wiegner mit, in dem abgebrannten Haus seien mehrere Schusswaffen gefunden worden. Er könne zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht sagen, ob sie im Zusammenhang mit dem Polizistenmord von Heilbronn stünden.

Die 36-Jährige habe sich zwar gestellt, zu dem Fall aber nichts gesagt – auch nicht, warum sie zur Polizei gekommen ist. Auch zum Fund der beiden Toten in Eisenach könne er keine Angaben machen, sagte Wiegner. Das sei Sache der Polizei in Thüringen.

Im Wohnmobil der beiden 34-jährigen und 38-jährigen Verdächtigen, die sich das Leben genommen haben sollen, wurden in dieser Woche die geraubten Dienstwaffen der 2007 in Heilbronn getöteten 22-jährigen Polizistin Michele K. und ihres damals schwer verletzten 24-jährigen Kollegen gefunden. Außerdem wurden dort laut Pflieger „die vielen Gegenstände, die wir nach dem Heilbronner Mord vermisst haben“ entdeckt – etwa Handschellen und ein Multifunktionsgerät.

Verbindung zur Neonazi-Szene

Nach Informationen von Morgenpost Online waren die drei Tatverdächtigen seit den 1990er-Jahren in der Neonazi-Szene Thüringens gut vernetzt und pflegten Kontakte auch in Kreise der rechtsextremen NPD.

Die Suche nach Beate Z. hatte weltweit Schlagzeilen gemacht, weil jahrelang anhand von DNA-Spuren ein weibliches Phantom gesucht wurde. Später stellte sich heraus, dass die Wattestäbchen bei der Herstellung durch eine Mitarbeiterin verunreinigt worden waren und die Spur somit unbrauchbar.

Die beiden Bankräuber im Alter von 34 und 38 Jahren und die 36 Jahre alte Frau sollen nach Darstellung der Thüringer Linke-Fraktion und Medienberichten bereits als Bombenbauer in Erscheinung getreten sein. Den deutschen Sicherheitsbehörden waren die Täter offenbar bereits vor 13 Jahren als Mitglieder militanter Neonazi-Gruppierungen bekannt. Im Hamburger Verfassungsschutzbericht von 1997 werden die Personen dem rechtsextremen Thüringer Heimatschutz (THS) zugerechnet, einer als gewaltbereit eingestuften Neonazi-Organisation. Nachdem die Thüringer Polizei am 26. Januar 1998 in Jena ein Haus durchsucht hatte, in dem die Verdächtigen Sprengsätze gelagert hatten, waren Uwe B., Uwe M. und Beate Z. untergetaucht. Vier funktionstüchtige Rohrbomben mit erheblicher Sprengkraft waren damals sichergestellt worden. Beate Z. und ihre Komplizen waren auch dringend tatverdächtig, im Januar 1997 Briefbomben-Attrappen an die „Thüringer Landeszeitung“ (TLZ) sowie an die Polizeidirektion Jena und die Stadtverwaltung geschickt zu haben. Auch ein Sprengsatz, der vor einem Theater in Jena deponiert worden und mit einem Hakenkreuz versehen war, soll auf das Konto des Trios gehen.

Das Landeskriminalamt soll die Männer Medienberichten zufolge fünf Monate lang observiert haben. Die Ermittlungen wegen der Rohrbomben wurden 2003 wegen Verjährung eingestellt. Das Landeskriminalamt in Thüringen wollte sich am Dienstag auf Nachfrage nicht zu den Ermittlungen gegen das mutmaßliche Neonazi-Trio äußern.

Die Wohnung der Bankräuber und der Frau in Zwickau wurde kurz nach den Vorfällen in Eisenach durch eine Explosion zerstört. Die Frau, die hier unter dem Namen Susann lebte, soll das Gebäude kurz vor der Detonation verlassen haben.

Nachbarn erinnerten sich am Dienstag an das letzte Mal, als sie Beate Z. sahen: Joseph Hergert, der in derselben Straße wohnt, erzählte, sie habe noch am Freitag bei ihnen geklingelt. Seine Tochter sei zu Hause gewesen. „Sie hat ihr zwei Katzenkäfige in die Hand gedrückt und darum gebeten, kurz aufzupassen.“ Seine Tochter habe dann gesehen, dass Qualm aus den Fenstern des Nachbarhauses aufstieg. „Da hat sie nur gesagt, dass sie deshalb gleich die Polizei anruft, und ist die Straße entlang weggerannt.“ Kurz darauf kam es zur Explosion.

Wie die beiden Männer in Zusammenhang mit dem Polizistenmord in Heilbronn stehen, ist nach Angaben der Polizei in Gotha noch nicht geklärt. Es werde nun versucht, die Spur der Dienstwaffen zurückzuverfolgen.

Die in Heilbronn ermordete Polizistin stammte aus dem südthüringischen Oberweißbach. Ob es einen Zusammenhang zwischen der Herkunft der getöteten Beamtin und dem Fundort der Waffen gibt, ist bislang unklar.

Unterdessen wird auch ein Zusammenhang mit dem Polizistenmord von Augsburg Ende Oktober überprüft. Bislang seien zwischen den beiden Polizistenmorden jedoch keine „Schnittstellen“ erkennbar, sagte ein Polizeisprecher in Augsburg. Man stehe jedoch mit den Kollegen in Thüringen in engem Kontakt.

Polizistenmord in Augsburg

Nun werde untersucht, ob der Augsburger Polizist mit den in Eisenach entdeckten Waffen erschossen wurde. Zudem sollen die DNA-Spuren der Bankräuber mit den im Augsburger Siebentischwald gefundenen Spuren verglichen werden.

Der 41 Jahre alte Augsburger Hauptkommissar war in der Nacht zum 28. Oktober 2011 nach einer Routinekontrolle von einem Unbekannten erschossen worden. Seine Kollegin wurde durch einen Streifschuss verletzt. Die Belohnung für Hinweise zur Ergreifung der Täter wurde inzwischen auf 55.000 Euro erhöht. Die Polizei bittet mit Fahndungsflugblättern um Hinweise. Darauf ist neben einem Motorrad und einer schwarzen Tasche ein Motorradhelm zu sehen. An diesem Mittwoch (9. November 2011) wird im über „Aktenzeichen XY... ungelöst“ (ZDF, 20.15 Uhr) nach den Tätern gesucht.

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