Exekutionen

US-Todeskandidat Skinner darf etwas länger leben

Der 49-jährige Hans Skinner soll seine Freundin und ihre Söhne umgebracht haben. Seine Tötung wurde schon einmal ausgesetzt. Jetzt machen ihm DNA-Tests Hoffnung.

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Für den US-Todeskandidaten Hank Skinner geht das Bangen weiter: Zwei Tage vor der Vollstreckung des Todesurteils ordnete ein texanisches Berufungsgericht überraschend an, den Antrag von Skinners Anwälten auf Zulassung von DNA-Proben zu prüfen. Der wegen dreifachen Mordes verurteilte 49-Jährige bestreitet die Tat und bekam schon 2010 einen Aufschub – eine Stunde vor der Hinrichtung.

Skinners Anwälte hatten mehrfach beantragt, am Tatort gefundene Spuren genetisch zu analysieren, um die Unschuld ihres Mandanten zu beweisen. Nachdem erst am Donnerstag ein texanisches Gericht dem Todeskandidaten die Tests erneut verweigerte, legten die Anwälte dagegen Berufung ein.

Das Berufungsgericht befand am Montag, dass sich die Gesetzgebung zu DNA-Proben in den vergangenen Jahren mehrfach geändert habe, was bisher nicht berücksichtigt worden sei. Deshalb solle der Antrag nun geprüft werden.

Ein texanisches Geschworenengericht hatte Skinner 1995 des dreifachen Mordes für schuldig befunden. Er soll am Silvestertag 1993 seine damalige Freundin und deren 20 und 22 Jahre alten Söhne in ihrem Haus getötet haben.

Skinner war zur Tatzeit im Haus

Der 49-Jährige gibt zu, zur Tatzeit im Haus gewesen zu sein, bestreitet aber bis heute die Tat. Er versicherte stets, er sei durch zu viel Alkohol und Medikamente außer Gefecht gesetzt und zu den Morden gar nicht in der Lage gewesen.

Skinners Anwalt Rob Owen begrüßte die Entscheidung des Berufungsgerichts. Sie stelle sicher, dass der Antrag auf DNA-Tests so sorgfältig geprüft werde, „wie er es verdient“. Die Bürgerrechtsorganisation ACLU sprach von einem „ermutigenden Zeichen“.

Die Ehefrau des Verurteilten, die französische Todesstrafengegnerin Sandrine Ageorges, äußerte sich „mehr als erleichtert“. „Das ist ein x-ter Aufschub, aber es ist besser, als am Mittwoch zur Leichenhalle zu gehen“, sagte Ageorges am Dienstag dem französischen Radiosender France Inter.

Tötung wurde schon 2010 ausgesetzt

Im März 2010 hatte das Oberste US-Gericht die Hinrichtung weniger als eine Stunde vor dem Termin ausgesetzt. Ein Jahr später kamen die obersten Richter dann zu dem Schluss, dass der 49-Jährige auf Bundesebene gegen eine Gerichtsentscheidung vorgehen könne, die Gentests an Beweismitteln vom Tatort abgelehnt hatte.

Allerdings wurde die Zulassung der DNA-Proben nicht ausdrücklich gefordert, die Entscheidung des Bundesgerichts steht noch aus.

Der Fall hat in Texas auch einen politischen Hintergrund. Der Gouverneur des Bundesstaates, der ultrakonservative Rick Perry, ist ein entschiedener Verfechter der Todesstrafe. Er bewirbt sich um die Kandidatur der Republikaner für die Präsidentschaftswahl im November 2012.